Gendoping. Wissenschaftliche Grundlagen - Einfallstore - Kontrolle

In der aktuellen Diskussion über die Zukunft des nationalen und internationalen Spitzensports nehmen Fragen des Dopings eine prominente Stelle ein. Die nicht enden wollenden Fälle von Doping, die sie begleitende Berichterstattung, die Forderungen aus den Sportorganisationen, aus der Sportpolitik sowie durch Medienvertreter werden, mit einem Blick in die Zukunft, auch dadurch verstärkt, dass eine neue "Dopingwelle" unter dem Schlagwort Gendoping befürchtet, ja erwartet wird. Mit der vorliegenden Studie wird ein Überblick über die gen- und zelltherapeutischen Verfahren sowie über Methoden der gezielten Manipulation der Genexpression gegeben, die für eine gezielte Beeinflussung der Genaktivität geeignet scheinen. Als vorstellbare physiologische Ansatzpunkte des Gendopings beschreibt das Buch die Skelettmuskulatur, die Sauerstoffversorgung und die Energiebereitstellung. Durch die spezifische Beeinflussung körpereigener Genaktivität (Aktivierung, Verstärkung, Abschwächung, Blockade der Genexpression) soll auf biochemische und physiologische Prozesse Einfluss genommen werden. Ein solcher Ansatz, das haben therapeutische Behandlungsstrategien aber mehrfach gezeigt, ist hoch riskant, da die möglichen Folgen sehr schwer prognostizierbar sind und mit unkontrollierbaren und nicht vorhersehbaren Nebenwirkungen gerechnet werden muss. Angesichts dieser Komplexität wird davon ausgegangen, dass in absehbarer Zeit nur zugelassene bzw. in der klinischen Erprobung befindliche therapeutische Verfahren und Medikamente für den Dopingmissbrauch infrage kommen. Es gibt allerdings auch Zugangswege (siehe den Fall BALCO), wo der rechtliche Rahmen der Erprobung und Zulassung derartigen Verfahren und Medikamente bewusst umgangen wird. Auch wenn damit bereits recht hohe Missbrauchshürden gegeben sind, ist davon auszugehen, dass es einerseits nutzbare Methoden des Gendopings im erweiterten Sinne bereits gibt und dass andererseits auch immer wieder Sportler, Trainer und/oder Mediziner bereit sein werden, diese zu testen und zu nutzen. Daraus ergibt sich die Forderung nach Entwicklung von direkten und indirekten Methoden und Verfahren, um Gendoping nachzuweisen. Diesem Anliegen wird auch durch verschiedene Forschungsprojekte Rechnung getragen, die durch die WADA gefördert werden. Verbunden damit ist die Forderung nach Kontroll- und Sanktionsbestimmungen, die durch das IOC, internationale und nationale Sportorganisationen in ihr Regelwerk aufgenommen werden. Hier wird auch ein enges Zusammengehen mit staatlichen Einrichtungen gefordert, um entsprechende juristische Regelungen zu finden. Die Aussage der Autoren, dass "genetisch optimierte" Athleten in absehbarer Zeit nicht zu erwarten bzw. höchst unwahrscheinlich sind, kann und darf aber zu keiner verminderten Aufmerksamkeit in der Beobachtung des wissenschaftlichen Umfelds sportlicher Leistungen führen, noch dürfen die Bemühungen reduziert werden, durch Aufklärung über potenzielle Gefahren genetischer Veränderungen bei Sportlern eine entsprechend ablehnende Haltung gegenüber dieser Form der Manipulation und des Betrugs zu erzeugen.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin Theorie und gesellschaftliche Grundlagen
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Berlin Ed. Sigma 2008
Ausgabe:Berlin: Ed. Sigma, 2008. - 158 S.
Schriftenreihe:Studien des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag ; 28
Seiten:158
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch