Sportpolitik. Theorie- und Praxisfelder von Governance im Sport
Während es offensichtlich en vogue ist, über Governance als ein aktuell gängiges Konzept der Steuerung und Leitung im Sport zu sprechen, ist die Klärung der sich dahinter bzw. darin verbergenden Konzepte, Inhalte, Methoden und Mechanismen bisher nicht in adäquater Form vorgenommen worden. Dies erscheint angesichts der hohen Entwicklungsdynamik des modernen Sports in allen seinen Ausprägungs- und Anspruchsformen genauso notwendig wie bei einem Blick auf die schier unüberschaubare Komplexität der Verflechtungen des Sports mit Medien, Politik, Wirtschaft. Im vorliegenden Sammelband machen die Herausgeber mindestens sechs Perspektiven aus, die für eine Betrachtung von Governancekonzeptem in der Sportpolitik eingenommen werden müssen:
- Sport als autonomer Politikbereich
- Sport als politisches Symbol
- Sport als Gegenstand direkten und indirekten Handelns
- Sport als innerpolitisches Handeln
- Sport als politisches Mittel
- Sport in internationaler Perspektive.
Bereits dieser Überblick legt die Vermutung nahe, dass die Entwicklung des Sports durch Politik bzw. Politiker beeinflusst wird. Wenn dem so ist, bieten sich natürlich auch verschiedene Optionen, um diese Steuerungsfunktion zielgerichtet zu nutzen und den Sport damit zu instrumentalisieren. Hier erscheint es den Autoren als besonders wichtig, die theoretischen Denkansätze zu verdeutlichen, die dem Governancemodell zu Grunde liegen und welche Konflikte sich diesbezüglich auch bei der Sicherung der Selbstverwaltung des Sports ergeben (können). Hier werden die Unterschiede deutlich, die sich im Vergleich zu Governancekonzepten in der Wirtschaft ergeben müssen, da der organisatorische Rahmen von Wirtschaftsunternehmen und Sportorganisationen durch spezifische Bedingungen geprägt ist. In ähnlicher Weise verhält es sich, wenn man einen Vergleich zwischen Politik und Sport vornimmt. Letztlich gilt auch das Interesse der Betrachtung des Sports in Deutschland als einem eigenständigen sozietalen Sektor (Neben Wirtschaft und Politik), der der Zivilgesellschaft zuzurechnen ist. Aus dieser Position des Sports ergeben sich die Möglichkeiten und Notwendigkeiten einer Governance im Sport, die als Verfolgung von kollektiven Interessen innerhalb von Verbänden mit Binnensteuerungsbedarf ls beschrieben wird, wobei den Ehrenämtern innerhalb der Sportorganisationen hier eine herausgehobene Bedeutung zukommen. Diese Strukturen, Ziele und Interessen können als eine Art Prototyp für die Regulierungsweise der Governance betrachtet werden. Wenn dem so ist, stellt sich die Frage, wie Governance in Sport und Sportpolitik aktuell in Deutschland ausgeprägt ist und in welchen praktischen Organisationsformen und Verhaltensweisen sie zu erkennen ist bzw. umgesetzt wird. Dafür bietet der Sammelband eine Vielzahl von Belegen und Beispielen sowohl auf nationaler Ebene, aber auch mit Bezug zur Sportpolitik der Europäischen Union (so dargestellt an der Entwicklung der Anti-Doping-Strategie der EU). Doch nicht nur für die nationale Sportpolitik erscheint das Konzept sinnvoll einsetzbar, die vorgestellten Beiträge zur Steuerung der regionalen Sportförderung und der kommunalen Sportpolitik untersuchen weitere Ebenen, in denen Governance zum Einsatz kommt.
Im anschließenden Praxisteil stellen die Autoren praktische Beispiele von all diesen Organisationsebenen vor, so das Zusammenwirken von Staat, Sport und Wirtschaft zur FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 oder die Entwicklung der Kölner Sportpolitik am Beispiel des Müngersdorfer Stadions. Der abschließende Beitrag zur Nutzung von Sozialer Netzwerkanalyse schlägt den Bogen zu sportwissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema am Beispiel der Strukturen und Prozesse des Zusammenspiels politisch-administrativer und wirtschaftlicher Akteure unter den Zwängen und Herausforderungen eines sportlichen Großereignisses.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Theorie und gesellschaftliche Grundlagen |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Köln
Sportverlag Strauß
2006
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| Ausgabe: | Köln: Sportverlag Strauß, 2006. - 182 S. |
| Schriftenreihe: | Veröffentlichungen der Deutschen Sporthochschule Köln, 15 |
| Seiten: | 182 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |