Visuelle vs. verbale Information im sensomotorischen Lernprozeß

Eindeutig festzustellen ist, daß die Bewegungsvorstellung die Basis des Erlernens von Sporttechniken ist. Verschiedene Mittel und Wege - wie Demonstrationen, Bilder usw. - zur Erleichterung der Bewegungsvorstellung sind ausführlich dargestellt worden. Rücksicht ist in jedem auf das Alter der Lernenden zu nehmen, da sich deutliche Unterschiede hinsichtlich der Informationsverarbeitungsfähigkeit zeigen. Generell kann festgestellt werden, daß Informationen durch Bild und Text zu den besten Ergebnissen führen. Allerdings besteht hier die Gefahr der Überfrachtung mit Informationen, was zu einer Überforderung der Schüler führen kann. Auf das richtige Maß ist demnach großer Wert zu legen. Weiterhin ist zu betonen, daß vor allem Konturogramme sinnvoll sind. Strichzeichnungen und Realbilder haben weniger Effektivität aufzuweisen. Schüler bis 10 Jahre scheinen durch weitere Verwendung von Lehrmedien zusätzlich zu den Lehrerdemonstrationen und -instruktionen keinen entscheidenden Vorteil zu erlangen. Dies belegt die Untersuchung von BECKER/KRUBER (1992). Zusammenfassend läßt sich festhalten, daß die Verwendung von unterschiedlichen Lehrmedien durchaus ihre Berechtigung hat. Das Problem sehen wir in der täglichen Unterrichts- und Trainingspraxis. Eigene Erfahrungen in Schule und Verein zeigen, daß die einzige Lehrstrategie im Prinzip die der Lehrer- bzw. Trainerdemonstration und -instruktion ist. Mehrere Gründe könnten für diesen Zustand in Frage kommen. Der banalste, aber vielleicht schwerwiegendste, ist der, daß - das schon immer so war- . Damit soll nichts anderes gesagt sein, als daß andere Vermittlungsstrategien als die bisherigen gar nicht im Bewußtsein vieler Lehrenden existieren; teils aus Unkenntnis, teils aus Desinteresse. Deswegen muß der erste Schritt zu einer besseren Ausbildungssituation der einer Bewußtmachung von verschiedenen Lehrstrategien und der Nützlichkeit von Lehrmedien sein. Zum Teil Einzug in den Trainingsalltag hat die Videoanalyse gehalten. Ihr großes Manko vor allem bei kleineren Institutionen ist erstens die Höhe der Anschaffungskosten, zweitens die dann oft geringe Häufigkeit des Einsatzes und drittens der zeitliche Aufwand. Das Naheliegende wäre demnach die Anschaffung von anderweitigem Bild- und Textmaterial. Unkenntnis über deren Existenz und über Bezugsquellen sowie teilweise ebenfalls hohe Anschaffungskosten können dazu führen, daß der Aufwand als nicht lohnend erachtet wird. Ein weiteres Hindernis auf dem Weg zu einer besseren Ausbildung vor allem im Verein, ist die Weitergabe von Informationsmaterial und die logistische Lösung wer wann wie welches Material nutzen kann. Des weiteren ist leider oft festzustellen, daß die Trainer untereinander nicht kooperieren, sondern jeder "sein eigenes Süppchen kocht". Eine Bewußtmachung der gegebenen Möglichkeiten und ein Änderung von bestimmten Strukturen im Verein, teils auch in der Schule, scheinen unumgänglich, um die Qualität der Ausbildung zu erhöhen.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin Trainingswissenschaft
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 1999
Online-Zugang:http://www.sportinformatik.de/rubriken/biomechanik/Bewegungslernen_Scheytt-Witusch.pdf
Dokumentenarten:elektronische Publikation
Level:hoch