Neuere Entwicklungen und aktuelle Perspektiven der Forschung zum Motorischen Lernen in Frankreich
Es ist nicht leicht, zu einem Bereich mitten in einer kräftigen Entwicklungsphase einen Blick in die Zukunft zu tun. Dennoch sollen zwei wesentliche Gedanken vorgestellt werden, die die Entwicklung zukünftiger Forschung zum Motorischen Lernen charakterisieren dürften.
Nicht alle Arbeiten, die in diesem Beitrag erwähnt wurden, stammen von Sportwissenschaftlern. Lange Zeit war die Motorikforschung sehr von theoretischen Ansätzen anderer Wissenschaftsbereiche abhängig. Zukünftige Forschung zum Motorischen Lernen muß deutlicher die Charakteristika der Motorik bei sportlichen Bewegungen, d.h. fast immer Ganzkörperbewegungen unter hohem Zeitdruck, bearbeiten. Die Sportmotorik ist eine sehr komplexe Motorik. Der wesentliche Fehler bei der Anwendung klassischer Lerntheorien war die Reduktion dieser Komplexität durch das Zentrieren der Analyse auf eindimensionale, abhängige Variablen; dabei stand meist die Messung der Zeit im Mittelpunkt. Mit dem dynamischen Ansatz und dessen Schwerpunkt auf dem Konzept der Bewegungskoordination hat die Forschung einen entscheidenden Schritt nach vorne getan: In Zukunft werden die Forscher versuchen, die Komplexität von Bewegung direkt zu erfassen, ohne sie zuvor mit Hilfe stark vereinfachender Modellvorstellungen zu reduzieren.
In diesem Beitrag wurde oft zwischen Aufgaben zur Koordination und Bewegungssteuerung einerseits und zwischen Aufgaben zu strategischen und taktischen Fertigkeiten andererseits unterschieden. Diese Aufgabenklassifizierung ist für uns grundlegend. Eine Literaturanalyse zeigt, dass im allgemeinen Arbeiten zum Vergleich von variablem mit festgelegtem Lernen und Üben an Steuerungsaufgaben durchgeführt wurden. In der einzigen Untersuchung mit einer Bewegungskoordinationsaufgabe (den BRINKER u.a. 1985) wurde zu einer Transferaufgabe keinerlei Vorteil durch variables Lernen gefunden. MAGILL/SCHOENFELDEA-ZOHDI (1995) vermuten auf der Basis einer Literaturanalyse, dass Vormachen höchstens im Rahmen von Bewegungskoordinationsaufgaben, aber kaum bei Regelungsaufgaben eine Rolle spielt. Schließlich wurde in diesem Beitrag noch die unterschiedliche Bedeutung verschiedener Arten der Verbalisierung für strategische und technische Fertigkeiten erwähnt.
Dies alles legt nahe, dass die Lerntheorien in erster Linie für Teilgebiete relevant sind. Es wäre illusorisch, nach einer allgemeinen, umfassenden Theorie zu suchen, die für alle Aneignungsprozesse zutrifft. Die künftige Entwicklung läuft weniger auf die Suche nach einer Synthese der verschiedenen Forschungstendenzen hinaus als auf die deutlichere Bestimmung der Grenzen der Anwendbarkeit der einzelnen theoretischen Ansätze.
© Copyright 1997 Sportwissenschaft in Deutschland und Frankreich. Veröffentlicht von Czwalina-Verlag. Alle Rechte vorbehalten.
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| Notationen: | Trainingswissenschaft Sozial- und Geisteswissenschaften |
| Veröffentlicht in: | Sportwissenschaft in Deutschland und Frankreich |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Hamburg
Czwalina-Verlag
1997
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| Online-Zugang: | https://www.researchgate.net/profile/Didier_Delignieres/publication/265403352 |
| Seiten: | 133-146 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |