Effekte von Komplextraining auf Kraft- und Schnelligkeitsleistungen bei Sportlern: Ein systematischer Überblick

Zusammenfassung Hintergrund: Die Postaktivierungspotenzierung (PAP) kann akut zu einer Verbesserung von Kraft- und Schnelligkeitsleistungen führen. Es ist jedoch unklar, ob die Überführung akuter PAP-Effekte in den Trainingsprozess mittels eines Komplextrainings zu größeren und letztendlich überdauernden Leistungssteigerungen im Vergleich zu isolierten Trainingsmethoden, z. B. einem Standardkrafttraining führt. Der vorliegende systematische Überblicksbeitrag fasst den aktuellen Forschungsstand zu den Effekten und dem Belastungsgefüge von Komplextrainingsprogrammen auf Kraft- und Schnelligkeitsleistungen von Sportlern mit unterschiedlichem Expertiseniveau zusammen. Methode: Mithilfe der Datenbanken Pubmed, SportDiscus und Web of Science wurde eine systematische Literaturrecherche für den Zeitraum von 1995 bis September 2013 durchgeführt. Insgesamt konnten 17 relevante Studien identifiziert werden, von denen zehn ein alternierendes und sieben ein blockweises Komplextraining durchführten. Ergebnisse: Im Ergebnis zeigte sich, dass sowohl alternierende (Hockstrecksprunghöhe: + 7,4 % [EGd = -0,43]; Strecksprunghöhe: + 9,8 % [EGd = -0,66]; Sprintzeit: -2,4 % [EGd = 0,63]) als auch blockweise (Hockstrecksprunghöhe: + 6,0 % [EGd = -0,83]; Strecksprunghöhe: + 11,9 % [EGd = -0,97], Sprintzeit: -0,7 % [EGd = 0,52]) Komplextrainingsprogramme kleine bis große Effekte auf Kraft- und Schnelligkeitsleistungen hervorrufen können. Im Vergleich zu alternativen Trainingsmethoden zeigten alternierende und blockweise Komplextrainingsprogramme im Mittel lediglich kleine Effekte bzgl. Kraft- und Schnelligkeitsleistungen. Zudem wurden für alternierende Komplextrainingsprogramme höhere Effekte bzgl. der Hochstrecksprunghöhe bei Sportlern mit niedrigem (+ 9,7 % [EGd = -0,57]) versus mit mittlerem bis hohem (+ 2,7 % [EGd = -0,15]) Expertiseniveau berichtet. Fehlende Nennungen (z. B. zur Regenerationszeit) sowie heterogene Angaben (z. B. zur Belastungshöhe) zum gewählten Belastungsgefüge lassen derzeit keine evidente Dosis-Wirkung-Beziehung für das Komplextraining auf der Basis der aktuell zur Verfügung stehenden Literatur ableiten. Schlussfolgerung: Für das Training in schnellkraftorientierten Sportarten stellt das Komplextraining eine wirksame Methode zur Steigerung von Kraft- und Schnelligkeitsleistungen dar. Zukünftig sind Studien mit hoher methodischer Qualität notwendig, um eine mögliche Überlegenheit gegenüber isolierten Trainingsmethoden abzuleiten. Insbesondere sollte geprüft werden, ob die im Komplextraining gewählte Reihung der komplexen Übungspaare/-blöcke tatsächlich akute PAP-Effekte auslöst.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft
Veröffentlicht in:Sportverletzung Sportschaden
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2014
Online-Zugang:https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0034-1366145
Jahrgang:28
Heft:2
Seiten:85-107
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch