Die Dopingfalle - Soziologische Betrachtungen

Doping ist im modernen Spitzensport (und zunehmend auch in der Szene des Fitnesssports) zu einem Phänomen geworden, das sich offensichtlich dauerhaft eingenistet hat. Die bisher unternommenen Versuche nationaler und internationaler Sportorganisationen sowie staatlicher Institutionen, Doping zu verhindern, es zu ächten oder (sport)rechtlich zu bekämpfen haben sich letztlich alle als untauglich erwiesen, dem Problem grundsätzlich Herr zu werden. Das hängt wesentlich damit zusammen, dass Doping Voraussetzungen hat und Wirkungen zeitigt, die "jenseits von biologischen und medizinischen Analysen liegt. Doping impliziert in einem doppelten Sinne eine soziale Instrumentalisierung des Athletenkörpers. Zum einen geht es als Beeinflussung von Körperfunktionen auf Entscheidungen zurück, die Menschen in sozialen Kontexten treffen. Erst soziales Handeln setzt beim Doping körperrelevante Effekte in Gang. Zum anderen liegen dem Doping als sozialem Handeln sozial geprägte Zielsetzungen zu Grunde. Doping ist ein Handeln, das nicht zufällig passiert, sondern zielgerichtet Wirkungen bewirken kann." Ausgehend von dieser Einschätzung sozialer Dimensionen des Dopings als einer inzwischen permanenten Form der Normabweichung verfolgen die Autoren das Ziel, basierend auf einer soziologisch determinierten Analyse der Problemlage, neue Strategien vorzustellen, um Doping als Strukturproblem zu bekämpfen. Dieses Konzept führt weg von der isolierten Zuordnung des Dopings zu einzelnen Personen wie Sportlern, Trainern oder Medizinern und orientiert sich an einer sozialstrukturellen Betrachtungsweise des Problems. Es geht um die Systemlogik des nationalen und internationalen Spitzensports und ihrer Inszenierung im sportinteressierten Umfeld. Damit wird der Einzelne in strukturelle und prozessuale Zusammenhänge gestellt, in denen er mit dem Dopingmilieu in Kontakt kommt und den "Versuchungen" des Dopings erliegen kann. Dazu wird diskutiert, wie intensiv Zwänge werden können, wer und wie sich ein Sportler diesen entziehen oder verweigern kann und wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, sich einem zunehmend gängigen Handlungsmuster, dem Gebrauch von Dopingsubstanzen, anzupassen, auch wenn das eine Abweichung von traditionellen werten und Moralvorstellungen darstellt. Aus dieser umfassenden Analyse entwickeln die Autoren ein Konzept, das wohl auf präventive Aspekte setzt, dabei aber nicht stehen bleibt, sondern den Blick ebenfalls auf sozialstrukturelle Maßnahmen zur Reduzierung des Risikos eines Dopingmissbrauchs richtet. Dazu sollten die entscheidenden Risikokonstellationen, mit denen Sportler konfrontiert werden, d.h. Erfolglosigkeit während der sportlichen Laufbahn und eine ungewisse Zukunft nach Beendigung der Karriere, in den Focus der Betrachtung gestellt und zum Gegenstand von Gegenstrategien gemacht werden. Parallel müssen Maßnahmen der Dopingbekämpfung zwischen den Akteuren abgestimmt erfolgen und in der Sprache (Macht, Geld, Wissen) des jeweiligen Systems umgesetzt werden. Hier geht es um externe Stimuli zur internen Selbständerung im organisierten Sport.
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Bibliographic Details
Subjects:
Notations:social sciences
Language:German
Published: Bielefeld Transcript 2006
Edition:Bielefeld: transcript Verlag, 2006. - 273 S.
Pages:273
Document types:book
Level:advanced