Recurrance Quantification Analysis (RQA) der Herzfrequenzvariabilität (HRV) bei sportlicher Belastung mit unterschiedlicher Intensität

Hintergrund und Zielstellung: Die RQA charakterisiert eine nicht-lineare Methode zur Klassifizierung von Determinismus und Komplexität kurzer nicht-stationärer Zeitreihen (Webber & Zbilut 1994), die in der klinischen HRV-Diagnostik erste viel versprechende Ansätze aufzeigen konnte (Javorka et al., 2008). Ziel dieser Studie war es, mit Hilfe der RQA Komplexität und Determinismus der HRV bei zwei Belastungsintensitäten auf dem Fahrradergometer zu erfassen und zu bewerten. Methodik: n=14 sportlich aktive Männer (Alter: 25,9±4,7a; VO2max: 50,7±9,1ml/kg/min) absolvierten zwei 20minütige Dauerbelastungen (B1, B2) auf dem Radergometer (B1: Laktat ~ 1,5-2mmol/l; B2: Laktat ~ 3mmol/l). Neben Laktatkonzentration und VO2 wurde die HRV kontinuierlich erfasst (Polar s810i). Die jeweils letzten 1500 konsekutiven RR-Intervalle wurden anschließend mittels RQA (VRA5.0, Belaire-Franch & Contreras 2002) ausgewertet und für die Parameter MeanNN, SDNN, DET, REC, LMax, ENT (Zbilut & Webber, 1994) inferenzstatistisch geprüft. Ergebnisse: MeanRR (B1: 500,8±44,7ms vs. B2: 410,0±42,2ms) und SDNN (B1: 12,1±3,8ms vs. B2: 7,7±3,4ms) nahmen hochsignifikant (p<0,01) ab, während die metabolische Beanspruchung (Blutlaktat: B1: 1,6±0,4mmol/l vs. B2: 3,2±0,3mmol/l; VO2: B1: 51,3±7,0%VO2max vs. B2: 70,5±10,2%VO2max) hochsignifikant (p<0,01) zunahm. Die RQA-Parameter DET, REC, Lmax, LnENT waren nicht signifikant mit MeanRR und SDNN korreliert. REC (B1: 1,0±1,2% vs. B2: 0,6±0,8%; p=0,34), Lmax (B1: 35±32 vs. B2: 25±20; p=0,31) und LnENT (B1: 1,04±0,16 vs. B2: 0,92±0,34; p=0,24) unterschieden sich nicht zwischen den beiden Belastungsstufen, wobei alle REC-Werte im methodisch notwendigen Toleranzbereich 87,2±5,2% vs. B2: 8 der Beanspruchung signifikant (p<0,05) ab. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse deuten auf eine Determinismusabnahme/ Komplexitätszunahme von niedriger zu mittlerer Belastungsintensität hin und bestätigen Ergebnisse anderer nicht-linearer Verfahren (Casties et al. 2006). Ferner zeigt sich auch für niedrig bis mittelintensive sportliche Belastungen, dass die RQAParameter weitgehend unabhängig von der Gesamtvariabilität (SDNN) und der mittleren RR-Amplitude sind (Javorka et al. 2008). Dies macht die RQA für HRV-Belastungsuntersuchungen grundsätzlich attraktiv, wobei die daten auch deutlich die Notwendigkeit von weiteren methodisch ausgerichteten RQA-Studien aufzeigen.
© Copyright 2009 Herzfrequenzvariabilität: Risikodiagnostik, Stressanalyse, Belastungssteuerung. Internationales Symposium am 1. November 2008 in Halle (Saale). Veröffentlicht von Czwalina. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin
Veröffentlicht in:Herzfrequenzvariabilität: Risikodiagnostik, Stressanalyse, Belastungssteuerung. Internationales Symposium am 1. November 2008 in Halle (Saale)
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Hamburg Czwalina 2009
Schriftenreihe:Schriften der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft, 192
Seiten:160-168
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch