Der Beitrag des Sports zur Entfaltung der sozialistischen Persönlichkeit in der DDR
Die Verbindung des Sports, und dabei primär, aber nicht nur, des Leistungssports, mit den politisch-ideologischen Zielen der staatstragenden Partei war eines der prägenden Kennzeichen der Sportentwicklung in der DDR. Dabei stellten die innenpolitischen und außenpolitischen Ziele, die durch den Sport und die Sportorganisationen zu erfüllen waren, eine Einheit dar. Der Sport wurde zu einem Element, das wesentlich zur Entwicklung des Sozialismus beitragen sollte und konnte. Er sollte zur Erhöhung der körperlichen Fitness beitragen, um die Bevölkerung zur Verteidigung des Arbeit-und-Bauern-Staates zu befähigen. Gleichzeitig wurden über das zielgerichtete sportliche Training Persönlichkeitseigenschaften entwickelt und gefördert, die ganz im Interesse der Partei und des Staates lagen. Und der Sport, und hier in erster Linie wieder der Leistungssport, hatte einen sehr wichtigen Motiv setzenden Auftrag, konnte er doch sehr gut dazu beitragen, dass die Bevölkerung der DDR auf ihren Staat und seine erfolgreichen Sportler stolz waren und sich gerne mit den sportlichen Erfolgen und damit auch mit dem Staat identifizierten. Ein sehr intensives Sportinteresse in großen Teilen der Bevölkerung führte so dazu, dass deren DDR-Identifikation sehr eng mit sportlichen Triumphen verbunden war. Auf diesem Gebiet des "internationalen Klassenkampfs" demonstrierte die DDR das, was sie in der Wirtschaft nicht leisten konnte: Ihre Sportler erreichten oftmals bessere Leistungen als die Sportler der Bundesrepublik, nicht selten sogar mussten sich die USA von der DDR geschlagen geben. Diese Erfolge wurden gezielt in der Politik der SED eingesetzt, um die angebliche Überlegenheit des sozialistischen Gesellschaftssystems zu belegen. Die Sportler, schon in den fünfziger Jahren als Botschafter im Trainingsanzug bezeichnet, sollten die Vorbilder für Arbeiter, Wissenschaftler oder Bauern sein, denen nachgeeifert werden sollte. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wurde für die Sportlerinnen und Sportler ab den 60er Jahren in ein politisches Schulungssystem aufgebaut, damit sie neben ihrem sportlichen Können auch die Charakterzüge einer sozialistischen Persönlichkeit entwickeln sollten. Dazu wurden vorhandenen Bildungseinrichtungen wie die Kinder- und Jugendsportschulen genauso genutzt wie die Sportclubs, die Gesellschaft für Sport und Technik oder die akademische Ausbildung an der DDR-Sporthochschule. Dafür dass die Stasi in diesem ideologischen Konzert gemeinsam mit der SED entschied, welche politischen Stücke gespielt wurden und wer welche Geige zu spielen hatte, gibt eine Vielzahl von Belegen. Insgesamt wird in diesem Buch gezeigt, wie der Sport in der DDR politisch-ideologisch instrumentalisiert wurde, und mit welchen Methoden die Entwicklung der Athleten zu sozialistischen Persönlichkeiten betrieben wurde.
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| Notationen: | Theorie und gesellschaftliche Grundlagen |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Berlin
Weißensee-Verl.
2007
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| Ausgabe: | Berlin: Weißensee Verlag, 2007. - 119 S. |
| Seiten: | 119 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |