Gehirn und körperliche Aktivität

Die heutigen bildgebenden und biochemischen Möglichkeiten erlauben Einblicke in hämodynamische und metabolische Reaktionen des menschlichen Gehirns bei dosierter Arbeit sowie vor und nach körperlichem Training. Dieses neue interdisziplinäre Forschungsgebiet nennen wir "Bewegungs-Neurowissenschaft". Körperliche Aktivität beeinflusst positiv kognitive Gehirnfunktionen in jedem Lebensalter. Dabei dürfte die bei dynamischer aerober Arbeit auftretende verstärkte regionale Gehirndurchblutung mit einer vermehrten Produktion von Nervenwachstumsfaktoren (Brain Derived Neurotrophic Factor = BDNF sowie IGF-1) eine Rolle spielen. Sie stellt einen stimulativen Faktor für Synapsen- und Spinebildung sowie für die regionale Neubildung von Neuronen im Gehirn dar. Endogene opioide Peptide, der Aminosäurentransport an der Blut-Hirn-Schranke und Neurotransmitter beeinflussen neben Hormonen die Psyche. Körperliche Aktivität lässt den Spiegel an endogenen opioiden Peptiden (Endorphinen) um das drei- bis vierfache über den Ausgangswert ansteigen, ein entscheidender Faktor für Schmerzdämpfung und Stimmungsverbesserung. Körperliche Bewegung mobilisiert auch Genexpressionen mit Auswirkungen auf die Gehirnplastizität. Ihr kommt eine besondere Bedeutung bei den altersbedingten Veränderungen zu, denen durch dynamische aerobe Arbeit entgegengewirkt werden kann. Es wird daher aus gesundheitlichen und leistungsbezogenen Gründen Beanspruchung auf Koordination sowie auf aerobe dynamische Ausdauer für Gehirnstrukturen, Gehirnleistungsfähigkeit und Gehirngesundheit ebenso empfohlen, wie es seit Jahrzehnten für das kardio-pulmonal-metabolische System geschieht.
© Copyright 2005 Sportwissenschaft. Springer. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin
Veröffentlicht in:Sportwissenschaft
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2005
Online-Zugang:http://www.hofmann-verlag.de/sw/pdfs/0501.pdf
Jahrgang:35
Heft:1
Seiten:3-14
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch