Ontogenese motorischer Fertigkeiten im Grundschulalter. Allgemeiner Sportmotorischer Test (AST 6-11)

Die erschreckende Feststellung von Obst und Bös (1998), dass Grundschüler pro Tag jeweils 9 Stunden liegen und sitzen, 5 Stunden stehen, aber sich nur 1 Stunde bewegen (und davon wiederum nur 15-30 Minuten als Teil sportlicher Aktivitäten), wirft ein bezeichnendes Licht auf eine bisher ungelöste Problemlage: Bewegungsmangel im Kindesalter. Dabei sind gerade im Grundschulalter besonders gute Voraussetzungen gegeben, um Mädchen und Jungen "in Bewegung zu bringen". Die vorliegende Arbeit möchte einen Beitrag dazu leisten, dass dies zukünftig wieder besser gelingt. Deshalb wendet sie sich der Entwicklung der motorischen Fähigkeiten gerade in diesem Altersbereich zu. Nina Sophie Schaffert greift sich die Fragen nach der Entwicklung motorischer Fähigkeiten (Kraft, Maximalkraft, Schnellkraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Koordination, Differenzierungsfähigkeit, Orientierungsfähigkeit, Reaktionsfähigkeit) heraus und geht mit einem sportmotorischen Test (20-m-Lauf, Zielwerfen an die Wand, Ball-Beine-Wand-Zielwurf, Hindernislauf, Medizinballstoßen und 6-Minuten-Lauf) folgenden Fragen nach: - Wie verändern sich ausgewählte motorische Fähigkeiten in Abhängigkeit vom Alter? - Haben Jungen bereits im Grundschulalter ein höheres Leistungsniveau als Mädchen? - Kann eine Wechselwirkung von Alter und Geschlecht belegt werden? Dazu wurden mehr als 160 Mädchen und Jungen im Alter von 7-11 Jahre auf ihre körperliche Fitness getestet. Dabei wurden die Ergebnisse getrennt nach den energetisch determinierten konditionellen Fähigkeiten und den informationsorientierten koordinativen Fähigkeiten analysiert. Bei der ersten Gruppe zeigten sich zum Beispiel in drei Fähigkeiten (Sprintkraft/Handlungsschnelligkeit, Stoßkraft, allgemeine aerobe Ausdauer) generelle Entwicklungen im gesamten Altersverlauf, der teilweise auch durch den Faktor Alter signifikant geprägt waren. In der Laufausdauer konnten bei einer geschlechtsspezifischen Untergliederung keine systematischen Veränderungen gefunden werden. In der Stoßkraft wiesen die Jungen ein höheres Leistungsniveau auf, währen beim Sprint Mädchen den Jungen in der Altersstufe 9-10 überlegen waren. Eine geschlechtsspezifisch unterschiedliche Entwicklung zwischen Mädchen und Jungen konnte in dieser Gruppe der konditionellen Fähigkeiten nicht belegt werden. Bei den koordinativen Fähigkeiten gibt es im Altersverlauf eine durchgängige Entwicklung, die aber bei einer geschlechtsspezifischen Betrachtung interessante Besonderheiten enthält. So entwickeln sich die Mädchen im Unterschied zu den Jungen durchgängig nur beim Zielwerfen und beim Ball-Beine-Wand-Test. Bei diesen beiden Tests wurde außerdem ein systematischer Einfluss des Geschlechts festgestellt, den es beispielsweise beim Hindernislauf nicht gibt. Sowohl bei den konditionellen als auch bei den koordinativen Fähigkeiten wurde aber ein weitgehend paralleler Verlauf der Entwicklungskurven von Mädchen und Jungen festgestellt. Während alle koordinativen Fähigkeiten sowie die Leistungen im Sprint und im Medizinballstoßen von Mädchen und jungen einen linearen Entwicklungstrend aufweisen, hat dieser bei der Laufausdauer eine parabolische Form.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft Schulsport
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Saarbrücken VDM Verlag Dr. Müller 2007
Ausgabe:Saarbrücken: VDM Verlag Dr. Müller, 2007. - 131 S.
Seiten:131
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch