Internationale Dopingbekämpfung. Grundlagen und nationalstaatliche Umsetzung
Die in immer kürzeren Abständen aufgedeckten Fälle von Dopingmissbrauch im nationalen wie internationalen Spitzensport haben die Debatte um die Dopingbekämpfung nicht nur innerhalb des organisierten Sports "getrieben". Da juristische Themen, Fragen und Probleme zunehmend und auf das Engste mit dem Dopingmissbrauch und der Dopingbekämpfung verbunden sind, ja maßgeblich sind für die Weiterführung und Intensivierung des Kampfs gegen den Missbrauch von Dopingsubstanzen und -methoden, sind die Rechtsexperten gefordert, sowohl einen entsprechenden nationalen als auch internationalen Rechtsrahmen zu schaffen, in dem diese Vergehen verfolgt werden können. Dabei dürfen die Rechtsräume nicht isoliert von einander betrachtet werden, da der organisierte, kriminelle Dopinghandel und -missbrauch vor keiner Grenze Halt macht, ja bewusst international organisiert wird.
Die immer stärkere Verrechtlichung des Sports, der immer größere Einfluss staatlichen Rechts auf den organisierten nationalen und internationalen Sport erfordert aber auch die Klärung der Einbindung nationaler Regelungen und Gesetze in völkerrechtliche Verträge, da nur so eine vernetzte und nachhaltig erfolgreiche Dopingbekämpfung möglich wird.
Nationale "Einzellösungen", die dem transnationalen Charakter des Dopingmissbrauchs nicht gerecht werden und die nicht vollkommen völkerrechtskonform sind, würden sich selbst viel der angestrebten Wirkung nehmen:
Mit der vorliegenden Arbeit, die im Wintersemester 2008/2009 an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel als Dissertation angenommen wurde, sollen gezielt völkerrechtliche Aspekte der Dopingbekämpfung betrachtet werden, damit eine adäquate Implementierung im deutschen Rechtssystem erfolgen kann. Dafür bilden die grundlegenden Dokumente des Europarats und der UNESCO einen wesentlichen Ausgangspunkt. Deren Entstehungsgeschichte, ihre Inhalte und die Verpflichtungen der vertragsunterzeichnenden Staaten, und das auch in deren Zusammenwirken mit den nationalen Sportorganisationen, werden beschrieben. Die besondere Funktion, die der Europäischen Union als Koordinatorin ihrer Mitgliedsstaaten wird ebenso angesprochen. Auf diesem Hintergrund untersucht die Autorin die staatlichen Maßnahmen, die in Deutschland auf dem Gebiet der Dopingbekämpfung ergriffen wurden auf deren Konformität mit dem Völkerrecht. In einem weiteren Schritt erarbeitet sie Empfehlungen, wie diese weiter optimiert werden können. Dabei zeigt sich eine sehr intensive Zusammenarbeit zwischen staatlichen und privaten Akteuren wie auch von Akteuren auf der nationalrechtlichen mit denen auf völkerrechtlicher Ebene. Deutlich werden auch die Notwendigkeiten der Zusammenarbeit mit den Sportorganisationen, auch wenn deren Vorgehen nicht zum Kern der Untersuchungen von Judith Schmidt gehören.
Nicht unwesentlich ist die Erkenntnis der Autorin, dass auf dem Gebiet der Dopingbekämpfung eine Tendenz der Privatisierung von Völkerrecht zu erkennen ist. "Die Beeinflussung des staatlichen Rechts durch privat gesetztes Recht bildet dabei ein Gegenstück zur mittelbaren Drittwirkung staatlichen Rechts auf privates Verbandsrecht."
In diesem Zusammenhang thematisiert die Arbeit die verschiedenen Arten der Verantwortungswahrnehmung (Verantwortungsstufung und -teilung) in der Dopingbekämpfung, wie sie sich aus den völkerrechtlichen Verpflichtungen ergeben. Dazu entwickelt Judith Schmidt eine Gruppenstruktur der Umsetzungsmaßnahmen, die sich gliedert in
- Maßnahmen in der internationalen Zusammenarbeit,
- Maßnahmen in der Dopingprävention,
- Maßnahmen in der Forschung und
- legislative Maßnahmen.
Insgesamt kommt die Arbeit zum Schluss, dass die Bundesrepublik Deutschland in der Dopingbekämpfung in ausreichendem Maße die Verpflichtungen erfüllt, die sich aus den geschlossenen völkerrechtlichen Verträgen ergeben. Diese aktuelle Einschätzung wird aber mit der Aufforderung verbunden, sowohl im innerstaatlichen Raum als auch in der internationalen Zusammenarbeit kontinuierlich an dem Thema "''dranzubleiben" und insbesondere Länder zu unterstützten, die noch nicht über vergleichbare Strukturen auf diesem Gebiet verfügen.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Theorie und gesellschaftliche Grundlagen Sportgeschichte und Sportpolitik |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Stuttgart
Boorberg
2009
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| Ausgabe: | Stuttgart: Boorberg, 2009. - 209 S. |
| Schriftenreihe: | Schriftenreihe Causa Sport, 1 |
| Seiten: | 209 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |