Prognostizierbarkeit und Stabilität von sportlichen Leistungen über einen Zeitraum von 20 Jahren - Eine Nachuntersuchung bei 28jährigen Erwachsenen
Ausgangspunkt für die vorliegende Arbeit war es, die Stabilität des motorischen Fähigkeitsbereiches vom Kindes- bis in das frühe Erwachsenenalter hinein zu untersuchen. Darüber hinaus sollten ägeschichtlich bedingte Einflüsse? in Form eines Kohortenvergleiches überprüft werden.
Den Zugang zum Thema stellt dabei ausgehend von einem fähigkeitsorientierten Ansatz das transaktionale Handlungsmodell von Baur (1989), das endogene als auch exogene Einflußfaktoren berücksichtigt. Die motorischen Fähigkeiten wurden in Anlehnung an das Strukturmodell von Bös & Mechling (1989) skizziert. Die wissenschaftstheoretische Verankerung geschah anhand des allgemeinen Prognosemodells von Krapp (1979) sowie dem Klassifikations- und Funktionsmodell der Bedingungsfaktoren zur Prognose der sportlichen Leistungen und der sportlichen Aktivität von Multerer (1991). Als Untersuchungsrahmen wurde ein gemischter Längsschnittuntersuchungsplan (mixed longitudinal design) gewählt. Die Untersuchungsziele lassen sich für die vorliegende Arbeit wie folgt darstellen:
Follow-up-Studie (Längsschnittstudie)
Überprüfung der Dimensionen der Motorik
Entwicklung der Motorik unter Stabilitätsgesichtpunkten
Einflußfaktoren der Motorik
Kohortenvergleich
Überprüfung der Dimensionen der Motorik
Prüfung von historischen Effekten im Vergleich von 10jährigen 1976 und 1996
Während es sich bei der Erstuntersuchung (Bös & Mechling 1983) um 342 10jährige Grundschüler aus dem Schulamtsbezirk Heidelberg handelte, bestand die Stichprobe der ersten follow-up Studie (Multerer 1991) aus 19jährigen Jugendlichen. Insgesamt konnten 110 Probanden sowohl in die Erst- als auch in die Zweituntersuchung einbezogen werden. Zum dritten Meßzeitpunkt konnten noch 33 Probanden für die motorischen Tests sowie 86 Personen für die Fragebogenaktion gewonnen werden. Untersuchungsgegenstand waren jeweils die Dimensionen motorischer Leistungsfähigkeit, welche über altersadäquate Testverfahren und Befragungsinstrumente erhoben wurden. Die Überprüfung der Dimensionen der Motorik ergab für die Längsschnittstudie eine Bestä tigung mit kleinen Einschränkungen. Für die Kohortenstichprobe konnte die Unabhängigkeit der Basisdimensionen ebenfalls gezeigt werden.
Die inferenzstatistischen Analysen zeigten für den Längsschnittvergleich eine hohe Stabilität der motorischen Leistungsfähigkeit, während die sportliche Aktivität sich im Vergleich zur motorischen Leistungsfähigkeit instabiler zeigte. Durch den Prädiktorensatz Basisdimensionen 1976 (Aerobe Ausdauer, Maximalkraft, Koordination bei Präzisionsaufgaben) lassen sich 53 % der Kriteriumsvariablen Basisdimensionen 1995 aufklären. In Abhängigkeit von der sportlichen Aktivität zeigten sich vor allem bei den konditionell determinierten Fähigkeiten Unterschiede zwischen sportlich aktiven und inaktiven Personen. Die Körperkonstitution erwies sich mit .64 bzw. .87 über einen Untersuchungszeitraum von 20 Jahren bzw. 10 Jahren als sehr stabiles Merkmal. Gleiches gilt für die Konzentrationsfähigkeit mit einem Stabilitätskoeffizienten von .83 für das 19. bis 28. Lebensjahr. Die zusammenfassende Modellüberprüfung ergab für die motorische Leistungsfähigkeit (1976, 1986) und soziale Unterstützung durch Sport (1995) eine Varianzaufklärung von 49.2 % an der motorischen Leistungsfähigkeit 1995. Durch Hinzunahme der Variablen sportliche Aktivität (Vereinszugehörigkeit 1976, Dauer der sportlichen Aktivität 1986, 1995), Konzentrationsfähigkeit (Fehlerprozentsatz im d2-Test 1976, 1986, 1995) und Körperkonstitution (Body-Mass- Index 1976, 1986, 1995) wird die Varianzaufklärung auf 74 % gesteigert. Bei der Prüfung von historischen Effekten im Kohortenvergleich läßt sich folgendes festhalten: Die organisierte sportliche Vereinsaktivität hat von 60 % auf 69 % zugenommen. Die körperliche Aktivität im Alltag, z. B. im Outdoor-Bereich, hat abgenommen. Die motorische Leistungsfähigkeit hat bis auf die Koordination unter Zeitdruck insgesamt abgenommen. Die Zahl derÜbergewichtigen hat von 17 % auf 31 % zugenommen. Die kurzzeitige Konzentrationsfähigkeit hat zugenommen.
Bei der Bewertung der Ergebnisse wurde auf die Einschränkungen der Längsschnittstichprobe und auf die Notwendigkeit weiterer Untersuchung im mittleren und späten Erwachsenenalter, aber auch von Schulkindern, hingewiesen.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Biowissenschaften und Sportmedizin Nachwuchssport Schulsport |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
2000
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| Online-Zugang: | http://www.ubka.uni-karlsruhe.de/vvv/2000/geist-soz/1/1.text |
| Dokumentenarten: | Dissertation |
| Level: | hoch |