1926

Begutachtung der Haltungs- und Bewegungsorgane

Sport im Allgemeinen, Training und Wettkampf bedeuten körperliche Bewegung und Belastung, egal im welchem Altersbereich und auf welchem Leistungsniveau. Die Haltungs- und Bewegungsorgane spielen dabei natürlich eine zentrale Rolle. Ihre Leistungsfähigkeit wird mit sportlichen Übungen entwickelt bzw. erhalten. Neben diesen explizit gewollten und gewünschten Effekten beinhalten sportliche Belastungen aber immer auch Risiken der Verletzung, von Schädigungen oder Überlastungen. Durch ein wohl dosiertes, wissenschaftlichen Grundsätzen und Prinzipien folgendes Training, einschließlich präventiver Maßnahmen zur Erhaltung der kurz- und langfristigen Belastbarkeit, sollen derartige medizinische Probleme vermieden werden. Die Entwicklung der Trainingsmethodik allgemein als auch in deren sportartspezifischer bzw. alters- und leistungsspezifischer Ausprägung hat in den letzten Jahrzehnten auf diesen Gebieten große Fortschritte gemacht, gleichzeitig bleibt aber festzustellen, dass die Trainingsbelastungen insbesondere im Leistungssport für Jugendliche und Erwachsene parallel dazu auch spürbar zugenommen haben, dass aber auch in anderen Alters- und Leistungsklassen mit größerem Umfang und/oder Intensität trainiert wird. In der Folge hat sich im Wettkampfgeschehen der Sportarten auch eine Entwicklung hin zu mehr Dynamik, hin zu intensiverer sportlicher Auseinandersetzung über einen längeren Wettkampfzeitraum oder hin zu koordinativ anspruchsvolleren Aufgaben bzw. Bewegungen vollzogen. Was vor 20 Jahren noch als undenkbar galt, ist inzwischen nicht selten Standard. Und so bleiben die mit dem Training und Wettkampf verbundenen Gefahren und Risiken erhalten, sind Ärzte, Physiotherapeuten, Sporttherapeuten, Sportlehrer, Trainer und Übungsleiter aufgefordert, sich mit dem Thema weiter intensiv auseinanderzusetzen. In nicht wenigen Fällen, dann nämlich, wenn es zu einem Sportunfall, zu Überlastungsschäden oder zu Abnutzungserscheinungen durch langjährige sportliche Aktivitäten (insbesondere im Berufssport) gekommen ist, rücken auch rechtliche Fragen mit in den Focus des Interesses. Und es muss natürlich darauf verwiesen werden, dass vergleichbare Situationen, wie sie hier beschrieben sind, auch in weiteren Bereichen des Alltags oder des Berufslebens auftreten können, wo dann auch rechtlicher und medizinischer Sachverstand gefragt sind, um einen entstandenen Schaden zu bewerten und Schlussfolgerungen zu ziehen, wie zukünftige Präventionsmaßnahmen aussehen können. Diesen Themen wendet sich das Standardwerk der Herausgebergruppe um Gerhard Rompe, Arnold Erlenkämper, Marcus Schiltenwolf und Dierk F. Hollo zu, wobei ihr erster Blickwinkel der des Sozial- und Zivilrechts ist. Diese sind natürlich auch im Zusammenhang von Training und Wettkampf bedeutsam. Von nicht geringerer Bedeutung sind aber die umfassenden Präsentationen zu den Vorgehensweisen bei der allgemein orthopädischen Befunderhebung, die von den Autoren differenziert nach den Körperregionen bzw. Befundgruppen - Gliedmaßen, - Hals und Rumpf, - neurologische Befunde innerhalb der orthopädischen Begutachtung vorgenommen wird. Einbezogen in diese Darstellung ist das seit 2001 von der WHO angewandte System der Bewertung, dass die Funktionen (Körperfunktionen, Körperstrukturen, Aktivitäten und Teilhabe, Umweltfaktoren, personenbezogene Faktoren) innerhalb ihres biopsychosozialen Krankheitsmodells in den Vordergrund rückt. Hier können sich auch sportbezogene Schäden und Unfälle mit ihren Folgen sehr gut wiederfinden, was sich auch in den folgenden Kapiteln sehr schnell zeigt. In denen geht es um spezielle Krankheitsbilder, von denen einige zu typischen im Sport gehören, wie zum Beispiel: - Verletzungen und Funktionsstörungen der Schulter, - Verletzungen und Schäden im Handbereich oder - muskuloskelettale Schmerzen. Für diese und weitere Beurteilungsfälle wird klar und nachvollziehbar das Vorgehen in der Beurteilung (klinische Untersuchung, bildgebende Verfahren) beschrieben, werden typische Verletzungen und Schäden in ihrer akuten Ausprägung, aber auch mit möglichen Langzeitschädigungen vorgestellt. In einem gesonderten Kapitel werden Begutachtungsverfahren für besondere Fragestellungen dargestellt, zu denen auch die Untersuchungen und Bewertung von Kindern und Jugendlichen zählen, bei denen eventuell eine Befreiung vom Schulsport notwendig ist.
© Copyright 2009 Veröffentlicht von Thieme. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Stuttgart, New York Thieme 2009
Ausgabe:5. überarb. und erw. Aufl.
Seiten:742
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch