Sportschiedsgerichtsbarkeit und zwingendes staatliches Recht. Unter besonderer Berücksichtigung des europäischen Kartellrechts und des US-amerikanischen RICO Act
Das gesellschaftliche Umfeld des Sports hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Der entscheidende Wandel ist sicherlich der zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor, den Sportverbände, Sportvereine oder Sportveranstaltungen inzwischen darstellen. Dafür wurden Professionalisierung und Kommerzialisierung der Organisationen und Prozesse spürbar vorangetrieben. Ziel war und ist es, sich in der modernen Gesellschaft, und nicht zuletzt in den Medien, zu behaupten. Diese Entwicklungsprozesse haben insbesondere seit dem Bosman-Urteil des Europäischen Gerichtshofes 1995 zu dramatischen Veränderungen der sportrechtlichen Grundlagen von Sportorganisationen geführt. Die bis dato typische Regelung von Streitigkeiten auf der Grundlage eines autonomen Sportrechts, das nicht zwingend mit staatlicher Gerichtsbarkeit in Übereinstimmung stand, wurde schrittweise, zuerst zögerlich, dann aber immer schneller und konsequenter derart verändert, dass Sportverbände sich auf den Weg zur Schaffung einer echten Sportschiedsgerichtsbarkeit gemacht haben. Eines der wichtigsten und sehr häufig auftretenden Probleme, die in diesen Prozessen auftreten ist das Interesse des Sports, seine Autonomie gegenüber dem Staat und dessen Rechtssprechung so weit wie möglich zu erhalten, ohne aber zwingendes staatliches Recht zu verletzen. Die Beschreibung dieser Grenzlinie(n) zwischen den beiden Rechtswelten mit dem Ziel ihrer verlässlichen Harmonisierung steht im Mittelpunkt der Dissertation von Jochen Tyrolt. Dabei untersucht er, inwieweit Sportschiedsgerichte zwingende staatliche Normen in ihrer Entscheidungsfindung berücksichtigen müssen und inwieweit staatliche Gerichte diese Schiedssprüche auf Nichtbeachtung oder fehlerhafte Anwendung überprüfen können.
Am Beispiel der zentralen Rolle des Court of Arbitration for Sport (CAS) wird die Notwendigkeit einer institutionellen Schiedsgerichtsbarkeit im Sport verdeutlicht, in dem zwei Dopingfälle der jüngeren Vergangenheit analysiert werden. Hier wurden aber die Übergänge zum staatlichen Recht, in diesem Fall der Schweiz, deutlich, da zu diesem Zeitpunkt die Frage von Eingriffsnormen staatlicher Gericht in Verfahren der nationalen und internationalen Sportschiedsgerichtsbarkeit wie auch von Rechtsschutzmöglichkeiten gegen Schiedssprüche von Sportgerichten nicht geklärt waren. Mit diesen Themen setzt sich die Arbeit sehr intensiv auseinander und wendet die Erkenntnisse und die entwickelten Vorschläge auf das europäische Kartellrecht sowie den USA RICO Act in der internationalen Sportschiedsgerichtsbarkeit an.
An diesen konkreten Beispielen wird die sehr komplexe und komplizierte Aufgabe deutlich, vor denen Sportorganisationen in zunehmendem Maße stehen: Sie müssen ihr autonomes Regelwerk und die darauf basierende Entscheidungen den zwingenden staatlichen Vorgaben sämtlicher betroffener Rechtsordnungen anpassen. Hier gilt es es, die Besonderheiten des Sports zu bewahren, ohne staatliches Recht zu verletzen.
© Copyright 2007 Veröffentlicht von Nomos. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Theorie und gesellschaftliche Grundlagen |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Baden-Baden
Nomos
2007
|
| Schriftenreihe: | Schriften zum Sportrecht, 6 |
| Seiten: | 274 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |