Zur Interpretation von Laktatleistungskurven - experimentelle Ergebnisse mit computergestützten Nachberechnungen
Zusammenfassung
Die Diagnostik der DL (siehe Abkürzungsverzeichnis) reduziert sich in der Praxis vielfach auf die Bestimmung eines "Kriteriums für die Anaerobe Schwelle" über die LLK. Die Interpretation dieser häufig mittels Stufentests empirisch ermittelten LLK besteht dabei vorwiegend aus erfahrungsgestützten Rückschlüssen auf ein mögliches Stoffwechselmuster. Eine solche Transformation läßt jedoch wesentliche Stoffwechselzusammenhänge außer acht. Die Einflußfaktoren auf die LLK sind komplexer Art. Anhand empirisch erhobener Parameter sowie computergestützter Nachberechnungen, die auf einem mathematischen Modell der Energiebereitstellungsprozesse beruhen, kann aufgezeigt werden, daß die resultierende LLK aus dem Verhältnis von Vö2max und VLamax resultiert, wobei die unter den gegebenen Testbedingungen eingesetzte Muskelmasse Berücksichtigung finden muß. Eine Erhöhung der V02max von 50 mlmin1kg'1 (kaum ausdauertrainiert) auf 75 ml-min1-kg'1 (hoch ausdauertrainiert) führt dabei zu einer Rechtsverschiebung der LLK von ca. 2.0 m s'1. Eine Variation von sehr hoher (z.B. Sprinter mit ca. 1.8 mmolT1s'1) bis zu sehr geringer VLamax (z.B. Marathonläufer mit ca. 0.2 mmolT1s'1) bewirkt eine Rechtsverschiebung der LLK von ca. 1.6 m s1. Des weiteren verschiebt die Höhe der Vo2 die LLK um ca. 1.0 m s'1, wenn diese zwischen einer hohen und geringen Laufökonomie variiert. Ebenso ist empirisch und modellhaft nachweisbar, daß eine gleiche LLK auf unterschiedlichen Kombinationen aus V02max und VLamax beruhen kann. Somit ist eine komplexe Leistungsdiagnostik mit Determination der Vö2max (spiroergo-metrischer Maximaltest von ca. 2 - 3 min Dauer), der VLamax (Sprinttest mit Belastungszeiten von ca. 7 - 10 s) sowie der Vö2 (spiroergometrischer Stufentest) erforderlich, um widerspruchsfreie Interpretationen der LLK vornehmen zu können. Dies stellt die gmndlegende Voraussetzung für die Einschätzung von Leistungsveränderungen sowie für die Vorgabe trainingssteuernder Maßnahmen dar, da ohne Kenntnis der zugrunde liegenden Stoffwechselleistungen eine Trainingssteuerung als nicht gesichert angesehen werden muß.
Summary
ln practice diagnosis of endurance performance capacity (EPC) frequently is reduced to the determination of a "criteria for the Anaerobic Threshold" by lactate performance curves (LPC). The Interpretation of these LPC, mostly measured by graded exercise tests, is based on conclusions which depend on experiences. These conclusions certainly intend to state something about the metabolism capacities, but such a transformation disregards essential metabolism relationships. The influences on LPC are of complex nature. Empirical measured Parameters and computer-supported modelling which are based on a mathematical modelt of the energy production processes show, that the resulting LPC rely on the relation of the weight related maximal aerobic (V02max) and maximal glycolytic (VLamax) metabolic performance, whereby the used muscle mass needs to be considered at the given test conditions. An increasing Vö2max from 50 ml min'1kg'1 (low EPC) to 75 ml min'1kg'1 (high EPC) shifts the LPC about 2.0 m s'1 to the right.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Biowissenschaften und Sportmedizin |
| Veröffentlicht in: | Spectrum der Sportwissenschaften |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
1998
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| Jahrgang: | 10 |
| Heft: | 1 |
| Seiten: | 92-104 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch mittel |