Zur Rolle der subjektiven Trainingsqualität im Leistungssport: eine mehrdimensionale Untersuchung am Beispiel von Ausdauersportarten
Ziel der vorliegenden Arbeit war eine mehrdimensionale Analyse der Trainingsqualität von Leistungssportlern in ausdauerorientierten Sportarten aus Akteurssicht.
Die nachfolgenden Ergebnisse sind hervorzuheben und erheben keinen Anspruch auf Repräsentativität:
• Die Daten der Fragebogenerhebung zeigen eine hohe Athletenzufriedenheit an. Dies beinhaltet die Zufriedenheit mit dem Trainer, dem Training, den Trainingsbedingungen, der Trainingsgruppe und Wettkampfleistung. Diese hohe Zufriedenheitsstruktur ließ sich in den Interviews nicht wiederfinden. Die Ergebnisse zeigen, dass durch Fragebögen nur ein Ausschnitt erfasst werden konnte, ein für die Praxis relevanter Mehrwert entstand allerdings nur durch eine mehrperspektivische und individuelle Betrachtung (Interview) der Akteure.
• In Bezug auf das Qualitätskriterium Empowerment ist zu resümieren, dass sich in der vorliegenden Studie viele Athleten "selbst" ermächtigt haben, eine Förderung (bspw. durch Trainer) der Selbstbestimmung und der Selbstreflexion liegt in äußerst wenigen Fällen vor.
• Die Mitbestimmung im Trainingsprozess sowie die Selbstbestimmung im Leistungssport werden aus Athletensicht vom Sportsystem kritisch wahrgenommen und restriktiv gehandhabt.
• Viele Athleten betrieben vor ihrer derzeitigen Hauptsportart eine weitere Sportart.
• In Bezug auf das Qualitätskriterium Enhancing (Weiterentwicklung) lässt sich zusammenfassen, dass die Karriereverläufe sehr heterogen sind. Eine "klassische" Kaderkarriere (vom D- zum A-Kader) weisen nur sehr wenige Athleten auf.
• In Bezug auf die instrumentelle Qualität von Training seien folgende Erkenntnisse aufgeführt:
Zwar zeigte die Analyse der instrumentellen Qualitätsdimension, dass die Athleten ihre langfristige Entwicklung positiv belegen ("habe meine Leistungsziele in den letzten Jahren erreicht", vgl. Analyse in Kapitel 4.4.1). Bezogen auf die letzte Saison bewerten die Athleten ihre Leistungszielerreichung ausgewogen zustimmend und ablehnend (Kapitel 4.4.1). Die Bezeichnung "instrumentell" trägt dem Inhalt des angenommenen "Outputs" von Training jedoch nicht Rechnung, da "instrumentell" im klassischen dienstleistungsorientierten Verständnis den unmittelbaren, also kurzfristigen "Output" beschreibt. Deswegen sollte "instrumentell" adäquat in die (pädagogische) Bezeichnung "Enhancing" modifiziert werden. Enhancing fasst die langfristige Entwicklung als Qualitätskriterium individueller und prozessbezogener.
• Bzgl. der Einordnung der Trainingsquantität in Ausdauersportarten ist folgendes Ergebnis von Relevanz: Die Daten geben keinen Hinweis darauf, dass dann, wenn mehr trainiert wird, auch die Leistungsziele oder Platzierungen eher erreicht wurden.
Diese Arbeit konnte zeigen, dass die Sportpädagogik durch eine qualitative Betrachtung von leistungssportlichem Tun ihren Platz im Sinne der Praxisverantwortung und durch die Formulierung der Gegenstandspflicht (indem im Forschungsprozess auch hinterfragt wird, was Qualität überhaupt bedeutet, vgl. PROHL 2006a, 219) einnehmen kann - insbesondere dadurch, dass es den mündigen Athleten in einer pluralistischen Gesellschaft offen steht, sich leistungssportlich zu engagieren und gleichzeitig leistungssportliches Engagement als etwas begriffen wird, das Bildungspotential in sich birgt, allerdings ausschließlich unter den hier genannten Voraussetzungen der Mündigkeit.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Ausdauersportarten Trainingswissenschaft Sozial- und Geisteswissenschaften |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Frankfurt/Main
Johann Wolfgang Goethe-Universität
2007
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| Online-Zugang: | http://docplayer.org/203601541-Zur-rolle-der-subjektiven-trainingsqualitaet-im-leistungssport-eine-mehrdimensionale-untersuchung-am-beispiel-von-ausdauersportarten.html |
| Seiten: | 229 |
| Dokumentenarten: | Dissertation |
| Level: | hoch |