Sportengagement und Risikoverhalten. Untersuchungen zum Rauschmittelkonsum von Jugendlichen
Eine öffentliche Diskussion zu Rauschmitteln im Sport ist in den zurück liegenden Jahren oftmals nur am Rande von Dopingverfahren im Spitzensport geführt worden. In den letzten Jahren wurde diesem Phänomen dann mehr Beachtung im Zusammenhang mit der nationalen und internationalen Fitnessszene und Fitnessindustrie geschenkt. Eine umfassende Diskussion, eingebettet in gesellschaftliche Dimensionen der Jugendpolitik, die sich mit dem alltäglichen Gebrauch von legalen und illegalen Rauschmitteln unter Jugendlichen in einem sportlichen Umfeld befasst ist eher selten. Das erscheint sträflich, sind doch Zigaretten und alkoholische Getränke zu einem natürlichen Begleiter im Leben von Mädchen und Jungen in vielen Altersstufen geworden und hier sind auch sportbezogene Aktivitäten nicht ausgeschlossen. Die Beziehungen zwischen der Bewältigung der Herausforderungen und Belastungen unterschiedlicher Lebensbereiche von Jugendlichen und die von ihnen dazu entwickelten "Strategien" wurden deshalb von Uwe Gomolinsky in den Mittelpunkt seiner Dissertation gestellt. Diese greift komplexe Modellvorstellungen zur Belastungsbewältigung Jugendlicher in einer individualisierten Leistungsgesellschaft auf. So befasst er sich zum Beispiel mit den Veränderungen im Bedingungsgefüge für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen, den Veränderungen der Familienstrukturen oder des Freizeitverhaltens und stellt diese in den Rahmen sportlicher Aktivitäten. Dies sind wesentliche Grundvoraussetzungen, um Risiko- und Schutzfaktoren für einen Drogenkonsum von Jugendlichen zu identifizieren. Dazu ist es ihm wichtig, soziale, kulturelle und ökonomische Grundstrukturen der Gesellschaft genauso zu betrachten wie psychologische Persönlichkeitsstrukturen und die soziale Lage der Jugendlichen, da sie alle im lebenslangen Sozialisationsprozess einen großen Einfluss ausüben.. An dieser Stelle erfolgt die Einbeziehung der Sportvereine in die Betrachtung da sie neben Familie, Freunden, der Schule oder Jugendorganisationen Träger einer jugendspezifischen Sozialisation sind. Sport kann in diesem Zusammenhang als Moderator im Umgang mit Belastungen wirken, er kann als Mediator auf die emotionalen Reaktionen auf Belastungen wirken, kann aber ebenso präventiv die Wahrscheinlichkeit von belastenden Situationen vermindern. Ob es dazu kommt und wie sich psychosoziale Belastungen und Überforderungen tatsächlich in Form von Persönlichkeitsstörungen Jugendlicher manifestieren hängt wesentlich davon ab, welche entwicklungs- und gesundheitsrelevanten Ressourcen durch sportliche Aktivität gefördert werden können. Durch die Befragung von 3462 Schülern unterschiedlicher Schulformen in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Brandenburg zu deren Lebenssituation, sportlichen Aktivitäten und ihrem gesundheitlich relevantem verhalten ging er dann folgenden zentralen Fragen nach: Welchen Einfluss nehmen sportliche Aktivitäten auf den Konsum von Rauschmitteln? Gibt es Unterschiede zwischen dem Vereinssport und nicht organisierten Sportformen hinsichtlich des Konsummusters von Rauschmitteln? Gibt es innerhalb des Sportvereins präventive Schutzmechanismen oder besondere Risiken für den Konsum von Rauschmitteln? Gibt es soziale Einflussfaktoren, die Rauschmittelkonsum im Zusammenhang mit sportlichen Aktivitäten beeinflussen? Die empirischen Ergebnisse zeigten - die Normalität des Umgangs mit Alkohol, Zigaretten und anderen Rauschmitteln für sehr viele Jugendliche. - die herausragende Bedeutung sportlicher Aktivitäten für die Lebenswelt von Jugendlichen, wobei Bundesland, Lebensalter, Geschlecht und Bildungskarriere deutlichen Einfluss auf die Intensität des sportlichen Engagements nehmen. - einen nur geringen Zusammenhang von Sportaktivitätsgrad und Rauschmittelkonsum, wobei die Mitgliedschaft in einem Verein von geringerer Bedeutung war als die Frequenz der sportlichen Aktivitäten. Eine Verringerung des Konsums wurde festgestellt, wenn der Freundeskreis ebenfalls "sportive" angelegt war wie auch bei Jugendlichen mit häufigeren sportlich Aktivitäten. - einen zunehmenden Rauschmittelkonsum unter Mitgliedern von Sportvereinen mit zunehmender Dauer der Mitgliedschaft und der wöchentlichen Aufenthaltsdauer im Verein.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Sozial- und Geisteswissenschaften Theorie und gesellschaftliche Grundlagen |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Schorndorf
Hofmann Verlag
2005
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| Ausgabe: | Schorndorf: Hofmann, 2005. - 221 S. |
| Schriftenreihe: | Forum Sportwissenschaft, 10 |
| Seiten: | 221 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |