Drehpräferenz bei Turnerinnen und Turnern
Die vorliegende Arbeit untersuchte zum einen die Zusammenhänge der Drehrichtungen zwischen unterschiedlichen Turnelementen, zum anderen war die Findung eines Prädiktors für eine Drehpräferenz das Ziel. Es wurde dabei angenommen, dass die Drehrichtung bei allen untersuchten Elementen beibehalten wird. Eine weitere Annahme war, dass sich der Strecksprung mit 1/1 Drehung als Prädiktor für eine Drehpräferenz eignet. Hierzu wurden 72 Turner (n = 36 Fortgeschrittene, n = 36 Experten) untersucht, bei denen die Drehrichtung bei mehreren Turnelementen bestimmt wurde. Des Weiteren wurde ein Lateralitätsprofil erstellt und ein Test zur Bestimmung des Körpereigenspins durchgeführt.
Erstaunlich war der klare Zusammenhang einer Drehpräferenz zwischen Rondat und Handstand mit 1/1 Drehung in der Experten-Gruppe. Es lag entweder ein positiver Zusammenhang vor, wie beim Vergleich der Drehrichtung beim Schraubensalto und beim Strecksprung mit 1/1 Drehung, sodass beide Elemente in die gleiche Richtung ausgeführt wurden. Oder es lag ein negativer Zusammenhang vor, wie beim Vergleich der Drehrichtung von Rondat und Strecksprung mit 1/1 Drehung. In der Fortgeschrittenen-Gruppe war dieser positive Zusammenhang weniger deutlich, dennoch statistisch signifikant. Genauso verhielten sich die Zusammenhänge beim Vergleich von Handstand mit 1/1 Drehung und Rondat in beiden Gruppen. Dies lässt zum einen den Schluss zu, dass sich die Drehpräferenz im Laufe des Lernprozesses entwickelt und abhängig ist vom Trainingsniveau (Fortgeschrittenenlevel vs. Expertenlevel), obwohl alle Probanden ein Minimum an Trainingserfahrung von 5 Jahren und ein Minimum an Trainingsumfang von 4 Stunden pro Woche mit entsprechender Rotationsexpertise aufwiesen. Dieses Ergebnis geht einher mit den Resultaten von Golomer et al. (2009) aus dem Tanzsport. Zum anderen folgen die gefundenen Ergebnisse denen von Sands (2000), dass Turner ein klares Muster der Drehpräferenz bei Turnelementen zeigen, welches teilweise durch die Wahrnehmungsähnlichkeit erklärt werden kann, aber nicht durch Lateralität. Wenn ein Athlet im aufrechten Stand eine Drehung nach links ausführt und kopfüber eine Drehung nach rechts ausführt, ist die vestibuläre Information ähnlich (von Laßberg, Mühlbauer & Krug, 2003). Der Athlet hat offenbar subjektiv das Gefühl, dass er die Drehrichtung beibehält, obwohl er in Wirklichkeit seine Drehrichtungändert. Im Gegensatz zu Sands (2000), ist der Zusammenhang der Drehrichtung zwischen Strecksprung mit 1/1 Drehung und Schraubensalto signifikant. Ein Strecksprung mit 1/1 Drehung eignet sich demnach als Prädiktor für eine Drehpräferenz im Gerätturnen.
© Copyright 2011 Aktuelle Themen der Turnentwicklung - Jahrestagung der dvs-Kommission Gerätturnen vom 27.-29. September 2010 in Köln.. Veröffentlicht von Feldhaus, Ed. Czwalina. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Trainingswissenschaft |
| Veröffentlicht in: | Aktuelle Themen der Turnentwicklung - Jahrestagung der dvs-Kommission Gerätturnen vom 27.-29. September 2010 in Köln. |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Hamburg
Feldhaus, Ed. Czwalina
2011
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| Schriftenreihe: | Schriften der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft, 216 |
| Seiten: | 77-85 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |