Growth and maturation of female gymnasts
(Wachstum und Reife von Turnerinnen)
Turner und Eiskunstläufer beiderlei Geschlechts sind die einzigen jungen Sportler, die für ihr Alter im Vergleich zu gleichaltrigen nichtsporttreibenden Kindern klein sind. Die Daten für Eiskunstläufer sind nicht so ausgeprägt wie die der Turner und bei den Turnern betrifft es mehr die Mädchen als die Jungen.
Die Größe der Turner muß im Zusammenhang mit den extremen Auswahlkriterien in dieser Sportart in einem frühen Alter gesehen werden. Zusätzlich zu Fähigkeit und Koordination selektieren sich die Turner, vielleicht ausschließlich, auf der Basis einer kleinen Körpergröße und einem schlanken, aber muskulären Körperbau ausgewählt. Eine Untersuchung einer nationalen Auswahlpopulation niederländischer Turner, die mit 11 Jahren selektiert wurden, ergab, daß die ausgewählten Turner vor 2 Jahren Größen hatten, die unter denen der allgemeinen Population niederländischer Kinder lagen, lange bevor sie regelmäßig zu trainieren begannen und ausgewählt wurden. Weiterhin waren lokal ausgewählte und Freizeitturner auch kleiner als der Durchschnitt um 2 Jahre. Die kleine Statur der Turner ist teilweise familiär: ihre Eltern sind signifikant kleiner als die von Schwimmern und Nichtsportlern. Die spätere Geschlechtsreife ist auch ein durch die Trainer taxiertes Merkmal, und es ist für Turntrainer nicht unüblich, nach Fotos der Mutter in der Jugend zu fragen. Die verfügbaren Daten verweisen darauf, daß Trainer die Auswahl auf der Basis von Merkmalen der Familiengröße und anderen Eigenschaften (Koordination, Oberkörperkraft, Einstellung) vornehmen, lange bevor das Kind in der Lage ist ist, eine Entscheidung zu treffen, ob es am Sport teilnimmt oder nicht.
Die Diskussion des möglichen Trainingseinflusses auf die Reife ist schwerpunktmäßig auf einen späteren Wachstumsspurt und die Menarche (1. Mesntruations) ausgerichtet. Im Durchschnitt treten diese Reifeereignisse bei europäischen und amerikanischen Mädchen zwischen 12 und 13 Jahren auf, obwohl es eine breite nomale Variation bei beiden Indikatoren gibt. Solide Daten zum zeitlichen Verlauf des Wachstumsspurts bei Turnerinnen sind nicht verfügbar, aber zwei Berechnungen auf der Grundlage limitierter Untersuchungen sind nahe an 13 Jahren, und die Wachstumsrate während des Spurts - obwohl deutlich unter dem Durchschnitt - liegt innerhalb des Bereiches der von nichtsporttreibenden Mädchen. Wichtig ist festzustellen, daß nicht alle Eliteturnerinnen eine spätere Reife erfahren, die Mehrheit sind jedoch spät reifende Individuen.
Sportliches Training wird oft als Grund für die spätere Reife angegeben. Beachte, daß eine späte Reife nicht schlecht ist. Vielmehr der Umstand, ob der zeitliche Verlauf der Reife durch intensives Training und anderen Praktiken im Zusammenhang mit Turnen verändert wird. Konsens zum Einfluß regelmäßigen Trainings auf den weiblichen Sportler besteht darin, daß kein Nachweis darüber vorliegt, der die Schlußfolgerung stützt, daß Training das Menarchealter beeinflußt. Dasselbe trifft für den jugendlichen Wachstumsspurt zu.
Untersuchungen von Sportlern berücksichtigen gewöhnlich nicht andere Faktoren, die bekannterweise das Timing des Wachstumsspurts und der Menarche beeinflussen. Familiäre Faktoren, vielleicht die naheliegesten, werden oft übersehen. Bei Sportlern gibt es eine familiäre Tendenz zur späteren Reife. Mütter junger Ballettänzer, Turner und Universitätssportler im Schwimmen, Wasserspringen, Tennis, Golf, Lauf, Basketball und Volleyball hatten eine spätere Menarche als Mütter von Nichtsportlern und Schwestern von Eliteschwimmern und Universitätssportlern eine spätere Menarche als der Durchschnitt. Mutter-Tochter- und Schwester-Schwester-Ähnlichkeiten in Sportlerfamilien sind gleich denen in der Allgemeinpopulation. Ein anderer Faktor ist die Anzahl der Kinder in der Familie, die bei Sportlern und der Allgemeinpopulation einen ähnlichen Einfluß auf das Menarchealter hat. Mädchen aus größeren Familien tendieren zu einer späteren Menarche als Mädchen aus kleineren Familien.
Ein möglicher wichtiger Faktor, der die Einschätzung von Wachstum und Reife junger Turner durcheinander bringt, ist die Ernährung. Viele junge Turnerinnen werden durch die Trainer angehalten, ein unrealistisches niedriges Körpergewicht beizubehalten. Der Impuls für das Wachstum ist die Gewichtszunahme. Daten weisen bei adoleszenten Turnerinnen auf eine geringere Energieaufnahme als ihr Energiebedarf ist hin, was zu einer chronischen Unterernährung führen kann. Eine signifikante Anzahl junger Turnerinnen hat ein gestörtes Eßverhalten, und einige von ihnen haben klinische Eßstörungen entwickelt.
Auch andere Faktoren müssen stärker beachtet werden: jahrelanges Training (oft früh vor der Schule und abends nach der Schule), häufige Wettkämpfe, veränderte soziale Beziehungen.
Wenig bekannt ist über den Einfluß sportlichen Trainings auf Wachstum und Reife von Jungen. Junge männliche Turner sind ebenfalls kleiner und eine spätere Reife als der Durchschnitt. Die vorhandenen Daten verweisen darauf, daß die geringere Größe und spätere Reife mehr mit der Selektion in Verbindung steht als mit den Trainingswirkungen.
Eine Trainingskomponente, die schwer quantifizierbar ist, ist das durch den Trainer verbreitete Motivationsklima. Dieses kann auf das psychische und emotionale Wohlbefinden junger Sportler einen negativen Einfluß haben. Solch eine belastende Umwelt kann auf Dauer das Potential inne haben, mit den Prozessen, die Wachstum und Reife unterliegen, in Wechselbeziehung zu treten. Klinische Untersuchungen von Kindern, die unter widrigen psychologischen und emotionalen Umständen erzogen werden, ergaben ein langsameres Wachstum und eine langsamere Reife.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Biowissenschaften und Sportmedizin technische Sportarten Nachwuchssport |
| Veröffentlicht in: | Spotlight on youth sports |
| Sprache: | Englisch |
| Veröffentlicht: |
1996
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| Ausgabe: | 19(1996)3, S. 1 - 3 |
| Jahrgang: | 19 |
| Heft: | 3 |
| Seiten: | 1-3 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch mittel |