Handlungsmöglichkeiten nationaler Sportverbände im Zeitalter der Globalisierung
Angesicht der zunehmenden internationalen Verflechtungen in einer stetig wachsenden zahl von Bereichen, ist der Begriff der Globalisierung aus den Debatten in politischen, wirtschaftlichen, ökologischen und kulturellen, aber auch sportlichen kreisen nicht mehr wegzudenken. Die Globalisierirungsforschung ist folglich auch eines der wissenschaftlichen Felder, die in den letzten Jahren Hochkonjunktur gehabt haben und sicher auch in Zukunft haben werden. Bisher sind aber direkte Einflüsse auf sportbezogene Forschungsvorhaben zu den Bedingungen und Folgen der Globalisierung in nennenswertem Umfang erkennbar. Einzelthemen sind zwar immer mal herausgegriffen dargestellt worden, eine übergreifende Untersuchung stand aber bisher noch aus. Insofern waren die Erkenntnisse zu einem globalisierten Sport, zu dessen wirtschaftlichen und politischen Grundlagen, zu Handlungsmöglichkeiten der Akteure aus verbands-, vereins- und Individualebene noch eher bescheiden. Dies ist umso bemerkenswerter, als dass es gerade diese Ebenen sind, auf denen der nationale und internationale Sport "gestaltet" wird, sodass es gerade die Verbande und vereine sind, die mit der Globalisierung leben (müssen), die sich ihren Handlungsspielraum erhalten bzw. wieder erkämpfen müssen.
Um dieses Defizit zu beheben, hat sich Torsten Wojciechiowski die Frage vorgelegt, wie die Globalisierung die Handlungsmöglichkeiten nationaler Sportverbände beeinflusst. Dazu galt es, die verschiedenen Globalisierungstrends im Sport zu beschreiben und zu verstehen. Zu diesen gehört die ökonomische Globalisierung (z. B. globale Sportartikelproduktion oder Migration von Sportlern), die kulturelle Globalisierung (z. B. das Verschmelzen von globaler und nationaler Sportkultur, die mediale Globalisierung des Sports), die gesellschaftliche und ökologische Globalisierung (z. B. der Sport als Bewahrer nationaler Identität) sowie die politische Globalisierung des Sports (z. B. der Einfluss auf die nationalen Sportverbände hinsichtlich deren Handlungsspielräume).
Um diese Prozesse wissenschaftlich fundiert untersuchen zu können und den Globalisierungseinfluss entsprechend feststellen sowie modellieren zu können, wurden in einem ersten Schritt aus der allgemeinen Globalisierungsforschung bekannte Konzepte auf ihre Nutzbarkeit überprüft (Ressourcen-Dependenz-Konzept, Exit-Option-Konzept, These der globalen Märkte). Dazu wurden, basierend auf im Jahre 2006 durchgeführte Experteninterviews mit Repräsentanten deutscher Sportverbände, die Handlungsstrategien nationaler Verbände zur Einflussnahme und Machtausübung auf dem Hintergrund der allgemeinen Konzepte analysiert. Dabei wurde die Vermutung ausgesprochen, dass die fortschreitende Globalisierung zu einem Verlust an Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten seitens der verbände führt. Diese Hypothese konnte durch die Ergebnisse der Experteninterviews (noch) nicht gestützt werden, zeigte sich doch, dass die verbände über ausreichend Möglichkeiten verfügen, um aktuell und perspektivisch die Herausforderungen der Globalisierung zu bewältigen. Allerdings wurde u. a. auch deutlich, dass dazu in den Verbänden ein hohes Maß an Professionalisierung der Arbeit erforderlich ist bzw. sein wird. Eine der wichtigsten, sich daraus ergebenden, Schlußfolkgerungen lautet denn auch, das die Verbände sehr viel Aufmerksamkeit auf die Rekrutierung von hoch qualifiziertem Fachpersonal leben müssen, um ihre Interessen adäquat realisieren zu könne.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Theorie und gesellschaftliche Grundlagen |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Schorndorf
Hofmann Verlag
2008
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| Ausgabe: | Schorndorf. Hofmann, 2008. - 230 S. |
| Schriftenreihe: | Reihe Sportsoziologie |
| Seiten: | 230 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |