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Neue Bedrohungen für die Persönlichkeitsrechte von Sportlern

Aktuell werden Themen der Persönlichkeitsrechte von Sportlern in vielen Fällen im Zusammenhang mit Anti-Doping-Maßnahmen und mit Verfahren wegen Dopingmissbrauch diskutiert. In nahezu allen Fällen handelt es sich dabei um Leistungssportler, die den Sport als Beruf ausüben und die sich dabei den nationalen und internationalen Regelungen von Sportverbänden unterwerfen müssen, um weiterhin an den für sie so wichtigen Wettkämpfen teilnehmen zu können. Die in der medialen Öffentlichkeit dann kontrovers diskutierten Fragen reichen vom Ablauf einer Dopingkontrolle und den damit im Zusammenhang stehenden Rechten und Pflichten der beteiligten Verbände, Sportler und der Kontrolleure bis hin zur Erfüllung einer nahezu lückenlosen Aufenthaltsmeldung aller Sportlerinnen und Sportler, die im Nationalmannschaftspool der Sportverbände sind, an die nationale Anti-Doping-Behörde, die nicht selten mit Einschränkungen in einem "normalen" Lebensablauf verbunden sind - und bei denen eine versehentliche Nicht- oder Falschinformation bereits zu erheblichen Sanktionen führen kann. Über diese in den Medien präsenten Themen gibt es aber weitere Themen mit direktem Bezug zu den Persönlichkeitsrechten von Sportlerinnen und Sportlern, die nicht minder bedeutsam sind, auch wenn sie bisher noch kein vergleichbares Medienecho gefunden haben. Da tauchen für viele Leistungssportler Fragen in der Vertragsgestaltung mit ihrem Arbeitgeber (zum Beispiel im Sportverein) auf, wenn es darum geht, Weisungsrechte zu definieren oder festzulegen, in welchem Umfang und auf welche Art ein Sportler auch in nicht-sportliche (zum Beispiel Marketingaktionen) Maßnahmen des Sportvereins oder Sportverbands eingebunden werden darf. Parallel dazu hat der Arbeitgeber auch spezifische Interessen, wie sich seine angestellten Sportler zum Beispiel in der Öffentlichkeit verhalten, woraus sich auch entsprechende Regelungen mit Blick auf die Persönlichkeitsrechte von Sportlern ergeben können (man denke nur an das aktuelle Thema des Wettverbots für Profifußballer in einigen Ländern). Mit der mit rasantem Tempo weitergehenden Medialisierung des leistungsorientierten Wettkampfsports (auch über die großen Profi-Spielsportarten hinaus), werden immer mehr Fragen aktuell, die sich auf den Umgang der Medien und ihrer Vertreter mit Sportlern, Trainer, Managern etc. beziehen, wobei es hier um keine Einbahnstraße geht, in denen nur die Medienvertreter verantwortlich handeln müssen. Gleiches kann und muss, auch mit Blick auf möglicherweise betroffene Persönlichkeitsrechte, auch von den Sportlern und ihrem Umfeld erwartet, ja verlangt werden. Dabei ist manchmal der Grat, auf dem man sich verbal bewegt, sehr schmal, wenn es um eine Bewertung oder Entscheidung geht, ob eine Aussage eine Meinungsäußerung, eine Tatsachenbehauptung oder eine Schmähung ist. Auf vergleichbar schmalem Grat findet auch die Abwägung statt, wie weit die Interessen der Öffentlichkeit in der Sportberichterstattung gehen (dürfen), was im medialen Fokus stehende Sportler hinnehmen, ertragen müssen, wie weit auch investigativer Journalismus gehen darf oder wo rechtlich gesicherte Grenzen überschritten werden. Und falls das passiert ist, welchen Anspruch haben in ihren Persönlichkeitsrechten Geschädigte, ihre Persönlichkeit zu schützen. Das sind Themen wie Unterlassungsansprüche oder das Recht auf Widerruf bis hin zu materiellem Schadensersatz. Angesichts dieser zunehmenden thematischen Breite des Themas befassen sich Sportrechtler mit den juristischen Grundlagen und Regelungen, arbeiten den aktuellen Rechtsrahmen auf, erkennen Defizite und formulieren notwendige Schritte und Empfehlungen. So geschehen auf der Frühjahrstagung der deutschen Vereinigung für Sportrecht 2011, von deren Vortragsprogramm die folgenden Beiträge in diesen Sammelband aufgenommen wurden: K. Bepler: Gefahren für die Persönlichkeitsrechte von Sportlern durch arbeitsvertragliche Regelungen. W. Seitz: Gefahren durch die Berichterstattung in den Medien. A. Berninger: Der Nationale Anti Doping Code des Jahres 2009. M. Nolte: Anti-Doping-Meldepflichten im Lichte des Datenschutzrechts.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Theorie und gesellschaftliche Grundlagen
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Stuttgart Boorberg 2011
Ausgabe:Stuttgart: Boorberg, 2011.- 75 S.
Schriftenreihe:Recht und Sport, 39
Seiten:75
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch