Dopingprävention bei Jugendlichen. Konzeption, Durchführung und Evaluation einer Primärprävention für die Sekundarstufe I an Kölner Realschulen und Gymnasien

Es vergeht kaum eine Woche, in der das Thema Doping nicht in Medien des Landes präsent ist. Bereits bekannte Dopingvergehen bzw. -vorwürfe von Leistungssportlern werden vor nationalen und internationalen Sportgerichten verhandelt und begleitend in der Sportöffentlichkeit (nicht selten kontrovers) diskutiert. In Vorbereitung auf große internationale Meisterschaften werden Diskussionen angestoßen, wie effizient Kontrollmaßnahmen in der jeweiligen Sportart sind bzw. sein könn(t)en. Davon relativ unbeachtet hat sich seit Längerem insbesondere in der Fitnessszene bzw. in Teilen von ihr ebenfalls ein Dopingproblem aufgebaut und auch der (nicht selten wettkampforientierte) Freizeitsport hat noch vorliegenden Erkenntnissen durchaus mit dem Doping zu tun. Diese Aussagen sind durch wissenschaftliche Untersuchungen untersetzt, die sich sowohl mit unterschiedlichen Facetten (medizinischen, sportlichen, psychologischen und soziologischen) befassen. Nicht so gut untersucht ist ein anderer Bereich, der zunehmend eine gefährliche Nähe zum Dopingmissbrauch aufbaut. Das jugendliche Körperverständnis und ein sich breit machender Schönheitswahn entwickeln sich in vielen (nicht allen) Ländern in eine Richtung, die den Konsum von Dopingmitteln zur "Optimierung" oder "Perfektionierung" des Körpers toleriert, ja zunehmend erforderlich macht. Vorliegende erste Untersuchungen beispielsweise aus Nordamerika und Nordeuropa haben entsprechende, alarmierende Befunde zu Tage befördert. Das mittels anonymisierter Fragebögen gezeichnete Bild beginnt bereits mit den Ursachen bzw. Motiven (vor allem die Veränderung des äußeren Erscheinungsbilds), versucht aber auch ähnliche Themen (zum Beispiel das "Gehirndoping" zur Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit) in die Betrachtung einzubeziehen und daraus eine Betrachtung zu entwickeln, die einen sehr breiten, gesellschaftlichen Blick auf das Leistungsverständnis von Jugendlichen wirft. Die sich aus diesen Untersuchungen und der Kenntnis akuter und langfristiger gesundheitlicher Probleme ergebende Frage thematisiert ein präventives Vorgehen in jugendlichem Alter. Hier setzt die Arbeit von Maja Annika Steinmann an, die aber bewusstüber den sportlichen Rahmen des Dopingmissbrauchs hinausgehen wollte. Ihre Untersuchungsergebnisse haben dann auch gezeigt, dass das Thema auch in Deutschland kein auf den Sport begrenztes ist. Gerade die schulische Umgebung liefert Mädchen und Jungen einen Hintergrund, um sich sowohl mit dem Thema erstmals gedanklich zu befassen, um mit Gleichaltrigen in Kontakt zu kommen, die erste Erfahrungen mit Dopingmitteln besitzen und dadurch auch über zweifelhaftes "Erfahrungswissen" zur Nutzung und auch zu Zugängen zu derartigen Substanzen verfügen. Damit ist ein entsprechendes Gefährdungspotenzial gegeben, aber die Schule als organisierte Form des Zusammentreffens von Jugendlichen bietet eben auch Möglichkeiten, um präventive Maßnahmen zu konzipieren und zu inszenieren. Dies wurde im Rahmen ihrer Arbeit mit dem Konzept der "Projektwoche Körperkult" (bewusst wurde auf Doping in der Themenfindung verzichtet) und dessen Umsetzung an mehreren Kölner Gymnasien in die Tat umgesetzt. Dazu wurden die zwei Themen identifiziert, die in den Mittelpunkt der Maßnahmen mit den Jugendlichen gestellt wurden: 1. Schönheitsideal und Drogen 2. Arzneimittel und Doping. Bei beiden Themen konnte davon ausgegangen werden, dass die Schülerinnen und Schüler mit den Themen zumindest gedanklich bereits in Kontakt gekommen waren und sich erste Positionen dazu herausgebildet hatten. Die Projektwoche umfasste sowohl Diskussionsrunden, Arbeitsphasen zur theoretisch-gedanklichen Aufarbeitung von Teilthemen als auch praktische sportliche Übungen. Das Konzept der kompakten Auseinandersetzung im Rahmen einer Projektwoche erwies sich als geeignet (wobei ein zeitlicher Rahmen von 5 Tagen erforderlich war). Eine fächerübergreifende Hinführung und Nachbereitung der Themen wurde aber ebenso als sehr wichtig und hilfreich angesehen, um nachhaltige(re) Effekte erzielen zu können. Als wichtig wurde bewertet, dass derartige präventive Initiativen bereits in der Sekundarstufe II ergriffen werden sollten, da erste Dopingkontakte bereits mit dem Eintritt in die Pubertät auftraten. Der ermittelte Bedarf an Dopingprävention mit ihren unterschiedlichen Bereichen unter Schülern der siebten Jahrgangsstufe konnte nahezu uneingeschränkt bestätigt werden, wobei sie sehr gut unter dem Thema Körperkult erfolgen kann, da dieser für eine große Anzahl von Schülerinnen und Schülern ein relevantes Thema innerhalb der individuellen Selbstfindung darstellt. Wenn derartige Maßnahmen nachhaltig wirken sollen, ist zukünftig ein abgestimmtes und koordiniertes Vorgehen unterschiedlicher Einrichtungen und Organisationen aus dem Bildungs- und Sportbereich, aber auch gemeinsam mit den Familien wichtig.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Nachwuchssport Sozial- und Geisteswissenschaften Biowissenschaften und Sportmedizin Schulsport
Tagging:Lehrer
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Berlin Lehmanns Media 2011
Ausgabe:Berlin: Lehmanns, 2011.- 184 S.
Seiten:184
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch