Untersuchungen zur Pufferkapazität und anaeroben Kapazität auf dem Laufbandergometer
Die Objektivierung der anaeroben Kapazität konnte bisher kaum verwirklicht werden, spielt aber in Kurz- und Mitteldistanzdisziplinen eine entscheidende Rolle für den Wettkampferfolg. Um eine neue Methode zur Quantifizierung der anaeroben Kapazität auf die spezifische Leistungsfähigkeit zu prüfen, wurden drei Probandenkollektive mit definierter Adaptation [Untrainierte (UT, n = 10); aerob-trainierte Langstreckenläufer (AeT, n = 10) und anaerob-trainierte Sprinter (AT, n = 10)] einem Rampentest, einem Mehrstufentest und einer Maximalsprintserie unterzogen. Der Schnelligkeitstest und der spiroergometrische Rampentest legten den Belastungsrahmen für die Sprinttestserie fest. Der Mehrstufentest diente der Einschätzung des aeroben Laufvermögens und der Bestimmung der relativen Pufferkapazität. Die Ergebnisse der Sprinttestserie wurden als Arbeitssumme dargestellt. Der Arbeitsbetrag bei t = 0 entsprach dem Y-Achsenabschnitt und wurde als anaerobe Kapazität interpretiert. Verglichen wurden die anaerobe Kapazität mit der relativen Pufferkapazität. Als Maß für den Start der Pufferung wurde die Leistung an der LT verwendet. Als Endpunkt wurde der Beginn der respiratorischen Kompensation der Belastungsazidose (RCP) angenommen. Die Angabe der relFP erfolgte als prozentualer Anteil der Pufferung an der Leistung am RCP. Die Gruppe AT und AeT zeigten hinsichtlich ihrer maximalen Leistungsdaten keine wesentlichen Unterschiede (Laktatmax, Vmax, VO2max). Auch für die Laufgeschwindigkeiten am RCP fanden sich keine signifikanten Unterschiede. Jedoch erreichte die Gruppe der AT signifikant höhere Werte der relFP und der anaeroben Kapazität. Hinsichtlich der Korrelationskoeffizienten der relativen Pufferkapazität und der anaeroben Kapazität ergab sich für das Gesamtkollektiv eine signifikante Korrelation (r = 0,92). Der Vergleich der relativen Pufferkapazität und der anaeroben Kapazität innerhalb der einzelnen Gruppen, ergab schwach signifikante Korrelationen (ATÞ r = 0,62; AeTÞ r = 0,77 und UTÞ r = 0,84). Daraus ergibt sich ein Testverfahren, welches die Kollektive der Kurz- und Mitteldistanzathleten von Langausdauerathleten mittels Bestimmung der anaeroben Kapazität voneinander unterscheiden lassen kann. Ein entsprechender Einsatz, vor allem im Talentsichtungsbereich, könnte nach Abklärung weiterer Aspekte sinnvoll sein. Das Testverfahren kann so vereinfacht werden, dass die Bestimmung der anaeroben Kapazität in kurzer Zeit und mit relativ wenigen Tests möglich ist. Durch technische Schwierigkeiten auftretende Messungenauigkeiten machen eine Standardisierung zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich. Insbesondere eine Differenzierung innerhalb eines Kollektives ist nicht möglich, sodass ein Einsatz des Verfahrens in der Trainingsplanung und Steuerung derzeit noch keinen sinnvollen Einsatz darstellt.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Ausdauersportarten Biowissenschaften und Sportmedizin Trainingswissenschaft |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Tübingen
2003
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| Online-Zugang: | https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/44332 |
| Seiten: | 125 |
| Dokumentenarten: | Dissertation |
| Level: | hoch |