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Hormone und Hochleistung. Doping in Ost und West

Die Dopingvergangenheit im deutschen Spitzensport ist seit der Wiedervereinigung Gegenstand verschiedener Untersuchungen gewesen. Dabei stand anfänglich das staatlich kontrollierte DDR-Dopingsystem im Mittelpunkt, dessen politische Zielsetzung und Instrumentalisierung thematisiert wurde. Parallel dazu wurden die komplexen Strukturen dieses Systems unter Einbeziehung verschiedener politischer, staatlicher, wissenschaftlicher und Sportorganisationen bis hin zur nationalen Pharmaindustrie und dem allgegenwärtigen Ministerium für Staatssicherheit analysiert. Daneben standen Untersuchungen, wie mit diesem Thema im Spitzensport der Bundesrepublik Deutschland umgegangen wurde. Ihre Zahl ist geringer als die zum DDR-Staatsdoping, das thematische Spektrum umfasst sportpolitische Aspekte wie auch das Wirken der Sportmedizin und die (nicht immer wahrgenommenen) Aufgaben staatlicher Einrichtungen in der Dopingbekämpfung. Die Dopingvergangenheit in Ost und West ist aber nur dann richtig zu verstehen, wenn der Spitzensport und die Sportpolitik in größere politische und auch ökonomische Zusammenhänge gestellt wird. Der "Kalte Krieg" ist letztlich die historische Etappe, in der Doping Eintritt in den Spitzensport hielt und in der der zunehmende Dopingmissbrauch gefördert oder geduldet wurde. Hier spielen aber bei allen unmittelbar und mittelbar Beteiligten eine nicht geringe Zahl sehr unterschiedlicher Motive und Ursachen ein bedeutsame Rolle, die wiederum erst dann durchschaubar werden, wenn man eine rein sportliche Perspektive des Einsatzes nicht erlaubter Präparate und Methoden zur Leistungssteigerung verlässt. Allgemeine soziale Entwicklungen in einer Vielzahl von Ländern haben zu einer "modernen" Erfolgs-, Leistungs- und Optimierungsgesellschaft geführt, in der die Leistungssteigerung grundsätzlich zu einem zentralen Begriff geworden ist - und das dann auch unter Nutzung verbotener Mittel. Ende 2006 fand bei Jena der Workshop "Doping in Ost und West 1960-1990. Erkenntnisse, Probleme und Perspektiven der Forschung" statt. Auf der Veranstaltung wurden insgesamt 13 Vorträge in zwei Arbeitskreisen gehalten: 1. Strukturen, Beteiligte, Verantwortung Gabriel: Aus ärztlicher Sicht. Erwünschte und unerwünschte Wirkungen anabol-androgener Steroide Singler & Treutlein: Doping in der Bundesrepublik Deutschland. Historische und soziologische Aspekte abweichenden Verhaltens im Spitzensport Spitzer: Entstehung und Funktionsweise des DDR-Zwangsdopings: Doping in einem geschlossen System und die Grenzen der biologischen Leistungsfähigkeit Knoepffler: Freiheitsspielräume in einem staatlichen Dopingsystem? Schönherr: Pharmabetriebe in der Planwirtschaft Latzel: Doping und die pharmazeutische Industrie in der DDR. Vorläufige Ergebnisse und Forschungsprobleme Teichler: Doping in der Endphase der DDR und im Prozess der Wende 1989/90 Braun: "Dopen für Deutschland" - Die Diskussion im vereinten Sport 1990-1992 2. Kulturwissenschaftliche Perspektiven Deolow: "Ich finde, ich hatte keine andere Wahl" - Doping und Biografie Roessler: Doping als Beziehungsproblem. Psychologische Aspekte von Sport, Schmerz und Grenzen' Katzer: Am Rande der Vollkommenheit. Aspekte einer Geschichte sowjetischer Körperoptimierung Hoberman: Fünfzig Jahre Doping und Pharmakologisierung des Alltagslebens Caysa: Doping und das Problem des Maßes einer "natürlichen" Eigenleistung des Menschen Diese Beiträge werden im vorliegenden Band einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Theorie und gesellschaftliche Grundlagen Biowissenschaften und Sportmedizin
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Köln; Weimar; Wien Böhlau 2008
Ausgabe:Köln; Weimar; Wien: Böhlau Verlag GmbH & Cie., 2008. - 265 S.
Seiten:265
Dokumentenarten:Buch
Level:mittel