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Visuo- und audiomotorische Adaptation

Ziel der vorliegenden Arbeit war die Untersuchung der Anpassungsfähigkeit von Mechanismen der menschlichen Bewegungssteuerung. Diese Anpassung wird als sensomotorische Adaptation bezeichnet. Sie setzt immer dann ein, wenn Bewegungshandlungen aufgrund von internen oder externen Veränderungen nicht mehr zu den geplanten Ergebnissen führen, sondern wiederholt fehlerhaft ausgeführt werden. Je nach Ursache der Fehlleistung führt die Adaptation zu unterschiedlichen sensorischen und motorischen Effekten. Um die Adaptationsmechanismen besser verstehen zu können, wurden Experimente durchgeführt, bei denen Versuchspersonen Zeigebewegungen unter visuomotorischen oder audiomotorischen Diskordanzen ausführten. Anschließend wurde die Beteiligung sensomotorischer Subsysteme durch Messung des Transfers zwischen Sinnesmodalitäten und ausführenden Organen bestimmt. Mithilfe der Experimente konnte gezeigt werden, dass sowohl Transfer von visuomotorischer Adaptation auf das audiomotorische System als auch umgekehrt auftritt. Zudem interagieren visuo- und audiomotorische Adaptation, d.h. die Regeln für die Transformation der visuell-räumlichen Informationen in motorische Befehle können nicht unabhängig von den Transformationsregeln auditivräumlicher Informationen rekalibriert werden. Nach aufeinanderfolgender visuomotorischer und audiomotorischer Adaptation einer Hand kann das sensomotorische System gleichzeitig Nacheffekte beider Adaptationszustände aufweisen. In diesem Fall unterscheidet sich die Wechselwirkung der Adaptationszustände von der des intermanuellen Transfers. Im Vergleich zur erstmaligen Adaptation sind die Nacheffekte der zweiten Adaptation um einen konstanten Betrag reduziert. In Teil B der Arbeit wurde die Hypothese aufgestellt, dass kognitive Funktionen den Zugang zu adaptiven Zuständen regeln können. Die statistische Analyse der Experimente zeigt vor allem Korrelationen von kognitiven Fähigkeiten mit der Leistung während der Adaptation, aber auch mit der Höhe von Nacheffekten. Die Fähigkeit zur Adaptation und die Flexibilität beim Zugang von Sinnesmodalitäten und Effektoren zu adaptiven Zuständen, bieten Ansatzpunkte für ein gezieltes Ansprechen von Mechanismen der Bewegungssteuerung oder sensomotorischen Lernprozessen. Das bessere Verständnis über die sensomotorische Adaptation kann dabei helfen, sportliche Leistungen zu optimieren und in der Sensomotorik eingeschränkte Menschen, wie z.B. Patienten nach einem Schlaganfall, zu einer zielgerichteten Therapie zu verhelfen. Im vorliegenden Buch, welches auf der Dissertationsschrift des Autors aus dem Jahre 2011 basiert, werden auf der Basis mehrerer experimenteller Studien klassische Vorstellungen zum strukturellen Aufbau des adaptativen Systems hinterfragt und Lösungsansätze für eine alternative Sichtweise entwickelt.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Schorndorf Hofmann Verlag 2014
Schriftenreihe:Beiträge zur Lehre und Forschung im Sport, 185
Seiten:289
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch