Internationale Dopingbekämpfung - Der World Anti-Doping Code der World Anti-Doping Agency
Unter den aktuellen Problemen des internationalen Hochleistungssports nimmt der Dopingmissbrauch und seine Bekämpfung eine entscheidende Position ein. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat dabei gezeigt, dass sich die rechtlichen Rahmenbedingungen, in denen das Doping verfolgt werden kann, als sehr kompliziert erwiesen haben. Eines der Hauptprobleme bestand in der Harmonisierung sowohl der bestehenden nationalen Regelungen für die Kontrolle von Sportlerinnen und Sportlern im Training und Wettkampf als auch der Regelungen der verschiedenen internationalen, regionalen und nationalen Sportorganisationen und Sportverbände für die unter ihre Jurisdiktion fallenden Sportler. Letztlich stelle und stellt die Harmonisierung zwischen allgemeinem internationalem und nationalem staatlichem Recht mit dem geltenden Sportrecht eine weitere große Herausforderung dar. Die Verantwortlichen, die sich 2003 in Kopenhagen zur Welt-Konferenz über Anti-Doping im Sport trafen, sahen sich genau diesen Aufgaben gegenüber. Der mit dem beginn der Olympischen Spiele 2004 in Athen in Kraft tretende World Anti-Doping Code (WADC) ist Ausdruck dieser intensiven Bemühungen um die Harmonisierung bestehender Anti-Dopingregelwerke insbesondere der internationalen Sportverbände.
Dabei erhalten eine Reihe von übergreifenden, grundsätzlichen Fragen und Problemen besonderes Gewicht, die im Dialog zwischen Sportorganisationen und den Rechtswissenschaften zu diskutieren und einer nachhaltigen Klärung zuzuführen sind. Dabei ist zu beachten, dass sich der Sport in einem sehr komplexen gesellschaftlichen, sportpolitischen, medialen, kommerziellen und zunehmend globalen Umfeld bewegt, das ebenfalls in die rechtliche Bewertung einzubeziehen ist. Zu den aus dieser Gesamtsituation erwachsenden Fragen und Problemen zählen:
- die Bindung von Sportlern, Trainer, Funktionären, Sportärzten etc. an Sportregelwerke
- die Gestaltung und Einordnung grenzüberschreitender Rechtsbeziehungen im Sport
- die die Herstellung einheitlicher Beurteilungsmaßstäbe bei Regelsetzung, Regelanwendung und Rechtsprechung zwischen nationalen und internationalen Sportorganisationen sowie zwischen den Sportverbänden verschiedener Sportarten.
Die vorliegende Arbeit von Bastian Kern setzt hier an und untersucht aus rechtswissenschaftlichen Gesichtspunkten die Lösungsansätze für diese Fragen, die im World Anti-Doping Code formuliert wurden. Dabei geht es ihm nicht nur um die rechtsetzungstheoretische Perspektive, sondern er untersucht das Regelwerk auch hinsichtlich Handhabung, Wirkung, Implementation und Rechtsfortbildungspotenzial.
Bevor dies aber geschehen kann, unterzieht der Autor das Thema Doping im Hochleistungssport (inklusive seiner definitorischen Bestimmung und Abgrenzung), und den bis zur Verabschiedung des WADC getroffenen Anti-Dopingmaßnahmen einer genauen Analyse und Bewertung. Im Ergebnis können Schwachstellen der Maßnahmen benannt werden und die Ziele genauer formuliert werden, die mit dem World-Anti-Doping Code erreicht werden sollten und sollen - unter Beachtung des Spannungsfeldes von nationalem, internationalem und transnationalem Recht, in dem die World Anti-Doping Agentur (WADA) den WADC erarbeitete und umfassend mit allen beteiligten Organisationen diskutierte. Dabei wurde eine Kombination von zwingend vorschreibenden Regelungen an den entscheidenden Stellen und der Formulierung von Zielen an Stellen, an denen flexibles Vorgehen möglich und sinnvoll ist, als Basismodell gewählt.
Im Ergebnis konnte mit dem WADC ein wesentlicher Schritt zur Fortentwicklung eines autonomen, transnationalen Sportrechts erreicht werden. Wichtig ist bei dieser Einschätzung auch die Tatsache, dass Staaten in den Kampf gegen das Doping eingebunden werden und von ihnen Beiträge erwartet werden, um das Harmonisierungsprojekt effektiv zu unterstützen (z. B im Kampf gegen den Betäubungsmittelmissbrauch).
Die herausgehobene Bedeutung des WADC erklärt sich auch durch die rechtlich genaue und verbindliche Beschreibung des Adressatenkreis' (Sportler und alle in ihrem Umfeld Agierende), der auf den WADC verpflichtet wurde. Neben den Aktiven zählen dazu auch die internationalen Sportverbände, die ihre Regeln entsprechend harmonisieren mussten.
Bei allen bemerkenswerten Fortschritten konstatiert der Autor aber auch, dass es weiterhin Schwachstellen gibt (z. B. in der Umsetzungskontrolle gegenüber nationalen und internationalen Sportorganisationen) sowie hinsichtlich von Sanktionsmöglichkeiten für Sportverbände, die bisher eine umfassende Harmonisierung noch im Wege stehen. Als möglichen Lösungsansatz für dieses Problem sieht der Autor die verpflichtende Integration des Subsidaritätsprinzips in geltendes Sportrecht, um Zuständigkeiten entsprechend zu verteilen und Kompetenzkonflikte zu vermeiden bzw. zu beurteilen. Weiterhin erscheinen Schiedsgerichte, insofern ihre Entscheidungen Bestandskraft auf nationaler und internationaler Ebene erhalten, eine mögliche Lösung, um im Streitfall entsprechend agieren zu können, wobei darauf zu achten ist, dass es keinen Eingriff staatlichen Rechts auf diese Sprüche gibt.
Abschließend formuliert Bastian Kern, dass sich "der "WADC ... durchaus als Grundstein für ein neues Recht der internationalen Dopingbekämpfung zu begreifen lässt", und stellt allen Beteiligten damit ein gutes Zeugnis aus, unterstreicht aber gleichzeitig, dass alle erst am Beginn eines sicherlich noch langen, komplizierten und auch steinigen Weges stehen, wenn das formulierte Ziel nachhaltig erreicht werden soll.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Theorie und gesellschaftliche Grundlagen |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Hamburg
Kovac
2007
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| Ausgabe: | Hamburg: Kovac, 2007. - 477 S. |
| Schriftenreihe: | Studien zur Rechtswissenschaft, 198 |
| Seiten: | 477 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |