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Doping - Dilemma des Leistungssports

Doping ist eines der größten Gefahren des nationalen und internationalen Spitzensports und auch eine riesige Herausforderung für alle diejenigen in den Sportorganisationen, in der Sportpolitik und Sportwissenschaft, unter den Sponsoren und den vielen Zuschauern in den Hallen und Stadien, die dem Spitzensport eine Zukunft sichern wollen. Auch wenn es manchmal dem Kampf gegen Windmühlenflügel zu gleichen scheint, hat gerade die öffentliche Debatte um Ursachen, strukturelle und gesellschaftliche Hintergründe und um ein gemeinsames Vorgehen des autonomen Sports mit den staatlichen Rechtsinstanzen in der Bekämpfung des Dopings dazu geführt, dass sowohl verstärkt präventive als auch rechtliche Maßnahmen ergriffen worden sind, um das Dopinggeschehen genauer zu analysieren, die Mechanismen zu begreifen und effektivere Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Ob damit das Problem Doping jemals grundsätzlich von der Tagesordnung des Spitzensports verschwinden könnte, da der Sport inzwischen zum Wirtschaftsgut und die Sportler zu Kleinunternehmern in eigener Sache geworden sind, wird auch von der Autorin des vorliegenden Buches ausgeschlossen. Ihr Buch kann einen Beitrag leisten, um auch im Sport ethischen Maßstäben wieder mehr Gehör zu verschaffen, die dann den Beteiligten eine Orientierungshilfe für ihr Tun sein können. In diesem Zusammenhang beschwört Tanja Haug fast die Notwendigkeit der Dopingbekämpfung, wenn nicht die bedeutsamen ideellen Werte des Sports der Chancengleichheit und Fairness grundsätzlich in Gefahr geraten sollen. Sollte dies nicht gelingen, wäre ein Szenario denkbar, in dem der Sport seinen Sinn und in der Folge auch seine gesellschaftliche Bedeutung einbüßt. Doch es sind nicht nur diese Werte, die schützenswert sind. Es geht auch um die Gesundheit der Sportlerinnen und Sportler, die auf's Spiel gesetzt wird, es geht um erzieherische und Vorbildfunktionen des Sports, die es durch ein kämpferisches Miteinander zu bewahren gilt. Dies ist keine Aufgabe, die Sportler und Trainer allein, oder nur die "Familie des Sports" erfolgreich lösen kann, hier können nachhaltige Erfolge nur dadurch erkämpft werden, dass das gesamte Umfeld der Sportler, alle Sportinstitutionen und auch die (Sport)Politik gemeinsam an einem Strang ziehen. In ihrem Buch verdeutlicht Tanja Haug deshalb auch die besondere Rolle, die dem Staat in diesen komplexen und komplizierten Prozessen zukommt und die er gemeinsam mit dem autonomen Sport wahrnehmen muss, insbesondere wenn die Selbstreinigungskräfte des Sports nicht ausreichen. Es ist ein sehr interessanter und aufschlussreicher Lesestoff, den Tanja Haug zusammengestellt hat. Bemerkenswert ist die thematische Breite, mit der sie sich dem Thema widmet und die reicht vom Doping als ethisches Problem und der Struktur und Autonomie im Sport und Bezüge zum Dopingproblem. Davon abgeleitet präsentiert sie das aktuelle Doping-Kontrollsystem in Training und Wettkampf und weist auf zukünftige Notwendigkeiten der Weiterentwicklung hin, wenn die Ziele der Dopingbekämpfung erfüllt werden sollen. Einer immer wieder auftauchenden Frage, nämlich die nach der Dopingfreigabe, weicht sie auch nicht aus und formuliert ihre Standpunkte, weshalb das keine Option sein kann und darf. Um dies zu erklären, stellt sie gesellschaftliche, soziologische und organisatorische Hintergründe des Dopings vor. Abschließend analysiert sie dann das Sanktionssystem der Sportverbände bei Dopingvergehen (Sportgerichtsbarkeit), präsentiert ergänzend dazu das staatliche Sanktionssystem bei Dopingmissbrauch und entwickelt daraus die besondere Verantwortung des Staates im Kampf gegen das Doping (Anti-Doping-Gesetz und andere staatliche Eingriffe).
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Theorie und gesellschaftliche Grundlagen Sozial- und Geisteswissenschaften
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Hamburg Merus-Verl. 2006
Ausgabe:Hamburg: Merus Verl., 2006.- 243 S.
Seiten:243
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch