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Der Einsatz von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) im Spitzensport

Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) sind aus dem sportmedizinischen Ärztekoffer nicht weg zu denken, da hauptsächlich "Bagatellverletzungen" dem Athleten die sportliche Partizipation erschweren oder gar verhindern. Wissenschaftliche Arbeiten insbesondere der FIFA Fußballweltmeisterschaften wie auch im Breitensport zeigten eine erschreckende Praxis dieser Medikamente, dass beinahe jeder dritte Athlet vor den Wettkämpfen schmerzlindernde und entzündungshemmende Substanzen benötige, im Breitensport meist ohne ärztliche Verordnung noch Kontrolle. Trotz Präventionsmaßnahmen durch Information der Sportärzte konnte keine Reduktion der Inzidenz beobachtet werden. Die Dunkelziffer der selbstständigen Einnahme durch die Athleten erscheint zudem hoch. Sowohl Anpassungsvorgänge der Muskulatur wie auch des Sehnengewebes scheinen durch eine regelmäßige Einnahme von NSAR negativ beeinflusst zu werden. So wurde eine unter anderem im Muskel verminderte Proteinsynthese unter NSAR-Einnahme beobachtet. Ebenfalls kann deren Langzeiteinnahme nach Frakturen, Muskelverletzungen oder Bänderrissen die Heilung zeitlich verzögern oder sogar qualitativ beeinträchtigen. Eine direkt nach dem Unfall begonnene NSAR-Therapie erscheint bei größerer Gewebeschädigung indiziert, um weiteren Gewebeschaden in der Inflammationsphase zu vermeiden, wobei spätestens ab der Proliferationsphase eine lokale Entzündung erwünscht und von hoher Bedeutung ist. Eine mehrtägige Therapie vermag durch den kurzzeitigen Nutzen der Analgesie eine frühere Rückkehr in den Sport ermöglichen, wobei dies auf Kosten der strukturellen Reparaturprozesse geht. Eine sinnvolle Aufklärung der Handhabung dieser Medikamente sollte sich daher nicht nur an Sportärzte, sondern auch an den gesamten medizinischen Stab adressieren, um möglichste negative Konsequenzen vermeiden zu können.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin
Veröffentlicht in:Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2014
Online-Zugang:https://www.uni-ulm.de/fileadmin/externe_websites/ext.dzsm/content/Archiv_2014/Heft_2/uebersicht_tscholl.pdf
Jahrgang:65
Heft:2
Seiten:34-37
Dokumentenarten:Artikel
Level:mittel