Sportrecht - Eine Einführung in die Praxis
Eine der wichtigsten Entwicklungen in eigentlich allen Bereichen des organisierten Sports national wie auch international ist eine zunehmend engere Verbindung mit Rechtsfragen und Rechtsakten. Die Zahl der Themen und Probleme mit Sportbezug, die in den letzten Jahren Gegenstand juristischer Diskurse und Entscheidungen geworden sind (und die auch in der allgemeinen wie in der Sportöffentlichkeit wahrgenommen werden), ist sprunghaft gestiegen. Dabei sind Positionen dazu, wie die Beziehungen zwischen Sport und Recht zu gestalten sind, wer welche Funktion mit welchen Rechten und Pflichten ausfüllen sollte, oftmals durch den Betrachtungswinkel geprägt und nicht eindeutig und für alle Mitspieler geklärt und werden von diesen auch entsprechend akzeptiert. Ein Beispiel unter nicht wenigen weiteren sind die unterschiedlichen Positionen auf Bundes- und Landesebene zum Sport als Verfassungsziel.
Ebenfalls von einerseits sehr großer, vitaler Bedeutung für den Sport, andererseits auch immer wieder hinsichtlich der Unabhängigkeit von Sportorganisationen sind Fragen der Finanzierung von Sportorganisationen aus staatlichen Haushalten auf den verschiedenen Ebenen. Diese wird eigentlich in regelmäßigen Abständen kritisch hinterfragt, was zu einem gleichzeitigen Reflex in den Sportorganisationen führt, die diese Unabhängigkeit als unveränderbares Gut betrachten.
Aber auch auf der Ebene der lokalen und regionalen Sportarbeit in Verbänden und Vereinen, in den Sportämtern oder bei privaten Sportanbietern, sind Rechtsfragen von sehr großer Bedeutung. Und die Beherrschung der Rechtsmaterie stellt in einem in der Majorität der durch Ehrenamtlichkeit geprägten Sportlandschaft zunehmend eine größere Herausforderung für Vorstände dar.
Dass dies sowohl von den Sportorganisationen selbst erkannt und in entsprechenden Ausbildungsangeboten reflektiert wird, als auch in den akademischen sportrelevanten Ausbildungsgängen an Universität und Hochschulen zum Gegenstand gemacht wird, ist nur konsequent und richtig. Für solche Ausbildungsangebote ist es aber sehr wichtig und hilfreich, entsprechende schriftliche Ausbildungsmaterialien anbieten zu können. Dazu kann auch die vorliegende Einführung gezählt werden, wobei der Leser den Titel genau lesen und daraus seine Erwartungshaltung ableiten sollte. Eine Einführung bietet in den meisten Fällen eine gezielte Sammlung wichtiger aktueller Themen, ohne aber auf Vollständig zu setzen. Eine solche Publikation ist eben weder Enzyklopädie, noch Lehrbuch - auch wenn es gut in der Lehre eingesetzt werden kann.
Und so greifen Ulrich Haas und Dirk-Reiner Martens auch viele der "brennenden" sportrechtlichen Fragen auf, ohne das ohnehin umfassende Spektrum komplett abbilden zu wollen und zu können. Dabei sind die Themen so ausgewählt und präsentiert worden, dass sie auch ein geeigneter Lesestoff für die Aktiven selbst und für Verantwortliche in den Sportorganisationen sind.
Dazu werden in den vier Kapiteln
- Sportorganisationsrecht,
- Rahmenbedingungen der organisierten Sportausübung,
- Rechtliche Fragen im Zusammenhang mit der eigentlichen Sportausübung,
- Rechte der Sportfinanzierung
sehr unterschiedliche Rechtsfragen analysiert, mit der aktuellen Rechtsauffassung verglichen und Trends bzw. perspektivische Handlungsnotwendigkeiten dargestellt.
So finden sich Erörterungen zu den Organisationsstrukturen im Sport, mit dem eingetragenen Verein als Kernelement, und sich aus dieser Struktur ergebenden Fragen wie der Mitgliedschaft, Haftung oder Finanzierung, genauso wie zu der Organisation des Sports auf nationaler Ebene, zum Beispiel mit dem zunehmend sensiblen Thema des Ein-Platz-Prinzips. Die Verbindungen und rechtlichen Bezüge zwischen nationalen und internationalen Organisationen werden (am Beispiel NADA und WADA) dargestellt und die rechtlichen Konsequenzen einer zunehmenden Professionalisierung und Kommerzialisierung diskutiert.
Dem so wichtigen Thema der Vereins- und Verbandsautonomie wird viel Raum eingeräumt, und auch dem durchaus sensiblen Verhältnis von Athleten und den Vereinen und Verbänden, in denen sie Mitglied sind und sich auch deren Regularien unterwerfen, mit Chancen, Möglichkeiten und Grenzen. Hier findet die rechtliche Erörterung schon bei den Wettkampfregeln ihren Anfang, die ja auch einen, und noch dazu wichtigen, Rahmen bilden, in dem sich praktischer Sport abspielt. Und dazu gehören natürlich auch die entsprechenden Kontrollinstanzen innerhalb und außerhalb des Sports.
Um aber überhaupt im organisierten Sport aktiv (als Sportler, Kampfrichter oder Funktion, aber auch als "Nur-Mitglied") werden zu können, gilt es Mitglied in einem Verein zu werden - und damit auch eine rechtliche Beziehung mit diesem einzugehen. Wie diese in einer zunehmend komplexeren Welt aussieht, welche Pflichten die Parteien gegeneinander zu erfüllen haben, welche zivilrechtliche Verantwortung im Rahmen des Sports existiert, wer wofür eventuell haftet und wie und wofür versichert ist, wird natürlich in der Einführung ebenso angesprochen.
Das Kapitel zur Sportfinanzierung greift ausgewählte der aktuellen "großen" Themen wie der Sportler als Werbeträger (mit den entsprechenden vertraglichen Möglichkeiten), die Vergaben von Fernsehrechten, Sportwetten, die Arbeit der Stiftung Deutsche Sporthilfe wie die Wege und Richtlinien der Sportfinanzierung durch die öffentliche Hand in Deutschland auf, wobei hier sicherlich mehr Informationen für die Vereine und Verbände an der Sportbasis wünschenswert sind, damit hier nicht nur ein Informationsinteresse des Lesers befriedigt wird, sondern auch die Themen angesprochen werden, die auf lokaler Vereinssportebene die wichtigsten sind.
© Copyright 2011 Veröffentlicht von Schulthess. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Theorie und gesellschaftliche Grundlagen |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Zürich
Schulthess
2011
|
| Ausgabe: | Zürich: Schulthess Juristische Medien AG, 2011.- 253 S. |
| Schriftenreihe: | Schriftenreihe Causa Sport, 5 |
| Seiten: | 253 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |