Der Einfluss unterschiedlicher Sportarten auf die Haltungsregulation
Hintergrund: Bisherige Untersuchungen haben gezeigt, dass sowohl das Qualifikationsniveau als auch die Art der sportlichen Betätigung einen großen Einfluss auf die posturale Kontrolle besitzen. Jedoch gibt es keine systematischen Studien, die den Einfluss verschiedener Sportarten auf die Haltungsregulation und die posturalen Subsysteme untersuchten. Insbesondere die Auswirkungen professioneller sportlicher Betätigungen auf die posturalen Subsysteme blieben bislang nahezu unberücksichtigt. Fragestellung: Ziel der quasiexperimentellen Querschnittsuntersuchung war es, den Einfluss professionell ausgeübter Sportarten (Handball, Schwimmen, Turnen, Sportschießen) auf die posturalen Subsysteme zu prüfen. Hypothetisch wurde davon ausgegangen, dass die unterschiedlichen Anforderungsprofile der einzelnen Sportarten unterschiedliche Effekte seitens der posturalen Regulation generieren. Methodik: 155 professionelle Sportler (Handball: n = 30; Turnen: n = 44; Schwimmen: n = 50; Sportschießen: n = 31) sowie 34 stratifizierte und randomisierte Kontrollprobanden (Nichtsportler) wurden posturografisch (Messsystem: Interaktives Balancesystem [IBS; Tetrax Inc., Ramat Gan, Israel]) untersucht. Geprüft wurden folgende Frequenz- und Zeitbereichsparameter: Power in den Frequenzbändern: PF 1 (0,03 - 0,1 Hz), PF 2 - 4 (0,1 - 0,5 Hz), PF 5 - 6 (0,5 - 1,0 Hz), PF 7 - 8 (> 1,0 Hz) sowie die Zeitbereichsparameter Stabilitätsindikator (STABI) und Synchronisation (SYN). Ergebnisse und Diskussion: Die Sportschützen zeigten in den Frequenzbändern PF 1 (p = 0,003), PF 2 - 4 (p < 0,001) und PF 7 - 8 (p = 0,002) eine signifikant niedrigere Power im Vergleich zu den Athleten der anderen Sportarten. Ein ebenfalls signifikant höheres Niveau seitens der Sportschützen war bezüglich der posturalen Stabilität zu beobachten. So erzielten die Sportschützen im Parameter STABI signifikant (p = 0,002) niedrigere Werte im Vergleich zu den Athleten der anderen Sportarten. Demgegenüber erwiesen sich die Turner im Parameter SYN als die leistungsfähigste Kohorte (p = 0,002). Schlussfolgerung/Ausblick: Unterschiedliche Sportarten bewirken auf leistungssportlichem Niveau unterschiedliche Effekte hinsichtlich der für die posturale Kontrolle relevanten Subsysteme, wobei Sportschützen über eine signifikant bessere Haltungsregulation verfügen. Mithilfe des IBS können diese Effekte parametrisiert und quantifiziert und infolgedessen das Training der Sportler zielgerichteter und effizienter gestaltet werden. Zudem sollte sich das IBS sehr gut zur sportlichen Eignungsdiagnostik, insbesondere in Sportarten mit hohen haltungsregulatorischen Anteilen (Sportschießen, Turnen, Wasserspringen etc.), eignen.
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| Notationen: | Biowissenschaften und Sportmedizin Trainingswissenschaft |
| Veröffentlicht in: | Sportverletzung Sportschaden |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
2009
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| Online-Zugang: | https://doi.org/10.1055/s-0028-1109576 |
| Jahrgang: | 23 |
| Heft: | 3 |
| Seiten: | 148-154 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |