Ausdauer für Profis
Es gibt wohl kaum eine Sportart, in der die konditionelle Fähigkeit Ausdauer unbeachtet bleiben kann. Auch wenn es sich primär um eine Spiel- oder Kampfsportart handelt, und selbst in technisch-kompositorischen Sportarten darf der Ausdaueranteil (zum Beispiel im Kraftbereich) nicht unterschätzt werden. Dabei sollten sich nicht nur die Übungsleiter und Trainer mit dem Thema fachlich auseinandersetzen, sondern auch für die Sportlerinnen und Sportlern bringt es großen gewinn, wenn sie verstehen, wo Ausdauer in ihrer Sportart eine Rolle spielt, welche physiologischen Prozesse dazu in Bewegung gesetzt werden und wie man das im Training aufgebaute Ausdauerpotenzial dann auch effektiv im Wettkampf umsetzen kann.
Dieser Themenkreis umfasst folglich primär physiologische, medizinische und trainingswissenschaftlichen Fragen. Es gibt gerade mit Blick auf die Verknüpfung biowissenschaftlicher Forschungen mit bzw. in Ausdauersportarten eine schier unüberschaubare Vielfalt von Publikationen, für deren Verständnis nicht selten fundierte Fachkenntnisse erforderlich sind. Um hier einen Einstieg zu schaffen, von dem ausgehen dann eine fachliche Weiterbildung starten kann, bietet das Buch des ehemaligen Weltklasse Langstreckenläufers Bruce Tulloh einen Überblick über die wichtigsten Themen der Entwicklung der Ausdauerfähigkeiten. Das beginnt mit definitorischen Erläuterungen und seiner Auffassung, dass die Ausdauer nicht weniger als sieben unterschiedliche Komponenten besitzt:
- Laktattoleranz
- spezifische muskuläre Ausdauer
- aerobe Fitness
- Effizienz des Bewegungsablaufs (z. B. Laufökonomie)
- Temperaturkontrolle unter Belastung
- Brennstoffversorgung und
- geistige Stärke.
Diese Faktoren finden sich in den folgenden Kapiteln immer wieder, wenn es zum Beispiel um Ausdauerleistung mit zunehmendem Lebensalter geht oder der Leistungsfaktor Ausdauer aus der Sicht verschiedener Sportarten bzw. Sportartengruppen betrachtet wird. Hier wird auch an verschiedenen Stellen auf die Verknüpfungen verwiesen, die zwischen der Ausdauerfähigkeit (bzw. einem adäquaten Niveau von ihr) und anderen Fähigkeiten und Fertigkeiten (zum Beispiel der Spielqualität oder der Bewegungsgenauigkeit) existieren. Ebenso wird auf Ernährungsfragen eingegangen, die eng mit der Erbringung bzw. Entwicklung von Ausdauerleistungen im Zusammenhang stehen. Hierzu werden zum Beispiel die unterschiedlichen Nährstoffe (Kohlenhydrate, Fette, Proteine, Flüssigkeit, Vitamine und Mineralien etc.) mit ihren Wirkungen präsentiert und in ein ausdauerorientiertes Trainingsregime integriert. In den abschließenden beiden Kapiteln wendet sich der Autor den Trainingsfragen zu. Hier beginnt er mit der Vorstellung geeigneter Tests zur Ermittlung der aktuellen Leistungsfähigkeit, bevor die Trainingsplanung in den Mittelpunkt gerückt wird: Mit Fragen nach Trainingsumfang und Trainingsintensität, nach der Auswahl eines sportartspezifischen Ausdauertrainings oder des Einsatzes von Intervall-, Schwellen oder Geschwindigkeitstraining.
Insgesamt bietet das Buch einen Überblick zu den physiologischen, medizinischen und trainingswissenschaftlichen Themen, ohne deren Beherrschung das Ausdauertraining mehr oder weniger dem Zufall überlassen werden würde. Da dies in den verschiedenen Alters- und Leistungsstufen nicht zu empfehlen ist, können sich an der Ausdauerfähigkeit interessierte Sportler in Bruce Tullohs Buch einen ersten kompakten Überblick verschaffen.
© Copyright 2008 Veröffentlicht von VNR Verlag. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Trainingswissenschaft Ausdauersportarten Biowissenschaften und Sportmedizin |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Bonn
VNR Verlag
2008
|
| Ausgabe: | Bonn: VNR Verlag, 2008. - 129 S. |
| Schriftenreihe: | Sport und Training |
| Seiten: | 129 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | mittel |