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Spielend Bälle spielen. 144 praxiserprobte Übungen und Spiele zur Koordinationsschulung im Ballsport

Das sprunghafte, meist nur schwer berechenbare Verhalten von Bällen ist zweifelsohne eine Herausforderung für jeden Spieler. Alle Versuche, diese besonderen Eigenschaften des Spielgerätes in den Griff zu bekommen, sind allein schon wegen der einzigartigen Physik und der daran gebundenen komplizierten Mathematik, die sich in derart runden und elastischen Spielgeräten verbirgt, immer wieder zum Scheitern, aber auch zum permanent neuen Versuchen und Ausprobieren bestimmt. Die wechselnden situativen und äußeren Bedingungen tun ein Übriges und garantieren dafür, dass das Spiel mit dem Ball niemals langweilig wird. Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass im Sport gerade wegen dieser einzigartigen Sprung-, Roll- und Spielmöglichkeiten verschiedene Ballspiele entwickelt und kultiviert wurden, um die Unsicherheit in der Handhabung von Bällen immer wieder neu erleben zu können. Die Begriffe "Ball" und "Koordination" passen ganz vorzüglich zueinander. Das im wahrsten Sinne des Wortes "sprunghafte" Verhalten von Bällen muss von denjenigen, die mit diesen Bällen spielen wollen, koordiniert werden können, damit das Spiel nicht nach den Regeln des Balles, sondern nach denen des Ballspielers gespielt werden kann. Die Ballkoordination markiert also eine der wichtigsten und spannendsten Herausforderungen unserer Sport-, Spiel- und Bewegungswelt. Deshalb war es für den Autor allerhöchste Zeit, diesem Thema ein Buch zu widmen, um die einschlägigen Lern- und Trainingsmöglichkeiten der Ballkoordination in den großen Sportspielen Fußball, Handball und Basketball auf den Punkt zu bringen. Koordination ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für richtiges Bewegungshandeln bei den großen Ballsportspielen. In der aktuellen sportwissenschaftlichen Diskussion sind drei Theorieansätze zur Erklärung von Koordinationsleistungen zu unterscheiden. Ähnlich wie in der bewegungswissenschaftlichen Diskussion nehmen diese drei Betrachtungsweisen unterschiedliche Perspektiven ein: - Das Modell der"koordinativen Fähigkeiten" nimmt die Innenperspektive des Sportlers ein (Hirtz 1985). - Das Modell des "koordinativen Anforderungsprofils" betont die Außenperspektive der Anforderungsstruktur der jeweiligen Sportart bzw. Bewegungsaufgabe (Neumaier 2006). - Das Modell der "koordinativen Funktionen" nimmt schließlich die situative Beziehung zwischen Sportler und Bewegungsaufgabe in den Blick (Hotz & Lange 2009). Die unterschiedlichen Perspektiven weisen sich durch entsprechend verschieden große Distanzen bzw. Nähen zur Pädagogik aus. Während der Bezug zur vermeintlichen Innenperspektive (Fähigkeitskonzept) durchaus an eine ausgewiesene Lerner- bzw. Schülerperspektive erinnert und so gesehen entsprechende Parallelen zum Pädagogischen erkennen lässt, deutet die Orientierung an der Außenperspektive (Anforderungskonzept) auf das Gegenteil, auf eine gewisse Ferne zum Pädagogischen hin. Das zwischen Innen- und Außenperspektive vermittelnde Funktionskonzept markiert demgegenüber einen originär pädagogischen Zugang, der hinsichtlich der strukturellen Parallelen auffällig an Bildungskonzeptionen erinnert, die in ihrer methodischen Kernbotschaft auf die Bezugnahme zwischen der Subjektivität der Lernenden und der Objektivität der Sache zielen. Aufgrund der pädagogischen Anschlussfähigkeit wird das Funktionsmodell im vorliegenden Buch als Grundlage für die konzeptionell-systematische Aufarbeitung des Koordinationsthemas genommen und im Anschluss an die Darstellung der beiden anderen Modelle im Hinblick auf seine bildungstheoretischen Grundlagen und methodischen Konsequenzen skizziert. Es werden verschiedene Bewegungsaufgaben vorgestellt, mit denen die koordinativen Fähigkeiten Orientierung, Differenzierung, Reaktion, Rhythmus und Gleichgewicht konkret für die Ballsportarten Fußball, Handball, Basketball und Volleyball trainiert werden, um zentrale Spielsituationen adäquat und flexibel bewältigen zu können. Durch die Aufteilung der Übungen in Einzel-, Partner- und Gruppenübungen unter Berücksichtigung der einzelnen koordinativen Fähigkeiten können Lehrer und Übungsleiter ihre Schüler in kleinen Schritten an das jeweilige Ballsportspiel heranführen. Im vorliegenden Buch wurden mehr als 120 herausfordernde Koordinationsspiele mit dem Ball aufgearbeitet und für die Inszenierung modernen Koordinationstrainings zusammengestellt. Die Struktur dieser "Ballspielschule" orientiert sich einerseits an den einschlägigen koordinativen Herausforderungen der großen Sportspiele "Fußball", "Handball" und "Basketball" und andererseits an den Vorgaben des bewegungspädagogischen Modells der "Koordinativen Funktionen". Darüber hinaus wurde die Aufarbeitung der Praxisideen auch an der spielbezogenen Sozialform orientiert und hierfür drei verschiedene Dimensionen ausgearbeitet: 1) Ich und der Ball; 2) Ich, Du und der Ball; 3) Wir und der Ball. Die Praxisbeispiele zu den drei großen Sportspielen Fuß-, Hand- und Basketball haben sich bei der Schulung koordinativer Funktionen besonders bei Kindern und Jugendlichen bewährt und sind so zusammengestellt, dass sie auf die Akzentuierung sämtlicher fünf Funktionen sowohl in selbständiger, individueller Art und Weise als auch in Form von Partnerübungen abzielen. Zudem finden sich Übungsbeispiele für Großgruppen, in denen die Komplexität sämtlicher fünf Funktionen in Form von Kleinen Spielen zum Ausdruck kommt. Der Autor Harald Lange ist Hochschullehrer für Sportpädagogik. Neben der Beschäftigung mit sportpädagogischen und sportdidaktischen Grundfragen zählen vor allem konzeptionelle Frage- und Problemstellungen des Sportunterrichts sowie trainings- und bewegungspädagogische Themen zu seinen Arbeitsschwerpunkten.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Spielsportarten Schulsport
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Wiebelsheim Limpert 2013
Ausgabe:Wiebelsheim: Limpert, 2013. - 141 S.
Schriftenreihe:Praxisbücher Sport
Seiten:141
Dokumentenarten:Buch
Level:mittel