Irrationale Gedanken, Selbstwertgefühl und Erfolg im Spitzensport. Psychologische Voraussetzungen für sportliche Höchstleistungen

Erfolg kann im Leistungssport zur "Droge" werden, wie im Gegenzug Misserfolg aber auch Angst, Depressionen, Wut oder Schuldgefühle auslösen kann. Im schlimmsten Fall kann das sogar soweit gehen, dass nachfolgende Wettkampfergebnisse davon wieder negativ beeinflusst werden. Bemerkenswert ist jedoch in diesem Zusammenhang, dass eine derartige Verarbeitung von Erfolg und Misserfolg nicht durchgängig zu erkennen ist, sondern die Palette der Möglichkeiten sehr groß ist. Es zeigt sich, dass Sportlerinnen und Sportler, die zu irrationalen (rigiden, dogmatischen, absolutistischen) Gedanken neigen, diesbezüglich häufiger mit unpassenden Emotionen und dysfunktionalem Verhalten reagieren. Für Trainer und Psychologen stellt sich immer wieder die Frage, wie ich ein derartige Verhaltensmuster rechtzeitig erkennen kann, und welche Strategien genutzt werden können und sollten, um eine positive Veränderung der Situation bei der Sportlerin der Sportler zu erreichen. Dabei wird die Rational-Emotive Kognitive Verhaltenstherapie von Albert Ellis in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Untersuchungsansatzes gestellt. Dazu wurden 82 Leistungssportlerinnen und -sportler nach der Verarbeitung einer aktuellen Erfolgs-. bzw. Misserfolgssituation befragt. Dabei wurde u. a. die Dauer und Intensität der adaptiven und maladaptiven Gefühle untersucht und wie die Probanden diese in ihren Auswirkungen auf ihre weiteren sportlichen Aktivitäten in Training und Wettkampf bewerteten. Untersucht wurden ebenfalls die Beziehungen zwischen sportspezifischen und sportunspezifischen, aus anderen Lebensbereichen stammenden irrationalen Kognitionen, und deren Auswirkungen auf sportliche Aktivitäten untersucht. In einem Folgeschritt wurden die ermittelten Ergebnisse in Beziehung zu den nachweisbaren sportlichen Erfolgen bzw. Misserfolgen der Probanden gestellt. Die Ergebnisse führten zu keinem homogenen Bild, da die vermuteten Zusammenhänge mit der gewählten Methode so nicht nachgewiesen werden konnten. Selbst bei Probanden mit irrationalen Kognitionen wurden, wenn auch nicht durchgängig, größere sportliche Erfolge nachgewiesen. Dies kann, nach Auffassung der Autorin damit im Zusammenhang stehen, dass in der spezifischen Umgebung Leistungssport ein dogmatisches Mussdenken durchaus über einen kürzeren Zeitraum zur sportlichen Zielereichung beitragen kann. Erst wenn diese Irrationalität über einen längeren Zeitraum anhält, könnten sich die negativen Folgen einstellen und verstärken. Interessant sind hier die differierenden Befunde zwischen Trainingsweltmeistern und den bei internationalen Höhepunkten erfolgreich abschneidenden Athletinnen und Athleten. Hingewiesen werden soll ebenfalls auf die Befunde zum (so nicht existierenden) Zusammenhang zwischen Selbstwertgefühl und sportlichem Erfolg, was primär darauf zurückgeführt wird, dass die aktuelle Erfolgs- und Misserfolgsbewertung nicht so sehr das tiefer liegende trait-Selbstwertgefühl beeinflusst, sondern eher das aktualisitätsbezogene state-Selbstwertgefühl. Die Arbeit von Tanja Gloger ist Trainern und Sportpsychologen im Nachwuchs- und Hochleistungssport zu empfehlen, gibt sie doch einen sehr interessanten und wissenschaftlich analysierten Einblick in die Gedankenwelt von Topathleten und zeigt Möglichkeiten auf, dieses Wissen zu nutzen, um die Entwicklung sportlicher Höchstleistungen zu fördern.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Sozial- und Geisteswissenschaften
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Saarbrücken VDM Verlag Dr. Müller 2008
Ausgabe:Saarbrücken: VDM Verlag Dr. Müller, 2008. - 112 S.
Seiten:112
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch