Geschickte Koordinations-Leistung in bewegten Situationen - Zur Regulation eines dynamischen Systemgleichgewichts in gerätegebundenen Sportarten

(Geschickte Koordinations-Leistung in bewegten Situationen - Zur Regulation eines dynamischen Systemgleichgewichts in gerätegebundenen Sportarten )

Wir gehen davon aus, daß beim Bewegen-Lernen in einer Sportart keine Bewegungsmuster allein angeeignet, sondern daß das Bewältigen von komplexen z.T. auch unbestimmten Situationen auf der Grundlage von bereits verfügbaren Erfahrungen optimiert wird (Lippens 1992, Nagel 1997). Innerhalb der jeweiligen funktionellen Anforderungen spielt die Regulation des dynamischen Systemgleichgewichts (vgl. a. Trousil/Dvir 1983) im gerätegebundenen Sportarten wie Roll-, Eis- und Schneesport oder Wassersport eine besondere Rolle. Das Aufgeben der eigenen körperbezogenen Balance zugunsten eines gesamten systembezogenen Gleichgewichts kann auf einen notwendigen Strategiewechsel im Lernprozeß verweisen, der nur so eine Erweiterung der Handlungskompetenz aufgrund des "Verwachsens" mit dem Sportgerät (Tholey 1980) gewährleistet. Unter harmonischer Koordinations-Leistung soll hier das gelungene Zusammenspiel von Wahrnehmen und Bewegen als Lernerfolg durch ein nachsinnendes Erwerben von Lösungsstrategien verstanden werden (Nagel 1993). Unser Forschungsvorhaben wollen wir an einer ersten Voruntersuchung mit dem Sport-Kreisel demonstrieren. Die Bewegung des Geräts wird hierbei mit Hilfe zweier Sensoren (piezoelektrische Meßkreisel) erfaßt: Diese messen die horizontalen Komponenten des Drehgeschwindigkeitsvektors. Darunter ist die zeitliche Neigungsänderung der Standfläche nach links bzw. rechts in der Sagithalachse sowie nach vorne bzw. hinten in der Transversalachse zu verstehen. Prinzipiell läßt sich das Meßverfahren auch an anderen Sportgeräten applizieren (vgl. a. Henke/Wagner 1993). Von einer Analyse der Zeitreihen im Lernprozeß versprechen wir uns u.a. Erkenntnis zu drei Aspekten des Bewegen-Lernens: - Werden unterschiedliche Strategien der Gleichgewichtsregulation beim spezifischen Bewegungs-Lernen angewandt (vgl. a. Herwig 1996)? Wie sieht die Dominanzverschiebung der einzelnen Sinnessysteme aus? -Wie gestaltet sich der individuelle Kompetenz-Erwerb (vgl. a. Schwier 1987)? Sind funktionshomogene Gruppierungen aufgrund der jeweiligen Lern-Strategien zu erkennen? - Kann eine bewegungsstrukturelle Entwicklungslogik (vgl. a. Baur 1979) ausdifferenziert werden, die u.U. auch sportartenübergreifend gilt? Welche aufgabenspezifische Gleichgewichtsregulation (vgl. a. Olivier 1997) erfordern die einzelnen Handlungsfelder?
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft Naturwissenschaften und Technik
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 1998
Online-Zugang:https://www.bisp-surf.de/Record/PU201009007139
Dokumentenarten:Kongressband, Tagungsbericht
Level:mittel