Auswirkungen klassischer Krafttrainingsmethoden auf die Sauerstoffaufnahme während und nach einmaligen, erschöpfenden Belastungen

Verschiedene Zusatzlasten und Bewegungsgeschwindigkeiten definieren ein weites Spektrum von Kraftbelastungen. Es wurden vier klassische Methoden aus der Trainingspraxis standardisiert: Schnellkraftausdauer (SKA: 55% 1RM mit einer Wiederholungsgestaltung konzentrisch-isometrisch-exzentrisch-isometrisch von vmax-1-1-1); Kraftausdauer (KA: 55% 1RM mit 4-1-4-1); Hypertrophie (HYP: 75% 1RM mit 2-1-2-1); Maximalkraft (MAX: 85% 1RM mit vmax-1-1-1). Eine Standardisierung umfasste - neben den klassischen Trainingsnormativen - auch range of motion (ROM), time under tension (TUT) und die Vorgabe der zeitlichen Anteile für jede Kontraktionsphase innerhalb einer Wiederholung (konzentrisch-isometrisch-exzentrisch-isometrisch). Durch diese Vorgabe und das von der Gelenkswinkelstellung abhängige ROM werden die Gelenkwinkelgeschwindigkeiten vom articulatio humeri und articulatio cubiti der Probanden gleich gehalten. Die Vorgabe erfolgt durch ein Biofeedbacksystem. Auf diese Weise werden die mechanischen Anforderungen interindividuell vergleichbar gemacht und lassen so methodenspezifische Vergleiche hinsichtlich metabolischer und mechanischer Anforderungen zu. Zehn männliche Probanden (27,3 ± 3,2 Jahre) führten alle o.g. Belastungen an verschiedenen Versuchstagen bis zur maximalen Ausbelastung durch. Physikalische Leistung, Herzfrequenz (HF), VO2 während und 30 min nach der Belastung und Belastungszeit wurden erfasst. HFmax unterschieden sich nicht voneinander (HYP: 127 ± 29 S/min; SKA: 125 ± 19 S/min; KA: 122 ±14 S/min; HYP: 127 ± 29 S/min; MAX: 133 ± 16 S/min). Die mechanische Leistung ist bei den Belastungen mit maximal schneller Ausführung (SKA: 292.0 ± 82.1 W; MAX: 260.5 ± 93.5 W) höher als bei den anderen Belastungen (KA: 39.7 ± 3.2 W; HYP: 89.7 ± 13.0 W). VO2 ist nur bei SKA (924 ± 171 ml/min) signifikant höher als bei den drei anderen Belastungen, welche sich hinsichtlich VO2 nicht signifikant voneinander unterschieden (MAX: 743 ± 138 ml/min; KA: 707 ± 157 ml/min; HYP: 748 ± 154 ml/min). Eine Erklärung für die ausschliesslich bei SKA erhöhte VO2 ist in der hohen Beschleunigung in der konzentrischen Phase der Bewegungsausführung zu sehen, die durch die geringe Zusatzlast (55% 1RM) zustande kam. Diese kann zu einem erhöhten Blutfluss in der arbeitenden Muskulatur durch die Unterbrechung der TUT am Ende der konzentrischen Phase führen und lässt möglicherweise eine erhöhte aerobe Energiebereitstellung bei SKA im Vergleich mit den anderen Belastungen zu.
© Copyright 2009 Schweizerische Zeitschrift für Sportmedizin und Sporttraumatologie. Rub Media AG. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin Trainingswissenschaft
Veröffentlicht in:Schweizerische Zeitschrift für Sportmedizin und Sporttraumatologie
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2009
Online-Zugang:https://sems.ch/fileadmin/user_upload/Zeitschrift/57-2009-3/Kraft_3-09_Wirtz.pdf
Jahrgang:57
Heft:3
Seiten:108-112
Dokumentenarten:Artikel
Level:mittel