Gerätturnen Trainingsmethodik

Schon zu den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 in Athen gehörte das Gerätturnen zum olympischen Wettkampfprogramm. Und so ist es bis heute geblieben. Neben dieser traditionsreichen Position innerhalb der olympischen Leistungssportfamilie hat das Gerätturnen aber auch einen sehr anerkannten Platz in weiteren Sportfeldern: es gehört weiterhin zu den im Schulsport gelehrten Sportangeboten (auch wenn sich hier in der Didaktik oder in der Auswahl der Übungen manches getan hat) und es ist aus dem Vereinssport als Angebot im Freizeit- wie auch im Wettkampfsport der verschiedensten Altersstufen vom Kinder- bis zum Seniorensport nicht wegzudenken. Dieses weitgestaffelte Interesse an turnerischen Übungen an den verschiedenen Geräten lässt natürlich auch einen großen Bedarf an fachkundigen Übungsleitern und Trainern entstehen. Diese müssen sowohl die allgemeinen Prinzipien der Trainingsgestaltung verstehen und umsetzen, wie sie auch über spezifisches Wissen in der Vermittlung turnerischer Fähigkeiten und Fertigkeiten verfügen müssen. Sie müssen sich in den biologischen und psycho-sozialen Besonderheiten der von ihnen betreuten Altersgruppe auskennen, müssen medizinische und biomechanische Grundkenntnisse besitzen, um ihre Schützlinge erfolgreich und risikolos im Training und Wettkampf instruieren und begleiten zu können. Gerade das Zusammenspiel der vielen Facetten stellt natürlich einen besonderen Reiz im Gerätturnen dar, ist aber gleichzeitig auch eine spezielle Herausforderung an die Übungsleiter und Trainer, wobei durch die Vielfalt der Geräte vom Sprunggerät und Pauschenpferd über den Schwebebalken und den Boden bis hin zu Stufen- oder Parallelbarren und Reck entsprechendes Spezialwissen gefordert ist. Hinzu kommen die besonderen Anforderungen des Gerätturnens an Bewegungsqualität, Bewegungskoordination und Bewegungsgenauigkeit, an die Kraftfähigkeiten und die Beweglichkeit der Turnerinnen und Turner. Nicht zu vergessen sind die kompositorischen Aspekte in der Zusammenführung von technischen, akrobatischen mit musikalischen Elementen. All das gilt es, zumindest im Wettkampfsport, zu komplexeren Übungen zusammenzufügen und unter den besonderen Bedingungen des Wettkampf mit entsprechendem Stress und vor Zuschauern so gekonnt und virtuos vorzuführen, dass die Kampfrichter zu einem entsprechend guten Urteil gelangen. Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass wichtige turnerische Elemente als Pflichtelemente erlernt und präsentiert werden müssen, sozusagen als ein Beleg dafür, dass die turnerischen Hausaufgaben gemacht wurden, ein solides turnerisches Fundament vorhanden ist. In der Kür an den verschiedenen Geräten können die Turnerinnen und Turner dann zeigen, wie kreativ sie sind, welche Bewegungshighlights sie im Training erlernt haben, wie präzise sie diese vorführen können. Insgesamt ist die Entwicklung der turnerischen Leistung eben eine sehr komplexe Aufgabe, die langfristig angelegt sein muss, die in unterschiedlichen, aufeinander aufbauenden Phasen abläuft und von Übungsleitern und Trainern mit Wissen und Erfahrung geführt werden muss. Das vorliegende Buch kann dazu eine hilfreiche Grundlage und Handreichung sein, haben die beiden Autoren doch all die erwähnten Teilbestandteile der turnerischen Ausbildung eingehend untersucht und stellen entsprechende Programme für die Entwicklung körperlicher Fähigkeiten und motorischer Fertigkeiten, die Voraussetzungscharakter für turnerische Elemente besitzen, vor. Damit können entsprechende Grundlagen gelegt werden, um durch das Training der konditionellen und koordinativ-technischen Elemente die Turnleistung entsprechend zu entwickeln. Die im Praxisteil vorgestellten Beispiele aus beiden Bereichen sind dann auch sehr umfangreich. Sie reichen vom Handstand und dem Absprung vorwärts oder rückwärts über das Schwingen oder die Stützwaage im Elementekomplex turnerischer Grundlagen bis zu den verschiedenen Salto- und Felgenbewegungen bis zu Flankenbewegungen und Varianten von Umschwüngen oder Hocken als Abgangbewegung von Geräten. Jedes der 74 entwickelten Elemente wird in seiner Bewegungsausführung detailliert in Wort und mit Graphiken vorgestellt, dazu werden Lernschritte und Übungsabfolgen angeboten, die erprobt sind und unkompliziert in den Trainingsablauf integriert werden können. Hinweise auf typische Fehler und die Möglichkeiten ihrer Behebung finden die Leser natürlich ebenso in diesem Praxisbuch für das Turnen.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:technische Sportarten Trainingswissenschaft
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Aachen Meyer & Meyer 2011
Ausgabe:Aachen: Meyer & Meyer, 2011.- 430 S.
Online-Zugang:https://www.amazon.de/s?k=Geraetturnen%20Trainingsmethodik
Seiten:430
Dokumentenarten:Buch
Level:mittel