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Zum Sportverständnis von Jugendlichen. Was erfassen schriftliche Jugendsporterhebungen?

Regelmäßig, und manchmal hat man auch den Eindruck zunehmend, widmen sich Autoren und Medien den problematischen Konsequenzen für den körperlich-sportlichen Bereich von Kindern und Jugendlichen, die sich aus Bewegungsmangel, medialer Reizüberflutung, Urbanisierung, sozialen Konflikten innerhalb des Arbeitslebens ergeben. Gleichzeitig sagt die Mitgliederstatistik des deutschen Olympischen Sportbundes von 2007 aus, dass gut 24 Prozent der Kinder im Alter bis 6 Jahren Mitglied im DOSBV sind, im Altersbereich 6-14 Jahre sind es fast 80 Prozent der Jungen und 60 Prozent der Mädchen, Jugendliche im Alter von 15-18 Jahren sind zu 63 Prozent (Jungen) bzw. 42 Prozent (Mädchen) in einem Sportverein organisiert. Dies sind beeindruckende Zahlen, die weiterhin noch durch ein wachsendes Angebot von nicht-organisierten, teilweise kommerziellen Fitness- und Sportangebote ergänzt und erweitert werden. Allein die vielen Fitnesszentren und das Interesse junger Frauen und Männer am Training in Kursen oder selbstständig belegen auch, dass der organisierte Sport bei weitem nicht mehr das Monopol auf sportliche Aktivitäten besitzt. Es ist auch Ausdruck dafür, dass der Sportbegriff inzwischen aufgeweitet und auch ausdifferenziert wurde, damit sicherlich auch nicht nur an traditionelle sportliche Aktivitäten im Verein gedacht wird, wenn Jugendliche über Sport nachdenken, dass der auf sportliche Leistungsverbesserung angelegte traditionelle Sportbegriff durch weitere Motive und Interessen ergänzt wird. Hinzu kommen weitere Differenzierungen, die sich aus einer Geschlechtertypisierung und aus Alterstypisierungen ergeben. Hier gibt es unterschiedliche Leistungsorientierungen oder Verknüpfungen einer Definition von Sport mit bestimmten Belastungsformen. Die vorliegende Untersuchung unterstrich die Bedeutung, die Jugendliche dem Vereinssport mit seinem angeleiteten Training und der Teilnahme an regelmäßigen Wettkämpfen zumessen wie sich auch zeigte, dass der Wettkampfsport weiterhin akzeptiert, anerkannt und gewollt ist. Es gab aber auch Hinweise darauf, dass Wettkampf nicht unbedingt mit dem sportlichen Sieg assoziiert wurde, sondern Wettkampf auch als eine Form empfunden wurde, um "Spaß zu haben". Hinsichtlich der ergänzenden kommerziellen Angebote wurde deutlich, dass diese von Jugendlichen zwar als interessant empfunden werden, die damit verbundenen Kosten die Möglichkeiten für manch eine(n) aber sofort wieder einschränken oder unmöglich machen. Insgesamt stellen die Ergebnisse der Studie, die auf einer Fragebogenaktion mit 250 Mädchen und Jungen der Klassenstufe 12 sowie auf nach folgenden 50 vertiefenden Interviews beruht, ein sehr umfassendes und zugleich differenziertes Bild des aktuellen Sportverständnisses von Jugendlichen dar.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Nachwuchssport Sozial- und Geisteswissenschaften
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Köln Sportverlag Strauß 2007
Ausgabe:Köln: Strauß, 2007.- 428 S.
Schriftenreihe:Wissenschaftliche Berichte und Materialien des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, 2007, 5
Seiten:428
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch