Rupturen des vorderen Kreuzbandes bei weiblichen Athleten. Teil 1: Epidemiologie, Verletzungsmechanismen und Ursachen

Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass Kreuzbandrupturen im Ballsport bei weiblichen Sportlern etwa 2,4 bis 9,5 mal häufiger vorkommen als bei Männern. Ungefähr 70 % der Verletzungen entstehen ohne direkte Beteiligung eines Mitspielers (sogenannte Nicht-Kontakt-Situationen), und verschiedene Studien haben gezeigt, dass Kreuzbandrisse im Ballsport am häufigsten bei der Landung nach einem Sprung und während schneller Richtungswechsel entstehen. Videoanalysen ergaben, dass sich das Kniegelenk zur Zeit der Verletzung am häufigsten in leichter Beugung, in Valgus- und Außenrotationsstellung befindet. In dieser Knieposition ist die Spannung im vorderen Kreuzband am höchsten, und die muskulären Agonisten des vorderen Kreuzbandes, die ischiokruralen Muskeln, haben einen ungünstigen Hebelarm, um das Tibiaplateau zu sichern. Eine plötzliche Anspannung dieses Muskels kann bei diesen Kraftverhältnissen der Hebelarme zur Ruptur des vorderen Kreuzbandes führen. Es gibt einerseits Hinweise, dass Unterschiede in der Koordination von Bewegungen und der neuromuskulären Kontrolle die unterschiedliche Inzidenz von Kreuzbandverletzungen bei Männern und Frauen erklären können. Frauen landen nach einem Sprung aufrechter mit einem nur wenig gebeugten Kniegelenk. In dieser Position ist das vordere Kreuzband nur schlecht durch die ischiokrurale Muskulatur geschützt. Zusätzlich sind Frauen häufig quadrizepsdominant. Andererseits gibt es Hinweise, dass die Bandlaxizität und die muskulotendinöse Steifigkeit durch geschlechtspezifische hormonelle Unterschiede beeinflusst werden.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin
Veröffentlicht in:Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2005
Online-Zugang:https://www.germanjournalsportsmedicine.com/fileadmin/content/archiv2005/heft06/150-156.pdf
Jahrgang:56
Heft:6
Seiten:150-156
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch