Konzeptuelle Differenzierung des Begriffs Ästhetik bei der Wahrnehmung komplexer Bewegungen

Obwohl die Ästhetikforschung eine sehr lange Tradition hat und nach wie vor Inhalt aktueller Fragestellungen aus unterschiedlichen Forschungsdisziplinen ist, gibt es keine eindeutige und vereinheitlichte Theorie von Ästhetik (Jacobsen, et al., 2004; Kebeck & Schroll, 2011 ). Innerhalb verschiedener Forschungsbereiche (z. B. Wahrnehmungs- und Kognitionsforschung) werden allerdings spezifische Theorien für verschiedene ästhetische Konzepte beschrieben (Model of aesthetic experience, Le­der & Nadal, 2014 oder aesthetic triad, Chatterjee & Vartanian, 2014). Hierbei werden jedoch unterschiedliche Begrifflichkeiten verwendet, welche insbesondere für die ästhetische Wahrnehmung komplexer Bewegungen nicht weiter spezifiziert werden. Aufbauend auf der strukturellen Konzeptualisierung des Begriffs Ästhetik im Kontext von Objekten (Jacobsen et al., 2004) soll in dieser Studie mittels eines empirisch-deskriptiven Ansatzes das semantische Feld des Wortes Ästhetik im Kontext komplexer Bewegungen erhoben und anschließend auf Valenz überprüft werden. Zudem soll untersucht werden, ob die konzeptuelle Struktur des Begriffs Ästhetik bei komplexen Bewegungen in unterschiedlichen Zielgruppen verschieden repräsentiert ist und einem Bias unterliegt. Es wird vermutet, dass Sportstudierende, welche sich in ihrem Studium tagtäglich mit komplexen Bewegungen und deren Ausgestaltung beschäftigen, umfangreichere und andere semantische Assoziationen nennen, als Studierende nicht-sportwissenschaftlicher Studiengänge. Die Bedeutung des Begriffs Ästhetik ist abhängig von Beobachtenden, Akteur*innen und Kontext. Obwohl den Beobachtenden subjektive Unterscheidungen beispiels­weise in schön oder hässlich oft leichtfallen, sind die zugrundeliegenden Kriterien in Bezug auf das beobachtete Phänomen oft nicht klar formulierbar (Allesch, 2006). In dieser Studie werden daher Studierende nach assoziierten Adjektiven befragt, mit Hilfe derer die Ästhetik komplexer Bewegungen beschrieben werden kann (sog. Erhebung von unten, Fechner, 1876 zitiert nach Jacobsen et al., 2004). Auf weitere Instruktionen zur Ästhetik komplexer Bewegungen wird verzichtet, um semantische Beeinflussungen der Befragten zu vermeiden.
© Copyright 2019 Turnen trainieren und vermitteln. 10. Jahrestagung der dvs-Kommission Gerätturnen vom 3. - 5. September 2018 in Göttingen. Veröffentlicht von Feldhaus, Ed. Czwalina. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft technische Sportarten
Veröffentlicht in:Turnen trainieren und vermitteln. 10. Jahrestagung der dvs-Kommission Gerätturnen vom 3. - 5. September 2018 in Göttingen
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Hamburg Feldhaus, Ed. Czwalina 2019
Schriftenreihe:Schriften der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft, 287
Online-Zugang:https://www.feldhaus-verlag.de/sportwissenschaft/sportarten/weitere/1452/turnen-trainieren-und-vermitteln
Seiten:74-79
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch