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Sportmotorische Tests im Kindes- und Jugendalter: Normwertbildung, Auswertungsstrategien, Interpretationsmöglichkeiten. Überprüfung anhand der Daten des Motorik-Moduls (MoMo)

Bewegungsmangelbedingte Krankheiten befinden sich auf dem Vormarsch. Auch Kinder sind bereits davon betroffen. Auch sie bewegen sich weniger und sind weniger fit als noch ihre Eltern. Um Veränderungen frühzeitig zu registrieren und um rechtzeitig gegensteuern zu können, sind fundierte Analysen des aktuellen Zustandes sowie die Einordnung dieser Ergebnisse von großer Bedeutung. Mit den bisher zur Verfügung stehenden Daten zur motorischen Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen konnten nur unzureichend Aussagen zum Leistungsstand oder gar zu Veränderungen der motorischen Leistungsfähigkeit gemacht werden. Aufgrund unterschiedlicher methodischer Ansätze und nicht-repräsentativer Stichproben war ein Vergleich von Daten zur motorischen Leistungsfähigkeit bislang kaum möglich. Es existierte kein nationales Testverfahren, das standardmäßig zur Messung der motorischen Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen eingesetzt werden konnte. Das Motorik-Modul (MoMo) schließt nun diese Forschungslücke mit einem standardisierten, praktikablen und ökonomischen Testinstrumentarium. Das Testverfahren wurde im Rahmen des bundesweiten Kinder-und Jugendgesundheitssurveys des Robert Koch-Institutes Berlin (KiGGS) entwickelt und eingesetzt. Auf Basis der MoMo-Studie wurde eine umfassende Bestandsaufnahme der motorischen Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen in ganz Deutschland gemacht. Damit ist erstmals eine differenzierte Beschreibung der Ist-Situation der motorischen Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 4 und 17 Jahren bundesweit möglich. Das MoMo-Testverfahren beinhaltet 11 sportmotorische und apparative Tests, mit Hilfe derer 4.529 Kinder und Jugendliche untersucht wurden. Das Testinstrumentarium besteht aus den Testaufgaben "Fahrradausdauertest" , "Liegestütz", "Standweitsprung" , "Kraftmessplatte", "Seitliches Hin-und Herspringen", "Balancieren rückwärts", "Einbeinstand", "MLS Linie nachfahren", "MLS Stifte einstecken", "Reaktionstest" und "Stand and reach". Damit umfassen die MoMo-Testaufgaben sowohl konditionelle wie auch koordinative Fähigkeiten und decken alle Dimensionen der motorischen Leistungsfähigkeit ab. Die vorliegenden Daten zeigen, dass das Alter die dominante Einflussgröße der motorischen Leistungsfähigkeit im Kindes- und Jugendalter ist. Nur bei der Beweglichkeit ist kein bedeutsamer Alterseffekt zu beobachten. Das Leistungsniveau bei den konditionellen Tests (Ausdauer, Kraftausdauer und Schnellkraft) steigt bei beiden Geschlechtern vom Kindesalter bis in die Pubertät an. Die männlichen Jugendlichen können auch im weiteren Verlauf bis zu einem Alter von 17 Jahren ihre Leistungsfähigkeit weiter steigern. Im Gegensatz dazu verändert sich das Leistungsniveau bei den Mädchen nur noch unwesentlich, d.h. die Zuwachsrate verringert sich stark (Ausdauer) bzw. die Leistung stagniert sogar bereits ab dem 12./13. Lebensjahr (Kraftausdauer und Schnellkraft). Durch dieses Phänomen entsteht letztlich auch die bekannte geschlechtstypische Schere im Entwicklungsverlauf zwischen Jungen und Mädchen.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft Nachwuchssport
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Karlsruhe KIT Scientific Publishing 2015
Schriftenreihe:Karlsruher Sportwissenschaftliche Beiträge, 6
Online-Zugang:http://doi.org/10.5445/KSP/1000044654
Seiten:263
Dokumentenarten:Dissertation
Level:hoch