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Zeitreihenanalysen und informatisches Metamodell zur Untersuchung physiologischer Adaptationsprozesse

Das Verständnis physiologischer Adaptationsprozesse mit ihren komplexen Belastungs-Leistungs-Wechselwirkungen ist von wesentlicher Bedeutung für die Konzipierung und Optimierung von Trainingsprozessen. Es ist davon auszugehen, dass im oberen Adaptationsbereich die Mehrzahl der Teilprozesse, wie z. B. die im metabolischen Bereich, zum einen durch eine hohe Individualität gekennzeichnet ist. Es kommt hinzu, dass einzelne Parameter nicht zeitgleich schwingen, sondern durch unterschiedliche Lags beeinflusst werden. Diese Vorgänge können mit der herkömmlichen gruppenbezogenen Statistik nicht erfasst werden. Um die realen Veränderungen bei Anpassungsprozessen empirisch überprüfen zu können, werden deshalb Einzelfall-/Zeitreihenanalysen durchgeführt. Ansätze und Ergebnisse hierzu werden im ersten Hauptteil vorgestellt. Zum anderen zeigen strukturelle Analysen der Adaptationsphänomene, dass das ob und das wie ihres Auftretens durch Systemdynamiken beschrieben werden können, deren Effekte sich, unabhängig vom konkret betrachteten physiologischen Teilmodell, im grundlegenden Verhalten eines sehr allgemeinen Systemtyps nachweisen lassen. Hierzu wird im zweiten Hauptteil das informatische Metamodell LEIPOT (LEIstungs-POTential) für die Wechselwirkung Belastung . Leistung vorgestellt, das - zunächst nur für die Modellierung von phänomenischen Wechselwirkungen gedacht - zunehmend Beschreibung und Analyse unterschiedlichster Systeme in der Sportphysiologie und in der Medizin unterstützt. Charakteristisch für die mit LEIPOT darstellbaren Modelle ist erstens ihre adaptive Dynamik, d. h. das Modell beschreibt das durch externe Einflussgrößen provozierte Einschwingen eines Systems von einem Start- in einen Zielzustand. Ein zweites Chakteristikum der LEIPOT-Modell-Dynamik kann man als antagonistisch bezeichnen, d. h. die zentrale Einflussgröße wirkt in symmetrischer Form sowohl negativ als auch positiv auf die Zustandsveränderung. Diese beiden spezifischen Eigenschaften sind als Phänomene aus einer großen Zahl von Lern-, Trainings- oder therapeutischen Prozessen vertraut. Konzeptionell ist es sinnvoll, derart umfassend beobachtbare Phänomene zunächst auf hoher Abstraktionsstufe zu betrachten, d. h. sie mithilfe eines Metamodells zu beschreiben und so übergreifend zu analysieren. Davon ausgehend können spezielle Konkretisierungen helfen, die Details der spezifischen physiologischen Dynamiken zu beschreiben.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2000
Online-Zugang:https://www.bisp-surf.de/Record/PU199912404476/HierarchyTree?hierarchy=JO00000000941
Dokumentenarten:elektronische Publikation
Level:hoch