Referenzwerte gesunder Kinder und Jugendlicher für die Sauerstoffaufnahme in Ruhe, an der individuellen anaeroben Schwelle und bei Ausbelastung auf dem Laufbandergometer
Wachstum, Differenzierung und Strukturierung der Gewebe, Organe und Organsysteme beeinflussen im Kindes- und Jugendalter entscheidend die körperliche Leistungsfähigkeit. Eine quantitative Analyse der körperlichen Leistungsfähigkeit kann daher nur unter Berücksichtigung ontogenetischer Faktoren erfolgen und spiegelt naturgemäße Veränderungen beim heranwachsenden Kind bzw. Jugendlichen wieder. Physische Ausdauerleistungen sind in hohem Maße an energieliefernde Prozesse gekoppelt, die dem oxidativen Energiestoffwechsel zugerechnet werden können. Daher wird die aerobe Ausdauerleistungsfähigkeit im allgemeinen durch die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) beschrieben. Sie ist abhängig von der Sauerstoffaufnahme, der Transportkapazität im Herz-Kreislauf-System sowie den "Verbrennungssystemen" in der arbeitenden Muskulatur. Zur objektiven Beurteilung der körperlichen Leistungsfähigkeit gesunder Kinder und Jugendlicher fehlten bislang Referenzwerte, die mit Hilfe einheitlicher, standardisierter Belastungsprotokolle in allen Lebensabschnitten erhoben wurden. An Hand des von Dubowy et al. entwickelten Laufbandprotokolls der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie, welches für Kleinkinder ebenso geeignet ist wie für Erwachsene und ältere Menschen, wurden in dieser Arbeit Normwerte für Kinder und Jugendliche erarbeitet. Diese sollen dem Kliniker bei zahlreichen Fragestellung helfen aber auch zur Beurteilung chronisch kranker Menschen herangezogen werden können, um eine objektive Einschätzung der körperlichen Belastbarkeit in Schule, Beruf und Freizeit zu ermöglichen. Mit dieser Arbeit konnte erstmals in größerem Umfang gezeigt werden, dass auch mit Kindern im Kindergartenalter spiroergometrische Untersuchungen auf dem Laufband möglich sind. Trotz der allgemeinen Annahme, fehlten bislang Studien, die darüber hinaus Richtgrößen für die jeweiligen Altersgruppen liefern. Weiterhin ließ sich nachweisen, dass auch die Resultate der jüngsten Probandengruppen reproduzierbar sind. Eine Ausbelastung ist mit dem verwendeten Laufbandprotokoll auch bei jenen Kindern möglich. Neben der Sauerstoffaufnahme bei physischer Belastung, zeigten Messungen im Vorfeld einen altersabhängig, abnehmenden O2-Verbrauch in Ruhe, wenn das Körpergewicht mit berücksichtigt wurde. Dies deckt sich mit Angaben zum Grundumsatz bei Kindern und Jugendlichen und ist unter anderem Folge eines erhöhten Energiebedarfs während des Wachstums. Darüber hinaus zeigen heranwachsende Männer - auf Grund der höheren Muskelmasse - einen höheren basalen Sauerstoffbedarf als ihre weiblichen Altersgenossen.
Die Sauerstoffaufnahme an der anaeroben Schwelle zeigt sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen eine ähnliche Altersabhängigkeit, wie die VO2max. Die O2-Aufnahme an der individuellen anaeroben Schwelle lag in allen Altersklassen durchschnittlich um 70% der Sauerstoffaufnahme bei Maximalbelastung. Die absolute VO2max nimmt bis zur Pubertät bei Jungen und Mädchen kontinuierlich zu. Mit Beginn der Pubertät sind signifikante Unterschiede in Bezug auf maximale und relative VO2max zwischen männlichen und weiblichen Jugendlichen zu verzeichnen. Weibliche Jugendliche erreichen früher ihren Kulminationspunkt (13/14 Jahre), männliche Jugendliche maximale Werte mit 18 Jahren. Am Ende des 2. Lebensjahrzehnt haben Männer eine ca. 35% höhere Sauerstoffaufnahme bei Maximalbelastung, unter Berücksichtigung des Körpergewichtes liegt diese etwas niedriger. Die ermittelten Daten der relVO2max lassen erkennen, dass die in zahlreichen Studien gezeigte unveränderte maximale Sauerstoffaufnahme bezogen auf das Körpergewicht, sehr wohl eine altersabhängige Dynamik aufweist, insbesondere im Vorschul- und Adoleszentenalter. Diese ist ebenfalls aus einer körperoberflächenbezogenen Darstellung zu entnehmen und bietet gegenüber der klassischen Abbildung keinen erkennbaren Vorteil. Wir schlagen daher vor, eine Beurteilung der Leistungsfähigkeit an Hand der erstellten Perzentilenkurven durchzuführen. Auf Grund der einheitlichen Testbedingungen ist damit die Möglichkeit gegeben, individuelle und interindividuelle Vergleiche bei Heranwachsenden unabhängig vom Alter und Geschlecht anzustellen.
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| Notationen: | Trainingswissenschaft Naturwissenschaften und Technik |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Bochum
Medizinische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum
2006
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| Online-Zugang: | https://hss-opus.ub.ruhr-uni-bochum.de/opus4/frontdoor/index/index/year/2018/docId/1210 |
| Seiten: | 106 |
| Dokumentenarten: | Dissertation |
| Level: | hoch |