Kommunikation im Spitzensport. Theoretische Reflexionen zu kommunikativen Erfolgsstrategien von Trainern

Die Autorin formuliert, dass das Ziel der von ihr vorgelegten Arbeit darin besteht, die Kommunikation von Trainern und Athleten im Spitzensport und ihre Einbindung in unterschiedliche Kommunikationszusammenhänge zu analysieren und daraus kommunikative Erfolgsstrategien von Trainern abzuleiten. Dabei geht sie davon aus, dass Trainer neben sportfachlichem Wissen ebenso über exzellente soziale Fähigkeiten verfügen müssen, zu denen auch kommunikative zählen, um im Spitzensport erfolgreich zu sein. Trainer müssen mit den von ihnen betreuten Sportlerinnen und/oder Sportlern sehr gut kommunizieren können, müssen diese kommunikativ erreichen, sie überzeugen, motivieren und zu sportlichen Spitzenleistungen führen können. Dieser Prozess ist ein sehr komplexer und komplizierter zugleich, erfasst er doch eine Vielzahl von Teilbereichen und nicht nur das Training und den Wettkampf. Ebenso ist Kommunikation sowohl im Erfolgs- als auch im Misserfolgsfall wichtig, muss zwischen jungen Nachwuchs- und erfahrenen Erwachsenensportlern wie auch zwischen Individual- und Teamsportlern differenziert werden. Wie geschieht das aber alles, und wie kann sich ein Trainer die dazu erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten aneignen und umsetzen? Basierend auf dem Modell der soziologischen Systemtheorie und dem luhmannschen Kommunikationsbegriff untersucht die Arbeit die Komplexität der Trainer-Athlet-Kommunikation, deren Einflussfaktoren und Dimensionen und beschreibt diese als genuinen sozialen Prozess. Dabei ging es Carmen Borggrefe sowohl um das Verhältnis von Kommunikationssystemen als auch der jeweils beteiligten Bewusstseinssysteme, um ein grundlegendes Kommunikationsproblem abzuleiten. Hier zeigt sich ein unsicheres und kontingentes Geschehen, das der Trainer erkennen und regulieren sollte. Gleichzeitig unterstreicht sie auch die Bedeutung generalisierter Verhaltenserwartungen, die innerhalb der Kommunikation von herausragender Bedeutung sind, was Trainer ebenso erkennen und nutzen können, um Unsicherheiten zu absorbieren und Kontingenzen auf den Ebenen Gesellschaft, Organisation, Gruppe und Interaktion zu regulieren. Diese theoretischen Vorüberlegungen machen es der Autorin dann möglich, kommunikative Erfolgsstrategien in der Verständigung, Steuerung und Konfliktregulierung zu entwickeln. Dabei zeigte sich deutlich, dass erfolgreiche Trainer eine verständigungsorientierte Gestaltung der Kommunikation auf der Basis reflexiver Beobachtung und Kommunikation sowie reflektierter Selbstdarstellung präferieren und Kommunikationsangebote der Sportler in reflektierter Weise deuten. Es gibt ihnen darum, Selbststeuerung der Athleten zu initiieren, wofür sie auch ein effektives Management von Konfliktpotenzialen und -verläufen gezielt genutzt werden kann. Allerdings sind sich die Kommunikationsexperten unter den Trainern der Unsicherheitsfaktoren bewusst, die sich aus diesem herangehen ergeben können. Ebenso wird immer wieder deutlich, dass sich Kommunikationsstrategien nicht automatisch von einer Situation auf die andere, von einem Sportler auf den anderen übertragen können. Vielmehr ist der Trainer kontinuierlich gefordert, Bewusstseinssysteme, Symbolsysteme und Kommunikationssysteme in der Trainer-Athlet-Kommunikation zu analysieren und zu verstehen. Aber selbst dann ist nicht selten der kommunikative Erfolg erst retrospektiv zu erklären, ist auch nicht selten das Ergebnis einer Versuch-Fehler-Methode. Auch wenn die Arbeit von Carmen Borggrefe sehr stark theoretisch orientiert ist, liefert sie Trainerinnen und Trainern im Spitzensport eine Vielzahl sehr interessanter Einsichten und Ergebnisse, wie Kommunikationsprozesse gerade in diesem Leistungsbereich ablaufen. Damit kann die Arbeit einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass die Kommunikation zwischen Trainern und Sportlern, die im Training wie im Wettkampf an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gehen und die sich härtester nationaler und internationaler Konkurrenz in der sportlichen Auseinandersetzung um Siege und Medaillen gegenüber sehen, besser verstanden und in der Konsequenz nachfolgend besser gestaltet werden kann.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Theorie und gesellschaftliche Grundlagen Sozial- und Geisteswissenschaften
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Schorndorf Hofmann Verlag 2008
Ausgabe:Schorndorf. Hofmann, 2008. - 293 S.
Schriftenreihe:Reihe Sportsoziologie
Seiten:293
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch