Neurophysiological adaptations in response to balance training
(Neurophysiologische Anpassungen an Gleichgewichtstraining)
Gleichgewichtstraining verbessert nicht nur die posturale Kontrolle sondern steigert darüber hinaus die Explosivkraft, verbessert das Sprungverhalten und fördert die Regeneration nach Verletzungen. Des Weiteren reduziert Gleichgewichtstraining die Inzidenz von Knie- und Sprunggelenksverletzungen. Es stellt sich die Frage, wie das zentrale Nervensystem (ZNS) sich an Gleichgewichtstraining anpasst, um all diese (unterschiedlichen) Funktionen zu gewährleisten. Der vorliegende Übersichtsartikel beleuchtet neuronale Anpassungsreaktionen des ZNS, die der verbesserten Gleichgewichtsfähigkeit, der erhöhten Explosivkraft und der Reduktion von Verletzungen der unteren Extremität zugrunde liegen. Es wird die Plastizität des ZNS unterstrichen und ein besonderes Augenmerk auf Anpassungsvorgänge spinaler und kortikaler Strukturen gelegt. Dabei werden Erkenntnisse von elektrophysiologischen Messungen wie auch Ergebnisse von bildgebenden Verfahren vorgestellt. Studien, in denen die spinale Reflexaktivität mittels peripherer Nervenreizung während der Ausführung von Gleichgewichtsaufgaben erfasst wurde, legen den Schluss nahe, dass sich die Erregbarkeit spinaler Reflexe durch Gleichgewichtstraining reduziert. Der Einsatz von transkranieller Magnetstimulation zur Abschätzung der kortikalen Aktivität während der Durchführung von postural anspruchsvollen Aufgaben hat aufgezeigt, dass die Aktivität des motorischen Kortex zu Anfang der Gleichgewichtsintervention hoch ist und mit zunehmender Bewegungsautomatisierung abnimmt. Dahingegen wird vermutet, dass die Aktivität in einigen subkortikalen Strukturen eine gegenläufige Entwicklung aufzeigt. Neueste Erkenntnisse mit bildgebenden Verfahren unterstützen diese Vorstellung und zeigen darüber hinaus auf, dass sich graue und weiße Hirnsubstanz sehr schnell an ein Gleichgewichtstraining anpassen, so dass schon nach zwei Trainingstagen strukturelle Veränderungen im Gehirn nachweisbar sind. Aufgrund der vorliegenden Studien kann gefolgert werden, dass vor allem supraspinalen Anpassungen des ZNS eine zentrale Bedeutung für die Steigerung der funktionellen Parameter (Gleichgewicht, Explosivkraft, allgemeine Bewegungskontrolle, etc.) zukommt.
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| Notationen: | Biowissenschaften und Sportmedizin Trainingswissenschaft |
| Veröffentlicht in: | Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin |
| Sprache: | Englisch |
| Veröffentlicht: |
2012
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| Online-Zugang: | https://www.uni-ulm.de/fileadmin/externe_websites/ext.dzsm/content/archiv2012/Heft_9/10_Ubersicht_Taube_final_bg.pdf |
| Jahrgang: | 63 |
| Heft: | 9 |
| Seiten: | 273-277 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |