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Zum Wirksamkeitsnachweis von Dopingpräparaten der aktuellen IOC Dopingliste - eine Literaturstudie*

Mittels einer umfangreich angelegten Literaturrecherche konnte ein überzeugender Zusammenhang zwischen der Einnahme verbotener Präparate der Dopingliste und einer unerlaubten Steigerung der Leistungsfähigkeit für viele Dopingsubstanzen wissenschaftlich nicht bestätigt werden. Vor allem fehlen Hinweise - mit Ausnahme von Anabolikastudien - auf eine pharmakologische Steigerung sportlicher Höchstleistung im Wettkampf und darum geht es im Endeffekt beim Dopingverbot. Die Dopingpräparate werden nicht aufgrund eines pharmakodynamischen Wirksamkeitsnachweises - wie er für Arzneimittel international üblich ist - sondern aus anderen Gründen auf die Liste gesetzt. Selbst das Arzneimittelgesetz verbietet im Sport nicht mehr als das Verbot des Verkehrs mit Dopingmitteln, nicht deren Einnahme. Da über die Einnahme von Dopingpräparaten, speziell der unter Wettkampfbedingungen, nur sehr wenige aussagekräftige Studien zu finden waren, ist auf der Basis des Literaturüberblicks ein leistungssteigernder Effekt dieser Präparate im Wettkampf zum großen Teil fraglich. Dies gilt speziell unter der Berücksichtigung des "Placeboeffektes". Soweit durch Pharmaka in Laborversuchen eine Steigerung von Ausdauer- oder Kraftleistungsfähigkeit nachgewiesen wurde, dürfte diese nicht auf Wettkampfsituationen übertragen werden. Unklar ist nämlich, ob im Wettkampf überhaupt noch sinnvoll mobilisierbare Leistungsreserven vorhanden sind. Selbst unter Experten existiert über Ausmaß und Wert der Leistungssteigerung von Dopingmitteln keine eindeutige Meinung. Wenn überhaupt, sind nachgewiesene Leistungsreserven in Laborversuchen nur marginal, und es kann über die pharmakologische Effektivität der meisten Dopingpräparate unter Wettkampfbedingungen lediglich spekuliert werden. Bis heute ist noch kein experimenteller Wirksamkeitsnachweis eindeutig und zweifelsfrei gefunden worden, der belegt, dass eine pharmakologische Leistungssteigerung im Spitzensport unter Wettkampfbedingungen überhaupt möglich ist; dieser Nachweis ist für alle Dopingmittel auch gar nicht realisierbar. Neben pharmakologischen Effekten sind diverse andere Einflußfaktoren zu berücksichtigen. Dabei sind vor allem Placeboeffekte, Suggestivwirkungen, Magie und Rituale in Betracht zu ziehen. Da der Wirksamkeitsnachweis einer Dopingsubstanz durch die begrenzte Aussagefähigkeit der eingesetzten Prüfmethoden und durch Placeboeffekte maßgeblich beeinträchtigt wird, ist gegenwärtig festzustellen, dass der experimentelle Beweis einer Leistungssteigerung bisher noch aussteht. Daraus resultiert die Herausforderung an die Sportwissenschaft, das Dopingverbot auf ein breites und zugleich solides Fundament zu stellen.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin Trainingswissenschaft
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2002
Online-Zugang:http://www.uni-mainz.de/FB/Sport/physio/pdffiles/SeyffartSPOWI-DopingXI02.pdf
Seiten:13
Dokumentenarten:elektronische Publikation
Level:mittel