Vibrationskrafttraining versus konventionelles Krafttraining
Ziel der Studie war ein Vergleich von Vibrationskrafttraining mit konventionellem Krafttraining.
Zu diesem Zweck wurden 57 Sportstudenten in drei Gruppen eingeteilt:
12 Probanden bildeten die Kontrollgruppe (KO-Gruppe), 22 die Gruppe, die unter Vibrationseinfluss (PP-Gruppe) trainierte und 23 gehörten der Gruppe des konventionellen Krafttrainings (KK-Gruppe) an.
Die Zuteilung geschah auf den im Eingangstest ermittelten Maximalkraft- bzw. Kraftausdauerwerten, so dass zu Beginn des siebenwöchigen Trainingszeitraums ein homogenes Ausgangsniveau der beiden Interventionsgruppen herrschte.
Sowohl im Eingangstest als auch im Ausgangstest wurden die Maximal- und die Kraftausdauerleistung der Probanden bestimmt. Die Bestimmung der Maximalkraft geschah nach der 1 RM Methode. Die Kraftausdauerleistung im Eingangstest wurde so bestimmt, dass die Probanden das vorgegebene Gewicht zwischen 8 ± 2 Mal bewältigen konnten. Im Ausgangstest wurde mit dem so festgelegten Gewicht die Kraftausdauerverbesserung festgestellt. Getestet wurden folgende Muskelgruppen bzw.Übungen:
Trainierter Muskel Testübung
M. quadrizeps femoris - horizontale Beinpresse
M. latissimus dorsi - Lat-Ziehen
Mm. ischiocrurales - Leg-Curl Maschine
M. pectoralis major - Bankdrücken in der Multipresse
Als Trainingsübungen wurden vergleichbare Übungen für beide Trainingsgruppen ausgewählt:
PP-Gruppe KO-Gruppe
Einbeinkniebeuge - Kniebeugen frei
Latdrücken in Rückenlage - Lat-Rudern
Beckenlift mit Fersenzug - Leg Curl mit kleiner Amplitude
Liegestütz eng - Bankdrücken sitzend (Dual Axis Maschine)
Beide Gruppen trainierten zwei Mal pro Woche mit jeweils zwei Sätzen pro Übung. Die KK-Gruppe trainierte mit der in der Trainingslehre geläufigen Hypertrophiemethode und war angehalten das Gewicht progressiv zu steigern. Bei der PP-Gruppe, die ohne Zusatzgewichte trainierte, wurde die
Trainingsintensität über die Dauer bzw. über die Hertzfrequenz und die Schwingungsamplitude gesteuert. Durch das Trainieren mit 45 Sekunden und die schrittweise Erhöhung der Vibrationsparameter konnten die zwei Trainingsformen verglichen werden. Nach Beendigung der siebenwöchigen Trainingsphase folgte der Ausgangstest.
Durch das Einhalten aller vorgegebenen Trainingshinweise und die zuverlässige Trainingspartizipation aller Probanden konnten aussagekräftige Werte für die statistische Analyse gewonnen werden.
Im Einzelnen sollten die Ergebnisse Aufschluss geben, inwieweit sich die beiden Gruppen in ihrer Maximalkraft- bzw. Kraftausdauerleistung verbessert haben und ob zwischen den beiden Trainingsformen ein Unterschied hinsichtlich der Kraftentwicklung besteht.
Sowohl die KK-Gruppe als auch die PP-Gruppe steigerten sich an allen Trainingsgeräten hochsignifikant. Weiterhin bestand kein signifikanter Unterschied beider Trainingsgruppen hinsichtlich der Kraftsteigerung, bis auf die Übung Beinbeugen bezüglich der Kraftausdauerverbesserung. Zusammenfassend kann man feststellen, dass eine signifikante Steigerung der Maximalkraft bzw. der Kraftausdauer sowohl durch das konventionelle Training als auch durch das Vibrationskrafttraining erzielt wird und dass beide Trainingsformen in diesem Zusammenhang austauschbar sind. Für die Trainingspraxis bedeutet dieses Ergebnis, dass man auch ohne Zusatzgewicht durch die Unterstützung von Vibrationen seine Kraftleistung im selben Umfang steigern kann wie bei konventionellem Krafttraining mit Zusatzgewichten. Das Fehlen von Zusatzgewichten reduziert natürlich das orthopädisch-gesundheitliche Risiko und Überlastungsschäden hauptsächlich des passiven Bewegungsapparates werden minimiert. Zudem wird das Training unter Vibrationseinfluss als subjektiv angenehm empfunden und hat einen hohen Aufforderungscharakter, was auch die Auswertung entsprechender Fragebögen in Zusammenhang mit dieser Studie belegt. Dementsprechend ist das Training unter Vibrationseinfluss sehr motivierend.
Betrachtet man die Ergebnisse der Studie aus sportökonomischer Sicht, lassen sich natürlich Geräte, die mit Vibrationsunterstützung arbeiten, aufgrund dieser trainingspraktischen Benefits gut vermarkten. Die Fa. Power Plate, die die Untersuchungsgeräte freundlicherweise für die Studie zur Verfügung gestellt hat, ist ein Hersteller solcher Vibrationskrafttrainingsgeräte. Seit der Markteinführung in Holland im Jahre 2000 wurden dort bereits 2000 Geräte verkauft. In Relation zur Größe des Fitnessmarktes in den Niederlanden kann man der Firma einen großen Erfolg attestieren. Seit April 2002 wird das Power Plate auch in Deutschland angeboten. Verfolgt man die Berichte in den Fachzeitungen, so ist in der Bundesrepublik einähnlich großer Erfolg zu erwarten. Die Firma Power Plate gewann zudem noch auf der diesjährigen internationalen Fitness- und Bodybuilding-Messe FIBO den Innovation Award, den Preis für das innovativste Fitnessgerät.
Wenn also Vibrationstrainingsgeräte mit den aus trainingspraktischer Sicht beschriebenen Vorteilen auch in deutsche Fitnessstudios Einzug halten, ist es bedeutsam, die Forschung hinsichtlich der Einflussnahme von Vibrationen auf den menschlichen Organismus weiter voranzutreiben. Trotz betriebener umfangreicher Forschung blieben bislang noch viele Fragen offen. Für weiterführende und folgende Studien wäre interessant abzuklären, inwieweit ein identisches Training ohne Vibrationseinfluss bzw. ein Training unter Vibrationseinfluss mit Zusatzgewichten, die Kraftleistung beeinflusst. Auch andere Themengebiete wie beispielsweise Vibrationstraining und Gewichtsreduktion oder Einfluss auf Haut und Bindegewebe bzw. Rehabilitation von Rückenbeschwerden wären interessante Themengebiete.
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| Notationen: | Trainingswissenschaft Biowissenschaften und Sportmedizin |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Bayreuth
Universität Bayteuth, Institut für Sportwissenschaft
2002
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| Dokumentenarten: | Diplomarbeit |
| Level: | hoch |