Protektion des oberen Sprunggelenks durch Tapebandagen
Tapebandagen des Sprunggelenks werden von Sportlern verschiedener Disziplinen haufig als Prophylaxe bei vorgeschädigten Gelenken eingesetzt. Dies ist insbesondere bei Turnern und Leichtathleten der Fall, die entweder keine oder sehr enge Schuhe tragen, so daß Sprunggelenksorthesen als Alternative nicht in Frage kommen.
Die Stabilisierungseigenschaft von Tapebandagen wurden in zahlreichen Studien dokumentiert, berichtete der Frankfurter Sportorthopade Dr. H. Lohrer, doch fehle es bislang an vergleichenden Untersuchungen, ob dieser Effekt durch unterschiedliche Tapematerialien bzw. Tapeformen beeinflußt wird. Fragen werfen weiterhin Literaturangaben auf, wonach die Stabilisierung des Sprunggelenks unter Belastung infolge mechanischer Lockerung rasch abnimmt (um 40% innerhalb eines nur 5lOminütigen Trainings).
Dr. Lohrer untersuchte diese Fragen in einer Studie an 10 Probanden ohne Verletzung der Sprunggelenke in der Anamnese. Die Probanden absolvierten jeweils 5 Zyklen aufeinanderfolgender Übungen (simuliertes Umknicken des Sprunggelenks, verschiedene Sprungübungen, Joggen). Die Übungen wurden mit oder ohne Tapeverband durchgeführt, wobei verschiedene Tapematerialien (LeukotapeR, Beiersdorf AG, vs. Tapematerial eines anderen Herstellers) bzw. verschiedene Tapeformen (Standardbandage nach Montag vs. eine verkleinerte, materialsparende Variante) verglichen wurden.
Die Ergebnisse belegen den eindeutig gelenkstabilisierenden Effekt der Tapebandagen. Die um ca. 1/3 verkleinerte, materialsparende Variante erwies sich jedoch in den meisten Belangen der Standardbandage nach Montag als unterlegen. Bei simulierten Umknickereignissen wurde die Inversion durch die Standardbandagen signifikant stärker gehemmt als durch die materialsparenden Varianten (p=O,O1). Der stabilisierende Effekt blieb auch nach 2Ominütigem Jogging weitgehend unverändert erhalten. Der Vergleich der Tapematerialien ergab einen grenzwertig signifikanten Vorteil zugunsten von LeukotapeR (P=0,056). Analog waren die Ergebnisse, die bei der Untersuchung der Umknickgeschwindigkeit ermittelt wurden. Der Standard-Tapeverband verlangsamte die Inversion etwas starker als die materialsparende Version, und auch hier zeigten sich leichte Vorteile zugunsten der Bandagen aus LeukotapeR. Nach 20minütigem Lauftraining war lediglich eine leichte bis moderate Minderung des Stabilisierungseffekts festzustellen, am deutlichsten wiederum bei der Untersuchung der materialsparenden Variante aus Vergleichsmaterial.
Als aufschlußreich erwies sich die Ableitung der elektromyographischen (EMG-) Aktivität von Muskeln, die das obere Sprunggelenk stabilisieren. Mit dem Anlegen der Tapebandagen war eine Verminderung der EMG-Aktivitat um ca. 25% im Vergleich zu Messungen bei ungeschutztem Sprunggelenk verbunden. Ganz anders stellte sich die Situation hingegen nach Absolvierung des Lauftrainings dar, denn es wurden stets höhere EMG-Aktivitaten registriert, wenn das Training mit Tapeverband durchgeführt worden war: Training bei ungeschütztem Sprunggelenk resultierte in einer dramatischen Abnahme der EMGAktivität um ca. 50%, während sich bei Verwendung der Tapebandagen keine (LeukotapeR) bzw. eine wesentlich geringere Abnahme (Vergleichsmaterial) zeigte. Die Verbesserung der Propriozeption unter Belastung durch Tapebandagen ist eine sehr wichtige Beobachtung, weil das Risiko von Sprunggelenksläsionen bei Ermudung besonders hoch anzusetzen ist. Die Stabilisierung der EMG-Aktivität ist möglicherweise mit der erhöhten Hauttemperatur zu erklaren, die Lohrer nach dem Training im Bereich bandagierter Sprunggelenke feststellte.
Die Ergebnisse der Studie widerlegen somit die Erfahrung fruherer Untersuchungen, daß die Stützfunktion von Tapebandagen bereits nach kurzer Belastung signifikant nachläßt, sagte Lohrer. Möglicherweise liegt die Ursache für die widersprüchlichen Ergebnisse in unterschiedlichen Eigenschaften der Tapematerialien begründet. Beispielsweise haben nach Lohrers Erfahrung einige Tapes amerikanischer Herkunft eine geringere Steifheit und Haftfähigkeit aufzuweisen. Dafür spricht auch, daß beispielsweise Turner Tapematerialien anhand ihrer unterschiedlichen Eigenschaften differenzieren können.
| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Biowissenschaften und Sportmedizin |
| Tagging: | Sprunggelenk |
| Sprache: | Deutsch |
| Online-Zugang: | http://www.rz.uni-duesseldorf.de/WWW/MedFak/Orthopaedie/journal/issue4-95/efort5.htm |
| Dokumentenarten: | elektronische Publikation |
| Level: | mittel |