Beeinflussen Inertialsensoraufnahmefrequenz sowie Sensormessbereich die Genauigkeit biomechanischer Parameter beim Laufen unter Feldbedingungen?

Das Ziel dieser Studie war es daher, systematisch zu untersuchen, welchen Einfluss SF und OR auf die Genauigkeit von PTA, evVel, runVel und strLen beim Laufen unter Feldbedingungen nehmen können. Zur Klärung des Einflusses der Sensorspezifikationen auf die Genauigkeit der biomechanischen Parameter galt es, die beiden Fragestellungen zu beantworten: - H1a: Geringere Aufnahmefrequenzen führen aufgrund des Informationsverlustes zu niedrigeren evVel, PTA, strLen und runVel. - H1b: Geringere Messbereiche des Beschleunigungssensors führten aufgrund des Informationsverlustes zu niedrigeren PTA, strLen und runVel. Die Ergebnisse dieser Studie sollen dazu beitragen, bisherige Studienergebnisse korrekt interpretieren zu können. Des Weiteren können diese Ergebnisse von Sportlern, Trainern, Medizinern und Wissenschaftlern bei der Planung eines neuen Studiendesigns dazu genutzt werden, kritisch zu hinterfragen, an welchen Inertialsensorspezifikationen sich zu orientieren ist, damit die biomechanischen Parameter so akkurat wie möglich abgebildet werden können. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass bei der Planung zukünftiger biomechanischer Studien durch Trainer, Mediziner oder Wissenschaftler darauf geachtet werden muss, dass bei der Auswahl der Inertialsensorspezifikationen eine Mindestanforderung an OR und SF eingehalten wird. Sollen beispielsweise strLen oder runVel während eines Trainings oder Wettkampfs mittels einer an der Fersenkappe des Schuhs angebrachten IMU untersucht werden, so sollte die IMU einen OR von >+- 24 g und eine SF von > 200 Hz aufweisen, um genaue Aussagen über die Ermüdung treffen zu können (Mizrahi, Verbitsky, Isakov & Daily, 2000; Brahms et al., 2018). Werden, wie in dieser Studie geschehen, sowohl an der rechten als auch an der linken Fersenkappe des Schuhs IMUs befestigt, um u. a. strLen zu berechnen, so können ebenfalls zusätzliche Aussagen über die Symmetrie und das Verletzungspotenzial getroffen werden (Lee, Sutter, Askew & Burkett, 2010). Steht die Untersuchung der wirkenden Belastungen auf die unteren Extremitaten im Vordergrund, so kann diese mit einem auf der Tibia applizierten Beschleunigungssensor erfolgen. Um mittels der PTA auf Überlastungsschäden rückschliesen zu können, wie z. B. auf die tibiale Stressfraktur (Davis et al., 2004; Milner et al., 2006; Zifchock et al., 2008), sollten Beschleunigungssensoren mit einem OR >+-} 16 g sowie einer SF von > 200 Hz genutzt werden. Kommen Beschleunigungssensoren zum Einsatz, deren Spezifikationen die genannten Mindestanforderungen unterschreiten, so können womöglich Amplituden abgeschnitten werden, was die exakte Interpretation der maximalen Amplituden, aber auch der intra- und interindividuellen Variabilität der PTA unmoglich macht. In Hinblick auf laufassoziierte Verletzungen, wie z. B. das Schienbeinkantensyndrom und eine Achillessehnenentzundung, fanden verschiedene Autoren bei Patientengruppen erhöhte evVel im Vergleich zu den Kontrollgruppen (Messier & Pittala, 1988; Willems et al., 2006; Barnes, Wheat & Milner, 2011). Für eine akkurate Bestimmung der evVel sollte nach den Ergebnissen dieser Studie unter Feldbedingungen eine SF von > 100 Hz genutzt werden.
© Copyright 2018 Technologien im Leistungssport 3: Tagungsband zur 19. Frühjahrsschule am 14./15. Mai 2018 in Leipzig. Veröffentlicht von Meyer & Meyer. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft Naturwissenschaften und Technik Ausdauersportarten
Tagging:Genauigkeit
Veröffentlicht in:Technologien im Leistungssport 3: Tagungsband zur 19. Frühjahrsschule am 14./15. Mai 2018 in Leipzig
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Aachen Meyer & Meyer 2018
Schriftenreihe:Schriftenreihe für Angewandte Trainingswissenschaft, 13
Online-Zugang:https://open-archive.sport-iat.de/sponet/SR_2018_13_49_mitschke_beeinflussen.pdf
Seiten:49-61
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch