Module der Motorik

In dem Projekt "Module der Motorik" ging es - aufbauend auf einer eingehenden Diskussion neuerer Erklärungsansätze für koordiniertes Bewegungsverhalten (Informationsverarbeitung, Systemtheorie, Konnektionismus) - um die Plausibilität einer modularen Sichtweise der menschlichen Motorik. Hierzu wurde die Fodorsche (1983) Modularitätshypothese hinsichtlich ihres Bewährungsgrads in Psychologie, Neuro- und Sportwissenschaft überprüft und konzeptionell auf den - von Fodor (1983) unberücksichtigten - Bereich des motorischen "Outputs" extrapoliert. Die Erörterungen führten zu folgender Liste hypothetischer Merkmale von Motorik-Modulen: Das kognitive System setzt sich aus Input- und Output-Modulen zusammen sowie aus zentralen Systemen, die nicht modular organisiert sind. Input-Module erhalten Informationen von Transduktoren, die proximale Stimulationen in neurale Siganle überführen; Output-Module geben Informationen an Effektorsysteme ab, welche neurale Signale in äußerlich sichtbare Bewegungen umsetzen. Input- und Output-Module sind direkt miteinander verbunden; darüber hinaus können die zentralen Systeme auf die Ausgabe der Input-Module sowie die Eingabe der Output-Module zugreifen. Output-Module arbeiten domänenspezifisch und schnell, ihre Operationen haben einen verbindlichen Charakter. Ihre Eingabe bezieht sich auf Basiskategorien der Motorik; innerhalb der Module finden also komplexe Berechnungen statt. Auch wenn den zentralen Systemen die Eingabesignale der Output-Module vorliegen können, so besteht doch ein nur begrenzter Zugriff auf die modulinterne Signalverarbeitung selbst. Output-Module sind mit einer festen neuralen Architektur assoziiert; daraus ist abzuleiten, daß ihre Ontogenese charakteristischen Gesetzmäßigkeiten folgt und Läsionen zu spezifischen Ausfallmustern führen. Die genetische Spezifikation von Output-Modulen bedeutet nicht, daß Umweltanforderungen keine Modularisierungsprozesse über die prädisponierten Funktionsbereiche hinaus auslösen könnten. In dem Ausmaß, in dem der Modularisierungsprozeß fortgeschritten ist, besteht jedoch eine Unzerlegbarkeit sowie eine Autonomie der (Sub-)Module: Der Informationsaustausch untereinander wird fortlaufend eingeschränkt, so daß in zunehmenden Maße das Kriterium der informationellen Einkapselung erfüllt wird.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 1995
Online-Zugang:http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~i87/modu_d.htm
Dokumentenarten:Forschungsergebnis
Level:hoch