Prävention von Schulsportverletzungen - Analyse von Ballsportarten bei 2234 Verletzungen

Ziel: Ballsportverletzungen im Schulsport sind mit einer signifikanten Morbidität assoziiert. Inwiefern propriozeptive Schwächen für bestimmte Verletzungen bei Schülern verantwortlich sein könnten, die Ziel einer wirksamen Unterrichtsprävention sein könnten, soll anhand der Analyse der Verletzungsmuster und -umstände bei Ballsportverletzungen im Schulsport untersucht werden. Material und Methoden: Während eines Schuljahres wurden 2234 Schulsportunfälle über das berufsgenossenschaftliche Durchgangsarztverfahren an den Gemeinde-Unfallversicherungsverband (GUV) Niedersachsen gemeldet. Ergebnisse: 60 % der Verletzungen (n = 1330) traten im Rahmen von Ballsportarten auf, hauptsächlich beim Basketball (32 %, n = 431), Fußball (24 %, n = 316), Volleyball (17 %, n = 232), Handball (8,3 %, n = 110) und Hockey (4,9 %, n = 65). Bei Basketballverletzungen dominierten Stauchungen (27 %) vor Bänderverletzungen (23 %) und Frakturen (21 %), wobei häufig Fingerverletzungen (61 %) ohne Gegnereinwirkung auffielen, gefolgt von Verletzungen der unteren Extremität (28 %). Fußball führte am häufigsten zu Prellungen (29 %), die in 52 % Verletzungen der unteren Extremität (24 % OSG) nach sich zogen und am häufigsten nach Kollision mit einem Gegenspieler (22 %) oder dem Ball (20 %) auftraten. Beim Volleyball konnten bei 71 % Verletzungen der oberen Extremität mit 53 % Fingerverstauchungen bei der individuellen Ballbehandlung dokumentiert werden. Schlussfolgerung: Ballsportarten sind wesentlich unfallgefährdend im Schulsport, wobei überdurchschnittlich häufig Fingerverletzungen auftreten. Propriozeptive Schwächen, insbesondere der Finger, scheinen beim Basketball, Volleyball und Handball von Bedeutung zu sein. Beim Hockey fallen besonders Verletzungen des Mund-Kiefer-Gesichts-Bereichs auf. Prospektive propriozeptive Trainingsprogramme für die Finger als auch für die Knöchelregion könnten ebenso wie der mögliche kombinierte Helm- und Gesichtsschutz beim Hockey präventive Ansatzpunkte für den Schulsport liefern.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin Schulsport
Veröffentlicht in:Sportverletzung Sportschaden
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Stuttgart 2005
Online-Zugang:https://doi.org/10.1055/s-2005-858142
Jahrgang:19
Heft:2
Seiten:82-88
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch